Die Klarinette singt in Bad Laasphe

Der Soloklarinettist Roman Kushniarou lotete die emotionale Seite seines Instruments bis ins Detail aus.
Der Soloklarinettist Roman Kushniarou lotete die emotionale Seite seines Instruments bis ins Detail aus.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
„Klassik überall“ ist das Motto der Kammerphilharmonie Köln.

Bad Laasphe..  „Klassik überall“ ist das Motto der Kammerphilharmonie Köln. Sie geht regelmäßig auf Tour, spielt mal in einer kleinen Dorfkirche, mal unter freiem Himmel, im Kölner Dom oder im Sydney Opera House – mehr als 300 Konzerte pro Jahr kommen da zusammen. Gern gehörter Gast ist das Musikensemble auch in der Lahnstadt, wo es auf Einladung des Kulturrings bereits mehrfach zu gefallen wusste. Bei seinem diesjährigen „Konzert in der Osternacht“ standen in der Stadtkirche Werke von Vivaldi, Mozart, Rossini, Händel und Bach auf dem Programm..

Mozarts letztes Solokonzert

An dem „Klarinettenkonzert A-Dur KV 622“ von Wolfgang Amadeus Mozart kommt wohl kaum ein profilierter Soloklarinettist dieser Welt vorbei. Es ist Mozarts letztes Solokonzert, zwei Monate vor seinem Tod entstanden. Der Entwurf dazu lag jedoch weiter zurück. Etwa 1787 komponierte Mozart nämlich das Allegro. Dieses stand damals nicht in A-Dur, sondern in G-Dur und war nicht für Klarinette und Orchester, sondern für Bassetthorn und Orchester bestimmt. Kurze Zeit später schrieb Mozart den Satz jedoch um und fügte 1791 noch das Adagio und das Rondo hinzu.

Seinem Charakter nach ist das Werk dem letzten Klavierkonzert (B-Dur) nah verwandt. Auch hier jene Abgeklärtheit und innere Ruhe, eine fast schon jenseitige Heiterkeit. Der Klarinette erschließt Mozart hier ungeahnte Ausdrucksbereiche, sie „singt“ einer menschlichen Stimme gleich, dann wieder bewegt sie sich virtuos durch den gesamten Tonumfang, der ihr zur Verfügung steht; jedoch nie der bloßen Selbstdarstellung wegen, sondern harmonisch eingefügt in das „symphonische“ Ganze. Der 3. Satz schlägt einen fast spielerisch leichten Ton an, ohne doch den ernsten Hintergrund zu überdecken. Roman Kushniarou lotete die emotionale Seite seines Instruments bis ins Detail aus, ließ seine Klarinette aufs Reinste singen, aufs Leiseste weinen, mit einem so weichen Ton und so feinem Gespür für dynamische Nuancen, dass es einem beinahe den Atem raubte.

Das Vorbild von Bachs drei Violinkonzerten ist das italienische Concerto grosso mit seiner Gegenüberstellung von Orchestertutti und Soloinstrumenten. Allerdings geht Bach auch in dem in der Lahnstadt zu hörenden„Konzert Nr.1 a-moll für Violine, Streicher und basso continuo BWV 1041“ weit über den italienischen Prototyp hinaus. Das gilt für den tiefen Ausdrucksgehalt, die spieltechnischen Anforderungen und die motivische Verzahnung der Solo-Tutti-Dialoge. So ist der zweite Satz ein langes Duett zwischen der Sologeige und den Bässen.

Zwei Zugaben

Das Finale (Allegro assai) nähert sich dem Rhythmus der Gigue, die Bach gern verwendete. Außer der frohen Tanzstimmung bietet sie dem Soloinstrument Gelegenheit zu virtuosem Ausleben – zweifellos die Hauptantriebskraft für die Komposition von Solistenkonzerten in damaliger und auch noch späterer Zeit. Dem Solisten Anton Georg Gölle (Violine) gelang es in beeindruckender Manier, den großen spieltechnischen Ansprüchen der Komposition gerecht zu werden, ohne die Genialität Johann Sebastian Bachs auch nur im Geringsten zu verwässern.

Mit einer gelungenen Interpretation von Gioacchino Rossinis „Sonata a Quattro No. 3 C-Dur“ beeindruckte das Ensemble die Zuhörer ebenso wie die Sopranistin Sabine Könner mit der Arie „Ombre mai Fu“ aus Georg Friedrich Händels Oper „Xerxes“ und dem „Cum dederit“ aus Vivaldis sakralem Werk „Nisi Dominus“. Ursprünglich komponierte Vivaldi diese Arie für eine Kastratenstimme. Mit zwei Zugaben verabschiedete sich die Kammerphilharmonie Köln von ihrem begeisterten Publikum.