Die faszinierende Vielfalt der Moose

Wittgenstein..  Moos und Moose ganz allgemein – und speziell in unseren Gärten – haben keinen guten Ruf. Moose in Menschennähe werden herausgerupft, abgeschnitten, vergiftet, verbrannt und überdüngt, um nur die wichtigsten Vernichtungsuntugenden zu nennen. Dabei ist die Welt der „niederen Pflanzen“, wie wir die Farne, Moose und Flechten äußerst herablassend bezeichnen, eine höchst faszinierende. Mehr noch: Ohne die komplizierte Welt der Moose, Flechten und Farne könnten andere Pflanzen gar nicht existieren. Ein Grund mehr, sich im Rahmen dieser Serie nicht nur einmal auf dem Bauch zu legen, um dieser faszinierenden Welt näherzukommen.

Moose sind insbesondere in unseren heimischen Wäldern allgegenwärtig an Bäumen, auf lebendem und Totholz, auf verschiedenen Gesteinsarten und auf dem Waldboden anzutreffen. Eine ihrer wichtigsten Funktionen im Lebensraum Wald sind die überaus leistungsstarke Speicherung von Wasser und die Isolierung jener Schicht, die den Untergrund vor Austrocknung und damit vor Emission schützt.

Bedeutend für den Wasserhaushalt

Aber nicht nur im Wald, sondern auch auf Wiesen, in Hecken, in Klein- oder gar Feldgehölzen sowie an Böschungsrändern sind sie daher für das überlebensnotwendige Mikroklima und den Wasserhaushalt wichtig und von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Für den Betrachter scheinen Moose auf den ersten Blick recht gleichförmig auszuschauen. Bei näherem Hinsehen jedoch ist eine unglaubliche und faszinierende Formenvielfallt mit großartigen Anpassungsmechanismen festzustellen. Allein in Mitteleuropa sind mehr als 1000 Moosarten bekannt, von denen allerdings nicht ganz so viele bei uns in Wittgenstein vorkommen.

Die Widertonmoosarten, auch Frauenhaar- oder Haarmützenmoose bezeichnet, bilden spitze Blätter und kleinere Stengel aus, wachsen oft in Horten und fühlen sich – außer dem Steifblättrigen Frauenhaar, das nur auf Mooren wächst – auf kalkarmen und nicht selten sogar auf trockenen Böden in Nadel- und Laubwäldern wohl. Diese Moosarten wurden früher für Matratzenfüllungen, zum Dichten von Ritzen und Fugen in Holzhäusern sowie im Bootsbau verwendet. Und in der Magie gegen bösen Zauber spielten die „Widertonmoose“ eine nicht unerhebliche Rolle, worauf der deutsche Name, abgeleitet aus „Wider das Antun“, hindeutet.