Diese Kinder sind dankbar für alles

Bad Berleburg..  Es geht bunt, lebhaft und ein bisschen lauter zu als in den anderen Räumen. Keine Frage, hier fühlen sich die Kinder augenscheinlich wohl. Sie sind ganz entspannt und haben Spaß. Das ist für die meisten von ihnen nicht selbstverständlich. Das Spielzimmer der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtling am Spielacker in Bad Berleburg ist sehr gut besucht. Um die 20 Kinder verschiedensten Alters und verschiedenster Nationalität tummeln sich hier. Begleitet von Kindergärtnerinnen und zum Teil auch Eltern können die Mädchen und Jungen hier endlich wieder Kind sein und sich von den ganz unterschiedlichen Strapazen ihrer Reise, Flucht oder den Erlebnissen in der Heimat erholen.

Mit Buntstiften malen sie Comicbilder aus. An der Wand hängt Spiderman neben anderen Superhelden und Lisa Simpson. „Im Moment malen sie am liebsten aus“, berichtet Katja Junghans von ihren Erfahrungen mit den Kleinen und größeren Kindern. Aber je nach Gruppe malen die Kinder auch frei: „Dann sieht man, was sie alles erlebt haben: Bilder vom Krieg“, berichtet Junghans. Trotzdem ist die Kindergärtnerin glücklich über ihre Arbeit mit den Flüchtlingskindern: „Sie sind einfach so dankbar für alles, was man ihnen anbietet.“

Verstehen mit Händen und Füßen

Probleme gibt es natürlich auch. Die liegen vor allem in der Verständigung. „Das geht dann mit ein bisschen Englisch, Französisch oder mit Händen und Füßen“, erklärt Junghans. Aber es spielt sich auch schnell ein. „Wir haben zum Beispiel auch ein Zeichen fürs Aufräumen. Dann wird die Tür zu und das Licht ausgemacht und alle wissen, jetzt wird aufgeräumt“, erklärt die Kindergärtnerin, die zusammen mit anderen Fachkräften die Flüchtlingskinder betreut.

Senfkorn-Möbel helfen sehr

Die Einrichtungsleiterin der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung Colette Siebert vom Deutschen Roten Kreuz, ist sehr zufrieden mit dem neuen Spielzimmer. Die Evangelische Kirchengemeinde hat die nach dem Umzug ihres Kindergartens Senfkorn ausgediente Einrichtung für das Spielzimmer hergegeben, als am runden Tisch für die Flüchtlingsunterkunft in Bad Berleburg über die Erneuerung des Spielzimmers gesprochen wurde. „Da hat es auch überhaupt keine Diskussion gegeben, dass wir das machen“, berichtet Pfarrerin Claudia Latzel-Binder und schaut sich zufrieden das bunte Treiben in der früheren Rothaarklinik an.

Ein Drittel der Bewohner sind Kinder

Wie wichtig dieser Raum im Gesamtkonzept der Einrichtung ist, erläutert Colette Siebert mit Zahlen. Das Haus ist für 330 Bewohner ausgelegt. Im Schnitt sind davon ein Drittel Kinder verschiedenen Alters. Gerade für die Kleinen ist der „Kindergarten“ wichtig, weil sie hier unter pädagogischer Aufsicht spielen und toben können. Das entlastet auch die Eltern. „Das Angebot wird sehr gern angenommen, weil wir dem Alltag damit ein bisschen Struktur geben können“, erklärt Siebert. Jeweils von 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr kümmern sich zwei Kindergärtnerinnen um die Mädchen und Jungen, teilen sie in altersgerechte Gruppen ein und beschäftigen sich mit Spielen, Malen oder Sport, sowohl im Spielzimmer, als auch in der Sporthalle der früheren Klinik oder draußen. Und das kommt an.