Die Frauen mit den Ängsten nicht allein lassen

Immer an der Seite der Patientinnen: Brustschwester Margit Kühn und Chefarzt Dr. Peter Dreyer
Immer an der Seite der Patientinnen: Brustschwester Margit Kühn und Chefarzt Dr. Peter Dreyer
Foto: WP

Bad Berleburg..  Man kann Brustkrebs nicht beschönigen. An einer Krebserkrankung gibt es schlicht nichts Gutes; vor allem, wenn er das Organ befällt, das Frauen und auch Männer als Synonym der Weiblichkeit verstehen. Bei Brustkrebs muss sich eine Frau nicht nur ihrer eigenen Sterblichkeit stellen, sie muss auch damit fertig werden, dass sich ihr Körper verändern wird und sie und auch ihr Partner ihn anders wahrnehmen als zuvor. Damit betroffene Frauen gerade am Anfang ihrer Erkrankung mit Fragen und Ängsten nicht alleine dastehen, gibt es an der Helios-Klinik Bad Berleburg nun Unterstützung für die Patientinnen – eine speziell ausgebildete Brustschwester (Breast Care Nurse).

Diagnose verändert das Leben

Die Gynäkologische und Geburtshilfliche Station in der Helios Klinik Bad Berleburg ist seit nunmehr zehn Jahren Partner des Brustzentrums Marburg und seit eineinhalb Jahren Lehrkrankenhaus der Universität Marburg. Dr. Peter Dreyer, Chefarzt der Abteilung, weiß daher wovon er spricht: „Eine Krebserkrankung verändert das Leben immer. Egal, wie die Perspektive aussieht. Frauen die an Brustkrebs erkranken, setzen sich oft zum ersten Mal mit der eigenen Sterblichkeit auseinander. Das verändert einen Menschen.“

Hinzu kommen die Sorgen um die Familie, die Arbeit und die Partnerschaft sowie ganz praktische Herausforderungen: Wo kaufe ich Unterwäsche, die Größenunterschiede oder das Fehlen einer Brust ausgleichen kann – sofern kein Wiederaufbau oder ein Größenangleich erfolgt ist? Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Unwohlsein nach einer Chemotherapie – wie komme ich wieder auf die Beine? Wie sage ich es meinen Kindern? Fragen, die sich im Gespräch mit gesunden Freundinnen oder Verwandten schlecht ansprechen und klären lassen und die meist dann auftauchen, wenn kein Arzt zugegen ist. Um Frauen bei genau diesen Problemen und Herausforderungen zu unterstützen, hat sich Schwester Margit Kühn 2012 dazu entschlossen, eine Weiterbildung zur Brustschwester zu machen.

Fortbildung in Essen

„Ich arbeite seit 38 Jahren hier im Krankenhaus und davon die meiste Zeit auf der Gynäkologischen Station. Ich kenne viele unserer Patientinnen und habe mich schon immer gerne mit ihnen beschäftigt“, sagt Schwester Margit. Die 55-jährige Feudingerin liebt ihren Beruf. Das kann man sehen. Sie ist stets gut gelaunt und hat ein freundliches Lächeln auf dem Gesicht. „Viele Patientinnen haben sich schon vor ihrer Weiterbildung an Schwester Margit gewandt, wenn sie Unterstützung oder Ratbrauchten. Da passte es sehr gut, dass sie Lust hatte, die Weiterbildung zur Breast Care Nurse in Angriff zu nehmen“, lobt Dr. Dreyer.

Neun Monate dauerte die Fortbildung in Essen bei der Deutschen Gesellschaft für Gesundheit und Pflegewissenschaften, in der Margit Kühn lernte, welche pflegerischen Ansprüche Brustkrebspatientinnen haben, wie die psycho-sozialen Folgen dieser Erkrankung aussehen und wie man Betroffene am besten bei der Therapie unterstützt. „Natürlich gibt es bei der Weiterbildung einen medizinischen Schwerpunkt, aber ich glaube, vielen Patientinnen ist die moralische Unterstützung auch wichtig“, sagt Schwester Margit. Sie ist für alle Patientinnen Ansprechpartnerin die sie brauchen - auch nach Feierabend und zuhause.

Wie viele Patientinnen sie schon begleitet hat, kann sie nicht sagen: „Zu viele“, sagt die Brustschwester. Ihr fällt besonders eines auf: Viele Patientinnen neigen dazu, frühe oder diskrete Symptome einer Erkrankung zunächst zu verdrängen. Umso mehr sind Aufklärung und Information wichtig, denn ein frühes Erkennen der Erkrankung mit entsprechender Behandlung bietet die größtmöglichen Chancen auf Heilung.

Vorsorge nicht aufschieben

Die Untersuchungsmethoden, die in der Helios-Klinik zur Früherkennung genutzt werden, reichen von Tastbefunden über Ultraschalluntersuchungen bis hin zu Mammographien oder Biopsien und sind immer leitliniengemäß und auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand.

„Durch diese Untersuchungen stellen wir sicher, dass wirklich eine Diagnose vorliegt, die eine Therapie rechtfertigt“, so Dr. Dreyer. Vorsorge macht keinen Spaß– aufschieben sollte man sie dennoch nicht. Denn eine frühzeitige Behandlung sichert größtmögliche Heilungschancen.