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Wiener Kammerchor

Ein Abend voller Romantik

10.09.2012 | 12:00 Uhr
Ein Abend voller Romantik
Im Bürgerhaus Bad Berleburg präsentierte der Wiener Kammerchor ein breites Spektrum seines Könnens.Foto: Christiane Sandkuhl

Bad Berleburg.   Ein großer, lange geplanter und außergewöhnlich gut organisierter Chorabend auf deutsch-österreichischer Freundschaft basierend, erlebten am vergangenen Wochenende gut 350 Besucher. Auf Einladung des MGV „Sangeslust“ Birkefehl trat der Wiener Kammerchor im Bad Berleburger Bürgerhaus auf.

Ein großer, lange geplanter und außergewöhnlich gut organisierter Chorabend auf deutsch-österreichischer Freundschaft basierend, erlebten am vergangenen Wochenende gut 350 Besucher im Bad Berleburger Bürgerhaus.

Was hier in den vergangenen Jahren schon mehrfach begeisterten Anklang fand - nämlich große, berühmte Stimmen von Format einzuladen - setzten die Sänger vom MGV „Sangeslust“ Birkefehl in Kooperation mit der Kulturgemeinde Bad Berleburg fort. Thomas Bröcher ist als gewiefter Leiter des Wittgensteiner Chores um regen Austausch auch auf internationaler Ebene bemüht. Den Wiener Kammerchor einmal an die Odeborn zu holen, war sein Ziel, das nun umgesetzt wurde. Selbstverständlich kamen hier auch die stimmgewaltigen Herren des Birkefehler „Sangeslust“ zu Wort und Ton. Dass es den 40 Herren mit klaren Stimmen nicht an voluminösem Ausdruck fehlte, bewiesen sie gleich zur Begrüßung der Semi-Profi-Sänger von der Donau mit einer Reihe bekannter Chormusiken auf folkloristischem Boden. Die „Abendruhe“ von Rolf Kern, „Handwerkers Abendgebet“ sowie geistliches Liedgut mit „I will praise thee, oh Lord“ gehörten zum Liedgut des Abends.

Der Wiener Michael Grohotolsky ist mit der Leitung des Wiener Kammerchores mit der Zusammenarbeit eines internationalen Vocalensembles betraut. 2007 wurde die Chorgemeinschaft in die Dirigentenhände Grohotolskys gelegt. Seitdem und auch in den Jahren davor profilierte sich das Ensemble und brilliert nun mannigfach mit großen Auszeichnungen.

Brahms, Mahler und Wagner

In Bad Berleburg boten sie ein „BMW“-Konzert. Der Chorleiter umschrieb dies mit Humor, betonte die Leichtigkeit der Automarke, verwies aber auf die hohe Musikalität der Komponisten, die hinter den dargebotenen Werken stehen. Johannes Brahms, Gustav Mahler und Richard Wagner waren themengebende Meister.

Der Einstieg gelang grandios mit der Brahms-Motette „Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen?“ - ein schweres, ernstes, würdiges Werk, das die hohe Kunst, das stimmliche Können und die berauschende a-capella-Musik fokussierte. Fallende Stecknadeln wären hörbar gewesen, der Zuschauerraum höchst konzentriert und die Blicke gerichtet auf 32 Sängerinnen und Sänger, die es mit Professionalität verstehen zu begeistern und Gemüter zu bewegen.

Inzwischen sind die Sänger in allen mit der Stimme musizierbaren Genres zu Hause, was aus Kritikersicht mit Attributen wie exzellent, herausragend und unvergleichlich belegt wurde.

Ein Abend der Romantik wurde es in jeder Hinsicht. Ruhe, Harmonie, Traum und Fantasiewelt und kurze Griffe in den Bereich des christlichen Glaubens beherrschten die Lieder der Wiener Stimmen. Gustav Mahlers „Urlicht“-Sinfonie erfuhr durch die Chor-Transkription von Titus Gottwald einen speziellen Charakter der Tiefsinnigkeit. Die Arbeit für den achtstimmigen Chor setzte der Wiener Kammerchor für das Bühnenbild sehr gut erklärbar um, so dass auch die akustische Arbeit in relativ resonanzarmem Raum sehr gute Effektivität erzielte.

„Vexilla regis“ - Anton Bruckners Werk mit Gänsehautgefühl, das er im Angesicht des eigenen Todes zu Partitur brachte, ließ ein Erlebnis der Vielschichtigkeit und der tiefen Besinnlichkeit in den erarbeiteten drei Strophen von originalen sieben zu.

Nach Meinung Richard Wagners hat ein jeder Künstler Anrecht auf eine Muse, die er selbst 1852 in seinem Schweizer Exil in Mathilde Wesendonck fand. Sie schrieb fünf Gedichte für ihn, aus denen die Wagner-Kompositionen „Im Treibhaus“ und „Träume“ hervorgingen. Sie dienten Wagner als Transkriptionen für „Tristan und Isolde“. Grohotolsky bezeichnete das Chor-Arrangement als gewagtes Spiel, da es 16-stimmig vom Ensemble präsentiert wurde. Schnell erfuhr das begeisterte Berleburger Publikum, dass aus dem Wagnis ein gewonnenes wurde. Mit Großartigkeit sang sich der MGV abermals in die Erinnerung auf der Bühne mit Volkstümlichem. Ein Blick über das Heimatland holte aus der weiten Musikwelt zurück. „Ich ging eh mol spaziere“, ein Anschubser für alle, die mehr Schein als Sein im eigenen Leben die Bedeutung geben und ein Wink für die Umsetzung von Echtheit und Ehrlichkeit, denn die währt am längsten. Authentisch verabschiedeten sich die Gäste aus Österreich mit einem Blick in Gustav Mahlers „Zwei blaue Augen“ und hinterließen Sinniges, Sinnlichkeit, alles unter dem großem Motto „Hauptsache Romantik“ unter nicht enden wollendem Applaus.

Christiane Sandkuhl



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