Die Operation als einzige Lösung

Dr. Ahmad Oyais, Oberarzt der Chirurgie in der Helios-Klinik Bad Berleburg, rät entschieden davon ab, Hernien selbst behandeln zu wollen.
Dr. Ahmad Oyais, Oberarzt der Chirurgie in der Helios-Klinik Bad Berleburg, rät entschieden davon ab, Hernien selbst behandeln zu wollen.
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Was wir bereits wissen
Dr. Ahmad Oyais klärt im Rahmen der Vortragsreihe „Gesund in Wittgenstein“ über Leisten-, Nabel- und Narbenbrüche auf.

Bad Berleburg..  Es soll Leute geben, die ihren Leistenbruch auf eigene Faust behandeln. Oberarzt Dr. Ahmad Oyais zeigt während seiner Präsentation zum Thema „Hernien“ Bilder von Menschen, die mit abenteuerlichen Konstruktionen versuchen, das „Herausrutschen“ von Eingeweiden mit physischem Druck auf die betroffene Stelle zu mindern. Der Mediziner stellt im Rahmen seines Vortrags für die Reihe „Gesund in Wittgenstein“ im Konferenzraum der Helios-Klinik klar: „Die einzige Therapie für Hernien ist die Chirurgie.“ Kein Weg führt an einer Operation vorbei.

350 000 OP’s in 2014

„Hernios“ stammt aus dem Griechischen, bedeutet „Knospe“. Was sich erst einmal harmlos anhört, kann im schlimmsten Fall, etwa dem Absterben einer Dünndarmschlinge, zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Doch bis dahin muss wirklich viel passieren. Oder besser gesagt: lange nichts. Hernien aller Art sind – zeitig erkannt - fast ausschließlich ohne Komplikationen behandelbar.

Die am häufigsten auftretende Art sind Leistenbrüche. Sie betreffen meist Männer. Im Jahr 2014 unterzogen sich 350 000 Menschen einer solchen OP. Leistenbrüche indirekter Art (erworben) erleiden zu 65 Prozent junge Menschen, oft Sportler, während eher ältere Menschen infolge von erweichtem Gewebe zu 15 Prozent an direkten Leistenbrüchen (erworben oder angeboren) erkranken. Doch wie steht es um Symptome und Diagnostik?

In der Regel tritt an der betroffenen Stelle eine sichtbare Wölbung hervor, eine Leistenhernie ist also ertastbar. In einigen, allerdings nicht allen Fällen verursacht sie Schmerzen, wie zum Beispiel beim Heben schwerer Dinge. Weitere Symptome können Probleme beim Wasserlassen oder auch Stuhlverhalt sein.

Übergewicht wirkt sich negativ aus

Drei Operationsmethoden

Neben dem Ertasten des sogenannten Bruchsacks lässt sich dieser auch mittels einer Ultraschalluntersuchung, der Sonografie, feststellen oder, bei Unklarheiten durch beispielsweise angeschwollene Lymphknoten, einer Computertomografie (CT).

Neben der „klassischen“ Operationsmethode des Leistenbruchs, dem offenen Nahtverfahren, das der Italiener Edoardo Bassini 1887 erstmals anwendete, nutzen Chirurgen heute das endoskopische Verfahren, auch „Schlüssellochtechnik“ genannt, sowie die offene Netztechnik. „Wird das Netz angenäht oder geklammert?“, will eine Frau im Publikum an dieser Stelle wissen. Nein, klärt Oyais auf, das sei nicht nötig. Kunststoffnetze aus Polyester oder Polypropylen werden vom Körper durchsetzt. „Und auch nicht wieder entfernt, wenn eine weitere OP nötig wird?“, fragt ein Zuhörer. Auch das sei nicht notwendig, erklärt Oyais. Das Prinzip eines solchen Eingriffs ist dabei immer das gleiche: Der Bruchsack wird freigelegt, der Bruchsackinhalt wieder in Position gebracht und schließlich die Bauchwand stabilisiert.

Geringe Risiken

Natürlich, räumt er ein, könne man Risiken nach der OP nie ganz ausschließen. In einem bis fünf Prozent aller Fälle könne es zu Nachblutungen kommen, in einem bis drei Prozent zu Wundheilungstörungen. Sehr selten treten schmerzhafte Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen auf. Die Fachliteratur beschreibt zudem auch Unverträglichkeiten der Netze. Oyais: „Das aber habe ich in 13 Jahren noch nicht erlebt.“