Direktmarketing mit der Holzkiste

Ob der Nachwuchs der Familie Dreisbach in 20 Jahren auch noch Holz in Kartons packt, ist unklar. Ihre Eltern haben aber trotzdem eine tolle Idee
Ob der Nachwuchs der Familie Dreisbach in 20 Jahren auch noch Holz in Kartons packt, ist unklar. Ihre Eltern haben aber trotzdem eine tolle Idee
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Dreisbach GbR in Weidenhausen verwirklicht an der Oststraße im Ort eine ungewöhnliche Geschäftsidee. Und baut dabei auf die Ehrlichkeit ihrer Kunden.

Weidenhausen..  Nadja und Matthias Dreisbach nennen sie einfach nur „Die Holzkiste“. Premiere hatte die neue Form der Direktvermarktung auf dem Weidenhäuser Weihnachtsmarkt in 2014 – und seit Dezember vergangenen Jahres muss das Wort Direktvermarktung mit dem Buchenholz aus Wittgensteiner Beständen wohl neu definiert werden.

Das Ganze funktioniert so: 33 Zentimeter lange Holzscheite packen die Dreisbachs in 50 x 40 x 25 große Bananenkartons mit praktischen Handgriffen. „Die Ware ist mindestens zwei Jahre luftgetrocknet“, betont Schwager Christian Dreisbach, der noch weitere Vorteile dieses ungewöhnlichen Systems aufzeigen kann: „Kurze Anfahrtswege, Herstellung und Vertrieb in der Region und alles made in Germany.“ Wer mit seinem Pkw die Holzkiste in Höhe der Oststraße ansteuert, muss nur noch den Karton in den Wagen packen und pro Gebinde fünf Euro in die blaue Kasse stecken.

Buchenholz im Karton verpackt

Das System kommt auch der Umwelt zugute, denn das Buchenholz ist ja ökologisch im Karton verpackt und nicht in Plastik. Laut Christian Dreisbach wird regelmäßig von der Möglichkeit gebrauch gemacht, die Kartons wieder zurück zu geben. Jetzt taucht aber unweigerlich die Frage nach der Ehrlichkeit der Kunden auf. „Wir sind doch einigermaßen überrascht darüber, dass dieses Konzept überhaupt funktioniert“, haben Matthias und Nadja Dreisbach festgestellt. Sie sind Inhaber der Firma Holz Dreisbach GbR, es muss ja schließlich alles seine Richtigkeit haben. In den beiden ersten Monaten wurde zwar der ein oder andere Karton nach dem Motto „zwei zum Preis von einem“ entwendet, danach wurden allerdings keine unbezahlten oder zu gering bezahlen Gebinde mehr registriert. Die Weidenhäuser können demnach folgendes Fazit ziehen: „Alle haben das System verstanden, und es funktioniert.“ Die Wittgensteiner sind also sehr ehrlich und korrekt.

Noch eine Erfahrung haben die Direktvermarkter gesammelt: Obwohl die Heizperiode vorbei ist, müssen sie pro Woche immer noch zwischen drei und acht Einheiten nachlegen, offensichtlich wird das Holz in der wärmeren Jahreszeit zum Grillen genutzt.

Buchenholz-Drive-in

Der erste Plan war, die Holzkiste in den Sommermonaten abzubauen. Aktuell sieht es so aus, dass das Häuschen ganzjährig als eine Art „Buchenholz-Drive-in“ den Kunden zur Verfügung steht. Die Holz Dreisbach GbR hat aber noch weitere Angebote in petto: Ab einer Bestellung von zehn Kartons wird kostenlos geliefert, und wer 20 Kartons ordert, der bekommt zusätzlich noch eine Einheit gratis dazu. Auch in einigen Baumärkten ist das Buchenholz im Karton erhältlich.