Drei andere Könige vor der Krippe

Am kommenden Mittwoch wird das Fest der Heiligen Drei Könige gefeiert. Im Mittelpunkt steht dabei die biblische Geschichte von den drei Weisen, die nach Bethlehem kamen. Sie knieten vor der Krippe und brachten dem Kind kostbare Geschenke – Gold, Weihrauch und Myrrhe. Viele von uns kennen diese Geschichte. Mich begleitet seit einigen Jahren eine andere Geschichte von anderen Königen; die möchte ich Ihnen erzählen.


Es geschah vor einigen Jahren. Ein paar jüngere Leute hatten die Absicht, zu Weihnachten die Weihnachtsgeschichte zu spielen. Die Mitspieler waren schnell gefunden; die Kulissen wurden von Handwerkern des Ortes gebaut. Alles lief sehr gut – bis zum Abend vor der Aufführung. Plötzlich stellte man fest, dass die Heiligen Drei Könige fehlten. Sie sollten aber in jedem Fall dabei sein. Nur – woher jetzt noch drei Könige nehmen?


Da hatte der Spielleiter eine Idee. Er wollte drei Menschen in seiner Nachbarschaft ansprechen und sie fragen, ob sie die Könige spielen wollten. Als Geschenk sollten sie einfach einen Gegenstand mitbringen, der ihnen ganz wichtig und wertvoll war. Dazu sollten sie erzählen, warum sie gerade diesen Gegenstand mitgebracht hatten.


Gesagt – getan. Der erste König war schnell gefunden. Es war ein Mann, Familienvater, Anfang 40. Er wusste auch sofort, was er dem Kind in der Krippe mitbringen wollte – die beiden Krücken aus dem Abstellraum hinter der Garage. Vor einigen Jahren hatte er sie gebraucht. Er hatte damals einen schweren Autounfall gehabt – hatte mehrere Wochen im Krankenhaus gelegen. Lange hatte er nicht gewusst, ob er überhaupt noch einmal gehen konnte. Aber er hatte das Laufen wieder gelernt und war gesund geworden. Er würde dem Kind die Krücken bringen als Zeichen seiner Dankbarkeit.

Der zweite König war eine Königin. Sie wollte gerne mitmachen, wusste aber zunächst nicht, was sie dem Kind in der Krippe schenken sollte.

Sie überlegte die ganze Nacht und entschied sich schließlich für ihre alte Küchenschürze. Mit dieser Schürze hat sie für ihre Familie das Essen gekocht – mit ihr hatte sie ihren Kindern die Tränen getrocknet – mit dieser Schürze war sie zum Basteln im Kindergarten gewesen und mit ihr hatte sie im Garten gearbeitet.Diese Schürze wollte sie dem Kind in der Krippe schenken als Zeichen ihrer Dankbarkeit für ihr Leben und den Reichtum, den sie durch ihre Familie gefunden hatte.


Der dritte König war ein junger Mann. Auch er hatte gerne zugesagt, überlegte aber dann lange, ob er wirklich gehen sollte. Er hatte nichts. Seine Hände waren leer. Und wenn er nachdachte: Außer Fragen und Zweifel und zugleich einer tiefen Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit gab es nichts, dass er dem Kind hätte bringen können. Als er schließlich doch ging und vor der Krippe stand, sagte er: „Kind in der Krippe, ich habe dir nichts mitgebracht – nur meine leeren Hände. Ich bitte dich: Fülle mir diese Hände, dass ich Frieden finde.“ Im ganzen Raum war es still, keiner sagte etwas, aber jeder spürte: Dieser König mit den leeren Händen hatte verstanden, was das Kind in der Krippe wollte – und immer noch will. Wie dieser König sind auch wir eingeladen, dem Kind in der Krippe unsere leeren Hände zu schenken, damit er sie füllen kann.


Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Jahr 2015.