Die Organisation in Eigenregie geschultert

Otto Marburger ist seit 1991 Vorsitzender Kulturtreibenden an der Odeborn. Heute blickt er gespannt auf den Auftakt der Internationalen Musikfestwoche.
Otto Marburger ist seit 1991 Vorsitzender Kulturtreibenden an der Odeborn. Heute blickt er gespannt auf den Auftakt der Internationalen Musikfestwoche.
Foto: Christiane Sandkuhl
Was wir bereits wissen
Die Internationale Musikfestwoche auf Schloss Bad Berleburg jährt sich in diesem Jahr zum 43. Mal. Zum ersten Mal übernahm die Kulturgemeinde Bad Berleburg, nachdem sie sich in 2014 vom einstigen künstlerischen Leiter Luz Leskowitz getrennt hatte, im Alleingang die Planung des Programms.

Bad Berleburg..  Die Internationale Musikfestwoche auf Schloss Bad Berleburg jährt sich in diesem Jahr zum 43. Mal. Zum ersten Mal übernahm die Kulturgemeinde Bad Berleburg, nachdem sie sich in 2014 vom einstigen künstlerischen Leiter Luz Leskowitz getrennt hatte, im Alleingang die Planung des Programms, die Kontaktaufnahme zu Agenturen und Künstlern sowie schließlich auch die Einladung der Ensembles und Solisten.

Otto Marburger, seit 1991 Vorsitzender der Kulturtreibenden an der Odeborn, gestattete nun der Heimatzeitung einen kleinen Blick hinter die Kulissen des Unternehmens Sommermusikfestival. Dankbar schaut der ehemalige Studiendirektor des JAG auf die Idee der „M-Damen“ Fürstin Margareta, Marianne Vos und Martha Schrage, die Gründerinnen dieses Sommerfestivals. „Ich erinnere mich an eine Juliwoche in den 1990-ern. Einige Berleburger Familien waren schon viele Jahre Gastgeber unserer Hauskünstler, den Salzburger Solisten. Einige dänische Künstler reisten aber aufgrund verschiedener Verkehrsprobleme erst mitten in der Nacht an. So kamen damals drei Familien bei uns in Schwarzenau unter. Es war eng, es war schön und es zeigte diese familiäre Seite der Festwoche“, bekennt Otto Marburger. Dennoch war damals alles viel leichter zu planen, die Künstler machten Urlaub für die Festwoche. Es entwickelten sich enge Freundschaften zu den Gastfamilien. Später blieben die meisten der Salzburger Solisten nur kurz, aufgrund anderer Engagements. Nur wenige, wie zum Beispiel die Kontrabassistin Mette Hanskov, verbrachten die ganze Festwoche in Wittgenstein. Die Planung geriet mehr und mehr zu einem nervenaufreibenden Endspurtszenario.

Künstler wohnen in Hotels

In diesem Jahr wird erstmals alles anders strukturiert sein. Die Künstler kommen in örtlichen Hotels unter wie das „Amaryllis-Quartett“, die Geschwister Troussov oder gleich die Stars des heutigen Auftaktabends, Katja Riemann und Sebastian Knauer. Otto Marburger erläutert, dass es zwar ein wenig ungewohnt sein werde, aber schließlich blicke die Kulturgemeinde auf die Organisation von Konzerten im Schloss seit 1963 zurück. „Erfahrung haben wir insofern schon.“

Mit Andreas Wolf, dem neuen stellvertretenden Vorsitzenden, ist ein studierter Musiker mit dem Fach Violine am Werk. Die Musikfreunde in Berleburg dürfen weiterhin höchste Qualität erwarten. Zu Künstlern wie den Troussovs, dem Amyryllis-Quartett und anderen werden persönliche Kontakte gepflegt und die qualitative Entwicklung wird beobachtet.

Es ist aber nicht allein der Vorstand der Kulturgemeinde, der sich Aufgaben auferlegt. Im Hintergrund wirken eine Menge „Heinzelmännchen“, um auch die ganz banalen Dinge, die sonst schnell in Vergessenheit geraten, zu schultern. Auch Kinder und Ehepartner des Vorstandes sind eingebunden, das festigt den familiären Charakter und hier wissen die Berleburger auch, sie können sich aufeinander verlassen. Denn heute kann es schweißtreibend werden, wenn Blumensträuße vergessen werden, nicht ausreichend Getränke für die Pausenbewirtung geordert sind oder das Vorzelt nicht richtig aufgestellt ist.

Sehr zufrieden zeigt sich Otto Marburger auch, mit Ursula Paesler eine junge Frau neu im Team zu haben, die auch Kindern den Weg zur Musik und zur Festwoche schmackhaft machen kann. Geplant sind für die nächste Festwoche auch öffentliche Proben, was mit großem Wohlwollen aufgenommen werden wird. „Ich habe zudem den Musikstudenten Gerrit Schwan als Internet-Gestalter auf Facebook gewinnen können. Wir können so gerade junge Leute über dieses Portal erreichen“, freut sich der Vorsitzende. Auch hier hält die Kulturgemeinde mit, verschließen darf sich da keiner, hier liegt schließlich die Zukunft der Vermarktung von Kultur. Aber die mit der Festwoche verbundene Logistik von Getränken, Blumen, Imbissen etc. wird mit örtlichen Unternehmen geregelt . „Das ist uns wichtig, das schafft eine freundschaftliche Atmosphäre, das wird so bleiben“, so Marburger.

Alle Vorstandsmitglieder sind aktiv

Seit Beendigung der 42. IMFW wurde am neuen Konzept gearbeitet und schon im November war der erste Flyer mit allen Konzerttagen und dem musikalischen Angebot für die Hotellerie fertig. Fast alle Vorstandsmitglieder der Kulturgemeinde sind in irgendeiner Form in die Vorbereitung von Veranstaltungen involviert. Man wächst in die Aufgaben hinein. Heute besucht man die Internet-Auftritte der Künstler, findet Hörproben auf Youtube und kann das Ausgewählte dann in Vorstandssitzungen besprechen abwägen und zügig entscheiden. Das erleichtert und beschleunigt die Auswahl natürlich im Vergleich zur Auswahl der Künstler in den vergangenen Jahrzehnten.

„German Brass ist ein gutes Beispiel dafür. Wir waren alle begeistert und das Ensemble war bereit, für dieses eine Konzert zusammenzukommen, um innerhalb unseres renommierten Festivals zu spielen. Der Vorverkauf gibt uns recht. Es sind schon 300 Karten verkauft“, freut sich Otto Marburger. Die letzte Frage, ob er denn ein wenig Wehmut gegenüber den vergangenen Festwochen empfinde, beantwortete er schließlich wie folgt: „Auf Luz Leskowitz bezogen, nach so vielen Jahren, ja, Wehmut gegenüber der Person ist da.“