Diskussion über Zukunft kirchlicher Gebäude

Kontrovers, ehrlich und energiegeladen diskutieren die Teilnehmer über mögliche Lösungen für die Gebäudenutzung.
Kontrovers, ehrlich und energiegeladen diskutieren die Teilnehmer über mögliche Lösungen für die Gebäudenutzung.
Foto: Jens Gesper
Was wir bereits wissen
Drei Dutzend Menschen nahmen sich am Donnerstagabend knapp zwei Stunden Zeit, um gemeinsam nachzudenken, wie es mit den Gebäuden der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Berleburg in Wemlighausen weitergehen kann und soll.

Wemlighausen..  Drei Dutzend Menschen nahmen sich am Donnerstagabend knapp zwei Stunden Zeit, um gemeinsam nachzudenken, wie es mit den Gebäuden der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Berleburg in Wemlighausen weitergehen kann und soll. Der allgemeine Hintergrund für ganz Wittgenstein: Es gibt immer weniger Menschen auf dem Land, die einen Gebäudebestand tragen müssen, der während der Jahre des Wachstums nach dem Zweiten Weltkrieg stets größer wurde. Konkret in Wemlighausen geht es um die Kirche, das vermietete Pfarrhaus mit dem angebauten Gemeindesaal und die sogenannten Werkstatt, in der separate Jugendräume vom CVJM genutzt werden.

65 Gemeindeglieder pro Jahr verloren

Die Wemlighäuser Presbyterin Edith Aderhold und Finanzkirchmeister Georg Lückel umrissen zunächst kurz die Situation der Haushaltssicherungs-Kirchengemeinde Bad Berleburg: Hier sei die durchschnittliche Gebäudefläche pro Gemeindeglied doppelt so hoch wie der Durchschnitt in der Evangelischen Kirche von Westfalen, dabei sei es zu wenig, wenn ein Raum nur noch von einer einzigen Gruppe genutzt werde. Allein in den vergangenen zehn Jahren habe man jährlich 65 Gemeindeglieder verloren.

Hinzu kommt eine Gebäuderücklage, die schon immer angelegt werden sollte, was aber von den Gemeinden hintangestellt wurde. Seit diesem Jahr werden alljährlich verbindlich 0,5 Prozent des Gebäudeneubauwertes der gemeindlichen Immobilien als Bauunterhaltung in den Haushalt eingestellt, ansteigend bis 2020 auf 0,75 Prozent. Außer den beiden Angesprochenen waren weitere Presbyteriums-Mitglieder bei der Versammlung, auch Berleburger Presbyter und die beiden Gemeindepfarrerinnen Claudia Latzel-Binder und Christine Liedtke.

Im Folgenden entspann sich eine Diskussion, die von der Atmosphäre her schon beeindruckend war: Ehrlich und energiegeladen wurde überlegt, dabei ging es nie weinerlich und selten besitzstandswahrend zu. Was vielleicht nicht anders zu erwarten war in einem lebendigen Gemeindebezirk, der seinen Gottesdienst am dritten Sonntag im Monat schon seit Jahren selbst gestaltet, nachdem die Pfarrer der Kirchengemeinde diesen Termin nicht mehr in ihrem offiziellen Kalender haben, weil allwöchentliche Gottesdienste überall personell nicht zu schaffen sind.

Kirche soll außen vor bleiben

Die Ehrlichkeit der Diskussion ging sogar so weit, dass der Wemlighäuser Klaus Aderhold grundsätzlich nachfragte, ob es überhaupt lohne über Gebäude nachzudenken, in die ohnehin keiner mehr gehe. 30 bis 40 sind es durchschnittlich am Sonntagmorgen in der Wemlighäuser Kirche. Doch selbst durch diese provozierende Frage ließen sich die Gemeindeversammlungs-Besucher nicht auf die Palme bringen. Ruhig, aber deutlich machten sie klar, dass über alle Gebäude geredet werden könne, außer über die Kirche. Claudia Latzel-Binder wandte sich direkt an die Zuhörer, sie seien die Experten für die Frage: „Was brauchen Schüllar und Wemlighausen an Gebäuden?“ Dabei wurde schnell klar, dass man die Antwort nicht nur im kirchlichen Umfeld suchen werde. Zunächst müsse man im Gemeinde-Bezirk Schüllar/Wemlighausen nachdenken, aber anschließend auch beispielsweise mit Feuerwehr und Männergesangverein vor Ort sprechen. Für Christine Liedtke war ebenfalls klar, dass der Bezirk seinen eigenen Bereich brauche, ein eigenes Gebäude, das mit Leben zu füllen sei. Auch sie hatte für die Zuhörer eine grundlegende Frage dabei: „Was macht uns in Schüllar/Wemlighausen aus?“