Durchgeboxt dank Unterstützung

Bad Berleburg..  Wenn Auswärtige nach Berleburg kommen, freuen sie sich über die tolle Altstadt, das Schloss oder genießen den eindrucksvollen Blick auf das Rothaargebirge. Für Ahmad Ibrahim war der erste Blick auf die Stadt gleichbedeutend mit einer Katas­trophe. „Ich konnte kein Deutsch, ich hatte hier weder Freunde noch Bekannte, ich hatte gar nichts“, fasst er im Gespräch mit unserer Zeitung seine desolate Situation zusammen. Das liegt erst rund eineinhalb Jahre zurück.

Mit in der Runde sitzen noch Al­fred Tafoshi und Driton Hajdini. Beide stammen aus dem Kosovo – und auch sie wissen, was es heißt, alles zurücklassen zu müssen. Aber erst zurück zur langen Reise des Ahmad Ibrahim. Hier passt das Wort Odyssee leider vortrefflich. Er wächst auf in der syrischen Stadt Kamischli, die allerdings im Kurdengebiet liegt – da kann er aber nicht bleiben. „Als ich 17 Jahre alt war, musste ich fliehen, weil ist sonst für das Regime von Assad hätte kämpfen müssen“, erzählt er unserer Zeitung in erstaunlich gutem Deutsch.

Er macht sich auf den beschwerlichen Weg in Richtung Türkei, wird dort von Polizei ins Gefängnis gesteckt, kann sich aber freikaufen und bezahlt dann umgerechnet 9000 Euro an Schlepper, die ihn von der Türkei nach Polen bringen. Von da aus geht es nach Deutschland, und über ein bekanntes Aufnahmelager in Dortmund führt der beschwerliche Trip nach Berleburg. Jetzt hat Ahmad Ibrahim ausnahmsweise auch einmal Glück: Er lernt die „Allzweckwunderwaffe“ der Stadtjugendpflege kennen – das ist Alfred Tafoshi.

Aufbau und Durchführung

Seine engagierte Truppe kommt zu den vielfältigsten Veranstaltungen zum Einsatz – bei Aufbau, Durchführung und dem abschließenden Abbau der Gerätschaften. Driton ist auch mit dabei. Er kann sich noch gut an seine Flucht mit Mutter und den zwei Brüdern aus dem Kosovo erinnern – da war er erst sieben Jahre alt. Und als sie nachts die erste Tankstelle auf Bundesgebiet erreichten, da hatte er nur einen Schlafanzug an. Die ungewöhnliche Erfolgsgeschichte der Kosovaren beginnt eigentlich im Jugendcafé am Marktplatz, und dort fungierte seinerzeit Bernd Fuhrmann als Jugendpfleger. heute Bürgermeiste. „Er hat uns damals eine Chance gegeben, sonst wären wir vielleicht abgerutscht“, betont Tafoshi, der in Sachen gelungener Integration auch Katharina Benner-Lückel und Holger Saßmannshausen lobend erwähnt.

Alfred Tafoshi arbeitet heute als Produktionshelfer bei der Firma Walter Klein in Banfe, Driton hat es schon zum vertretenden Marktleiter in Volker Treudes Rewe gebracht, und Ahmad hat einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Sein Fußballtalent dürfte seine Integration wohl forciert haben, schließlich wechselt er jetzt vom VfL Bad Berleburg zum TuS Erndtebrück.

Diskussion natürlich mitbekommen

Die Diskussionen um die Notunterkunft haben sie natürlich mitbekommen. „Nur fünf Prozent der Flüchtlinge kommen mit schlechten Absichten nach Deutschland.
Aber wenn irgendetwas passiert, dann werden alle schlecht gemacht“, machen sie das Problem anschaulich.

Problem da oben ist die Langeweile

Am Spielacker gibt es noch ein anderes Problem: die Langeweile. „Wenn die Leute da oben nichts zu tun haben, dann kann viel passieren“, sagt Driton, der gleichzeitig noch auf die Ungewissheit verweist, mit der die Asylbewerber in der Regel zu kämpfen haben. Bis zu einer unbefristeten Aufenthaltgenehmigung hat es bei Alfred und Driton Jahre gedauert – und das ist noch vorsichtig formuliert.

Alfred Tafoshi erinnert noch einmal an den klugen Schachzug des heutigen Berleburger Bürgermeisters: „Fakt ist: Wenn uns Herr Fuhrmann damals keine Chance gegeben hätte, dann wären wir nicht so geworden.“ Kollege Driton Hajdini regt an, dass auch andere eine Chance bekommen müssen – und fügt dann noch folgenden prägnanten Satz hinzu: „Wir fühlen uns schon als Wittgensteiner.“