Drogenabhängige Frau gesteht Raub und Überfall

Nach dem Raubüberfall rettete sich das betagte Opfer zum Frische-Eck in der Bismarckstraße.
Nach dem Raubüberfall rettete sich das betagte Opfer zum Frische-Eck in der Bismarckstraße.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Eine 24 Jahre alte Heroinabhängige ist von ihrem Gewissen geplagt worden. Im Gefängnis in Bielefeld gab sie jetzt zu, im Sommer 2013 zwei Berleburger Seniorinnen überfallen und beraubt zu haben.

Bad Berleburg..  Mit einem Parade-Beispiel für Beschaffungskriminalität kann die Kripo in Bad Berleburg einen zweifachen Erfolg vermelden und zwei Straftaten als aufgeklärt an die Staatsanwaltschaft weiterreichen. Denn eine 24-jährige Drogenabhängige hat völlig überraschend zwei Raubüberfälle auf ältere Damen gestanden. Beide Taten hat sie bereits im Sommer 2013, eine im Zug bei Ferndorf, die andere in Bad Berleburg, begangen.

Wie unsere Lokalredaktion erfuhr, räumt die zur Zeit inhaftierte ein, am 29. August 2013 auf der Fahrt mit der Rothaarbahn von Bad Berleburg in Richtung Siegen eine damals 77 Jahre alte Berleburgerin mit einem Messer bedroht und ihr eine goldene Halskette geraubt zu haben. Diese Kette soll sie nach eigenen Angaben in Siegen für 60 Euro versetzt haben. Das bestätigte ein Polizeibeamter im Gespräch mit unserer Zeitung und verriet, dass die 24-Jährige zu dem Zeitpunkt „100 bis 150 Euro täglich für Heroin“ auftreiben musste.

Die Täterin flüchtete am Bahnhof Ferndorf aus dem Zug und war zunächst verschwunden. Aber weil sie für derartige Delikte polizeibekannt war und eine Videoaufzeichnung aus dem Bahnhof vage auf sie hindeutete, geriet die Abhängige in den Fokus der Ermittlungen. Eine Durchsuchung ihrer Wohnung, in der sie mit ihrem Partner (29) lebte, blieb ergebnislos. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein.

Opfer willkürlich ausgesucht

Noch nicht einmal einen Monat später die zweite, schwere Straftat: Auf dem Weg von der Lenne zum Bahnhof begegnet der 24-Jährigen auf dem Kinderspielplatz „Sonnenschein“ eine Seniorin. Die 89-Jährige wird auf ihrem Rückweg vom Einkauf eher zufällig zum Opfer eines Raubüberfalls; denn spontan zieht die junge Frau ihre Schirmmütze tief ins Gesicht, zückt ein Küchenmesser und will an die Handtasche der Seniorin. Die aber hält sie vehement fest, beim Gerangel zieht sich die betagte Dame Verletzungen an der Stirn zu, aber kann sich ins „Frische-Eck“ in der Bismarckstraße retten. Von dort werden Polizei und Rettungswagen alarmiert.

Zu diesem Zeitpunkt gehen die Fahnder aufgrund der Aussagen des Opfers davon aus, dass ein junger Mann als Täter infrage kommt. Sein Fluchtweg kann durch Gärten in der Moltkestraße und Breslauer Straße in Richtung Lenne verfolgt werden. Unterwegs finden Polizeibeamte die Schirmmütze und das Päckchen einer seltenen Tabakmarke. Veröffentlichungen in den Medien helfen aber auch in diesem Fall genauso wenig weiter wie ein DNA-Abgleich von Haaren aus der gefundenen Mütze.

Das konnte nur der Täter wissen

Dann kommt die unerwartete Wende. Während einer Haftzeit in Bielefeld plagen die 24-Jährige Gewissensbisse. Wie unsere Recherche ergab, will die Frau ihr Gewissenerleichtern, weil sie sich im Nachhinein Gedanken über ihre Opfer, die beiden betagten Damen, gemacht hat. Mitleid spielt auch eine Rolle. Aus Bielefeld nimmt sie Kontakt zur Kriminalpolizei auf und bittet um einen Gesprächstermin. Ein Beamter aus Bad Berleburg fährt hin. Und dann packt die Täterin aus. Sie weiß, dass die Polizei ihr wegen der Tat in der Rothaarbahn auf die Spur gekommen war und schildert aus ihrer Sicht den Hergang im Zug, gibt alles zu.

Dann staunt der Kripomann nicht schlecht, als auch der Raubüberfall vom Spielplatz „Sonnenschein“ zur Sprache kommt. „Ja, das war ich auch“. Angeblich hat dann die Frau „mit Fakten, die nur der Täter wissen kann“, auch diese Straftat zugegeben. Dieses freiwillige Geständnis könnte die zu erwartende Haftstrafe vermutlich deutlich verkürzen.