EEG sorgt für schonendere Narkose im OP

Bad Berleburg..  Die Helios Klinik Bad Berleburg investiert in die Sicherheit ihrer Patienten: In jedem der zwei Operationssäle steht den Anästhesisten um Chefarzt Dr. Gregor Wistehube ein Elektroenzephalographie-Geräte (EEG) zur Verfügung, das die Narkosetiefe der Patienten misst. Anhand von Hirnströmen kann der Arzt beurteilen, wie tief der Patient schläft und wann er zu erwachen droht. Die Narkose soll dadurch für den Patienten schonender werden.

Kaum ein Gedanke bereitet Patienten so viele Sorgen, wie der an eine bevorstehende Operation. Werde ich aus der Narkose wieder erwachen oder wache ich gar während des Eingriffs auf? Dr. Gregor Wistehube, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie (Narkose) und Intensivmedizin kann das gut verstehen: „Es kommt selten vor, dass Patienten während einer Operation ein Wacherlebnis haben. Unser Ziel ist es dennoch, diese Zahl noch weiter einzudämmen, da so ein Erlebnis sehr belastend sein kann. Dabei helfen uns unter anderem die EEG-Geräte.“

Hirnströme messen

Die menschlichen Hirnströme verändern sich unter Narkoseeinfluss. Die Frequenzen, auf denen unser Gehirn sendet, sind je nach Bewusstseinsphase anders – und dadurch an einem Elektroenzephalographie-Gerät ablesbar. „Es gibt für jede Phase einen Buchstaben und einen Zahlenwert. Sie zeigen uns, in welchem Bewusstseinszustand sich der Patient befindet“, erklärt Dr. Wistehube das Gerät. Die Skala reicht von A bis F. Grob kann man sagen, dass ein Patient in den Stadien A und B noch wach ist, während er in den Phasen C, D und E vermutlich schlafen wird. Ab Stufe F wird es dann kritisch.

„Kinder und Jugendliche haben einen hochaktiven Organismus. Bei Ihnen müssen wir im Verhältnis zum Körpergewicht oft mit mehr Narkosemittel arbeiten, damit sie die gewünschte Schlaftiefe erreichen“, sagt Dr. Wistehube und ergänzt: „Ältere Menschen brauchen verhältnismäßig wenig Narkosemittel, ihr Organismus baut die Medikamente nicht so schnell ab, wie das bei jungen Menschen der Fall ist.“ Während Kinder bei einem Wert um D noch eine Erinnerung an das Geschehene haben, sind Erwachsene da schon in einem leichten Schlaf. „Optimal sind Stadien zwischen D und E. Da schlummert der Patient selig vor sich hin.“

Schwankungen werden angezeigt

Ab Stufe F würde die Narkose hingegen zu tief, die Gehirnaktivität ist zu gering und im schlechtesten Fall entstünden jetzt Hirnschädigungen oder Schlimmeres. „Dazu kommt es aber kaum, da uns das EEG jede Schwankung optisch und akustisch anzeigt. Wir können dann sofort reagieren und die Narkosemitteldosis anpassen.“

Eine Narkose kann von Hand eingestellt werden – ein erfahrener Anästhesist (Narkosearzt) muss auch ohne EEG eine zuverlässige Narkotisierung vornehmen können.

Durch den Einsatz des Gerätes steigt jedoch die Patientensicherheit während der OP. Vorsicht sollte der Anästhesist trotzdem walten lassen: „Auch ein EEG ist nicht hundertprozentig zuverlässig“, sagt Dr. Wistehube und weiter: „Die Anästhesie ist ein sehr dynamisches Tätigkeitsfeld. Jeder Patient ist anders und bringt andere Werte oder Parallelerkrankungen mit. Es gibt keine Universalwerte, an die man sich halten muss.“

Klinische Werte berücksichtigen

Zudem ist es wichtig, dass neben den Hirnströmen auch die klinischen Werte, die über andere Geräte gemessen werden, erfasst und berücksichtigt werden – wie z.B. Sauerstoffsättigung, Blutdruck, Puls oder der CO₂-Ausstoß beim Ausatmen.

Nur dann kann der Anästhesist davon ausgehen, dass sich der Patient in einem erträglichen Zustand befindet und seine Operation unbeschadet übersteht – denn er steht immer im Mittelpunkt.