Die Chemie der Seifenproduktion

Rückershausen..  „Ich habe vor etwa zehn Jahren mit dem Seife Sieden angefangen“, erzählt die Laaspherin Anne Wickel-Viehl, „offenbar liegt mir das im Blut, denn wie ich erst später erfahren habe, hat meine Oma früher auch Seife hergestellt.“ – „Tja, und jetzt kann ich nicht mehr aufhören.“ Ob das wohl den Teilnehmerinnen des von den Bad Laaspher Landfrauen angebotenen Kurses in Zukunft auch so geht?

Zumindest bekundeten sie bereits im Vorfeld ihre Liebe zu handgemachten Seifen und saßen schon ganz gespannt um die Tische herum, die die Kursleiterin an einem Samstagmorgen im Dorfgemeinschaftshaus Rückershausen vorbereitet hatte. Ihre Blicke schweiften interessiert über die aufgestellten „Zutaten“: feste und flüssige Fette, eine Waage, Töpfe, zahlreiche kleine Fläschchen, destilliertes Wasser, Backformen, Backpapier, Pürierstab... „Sind wir im falschen Kurs? Wir wollen doch nicht backen!“

Doch als Anne Wickel-Viehl in das Thema „Seife“ einsteigt, klären sich schnell alle Ungereimtheiten. Die verschiedenen Fette bzw. deren Säuren werden einerseits benötigt und aus dem stark ätzenden Natriumhydroxid wird in Wasser Natronlauge. Die Hauptbestandteile neutralisieren sich später bei der Herstellung. „Solange Fette und Lauge getrennt sind, kann man noch aufhören – später nicht mehr“, erklärt die Expertin, die dringend Schutzbrille, Gummihandschuhe und alte Kleidung empfiehlt. Deshalb brauche sie zu Hause eineinhalb bis zwei Stunden absolute Ruhe ohne irgendwelche Ablenkung.

Das Verhältnis muss stimmen

Anfangs werden die Pflanzenfette „man kann übrigens aus jedem Fett Seife machen“ abgewogen und in einem Topf geschmolzen. Die „Seifensiederin“ Viehl hat sich auf handgemachte Pflanzenölseifen, die nach dem Kaltverfahren hergestellt werden, spezialisiert und hält sich an ein bewährtes Rezept. Die Zutaten müssen nämlich im richtigen Verhältnis zueinander stehen. „Grundsätzlich braucht man mehr Fett, als die Lauge aufnehmen kann, hat man zu wenig, wird sie nicht fest, hat man zu viel, ist das Ergebnis wie ‘alte Knete’“, weiß sie aus Erfahrung.

Sabine Hackler fragt, warum in drei Fette verwendet würden. Jedes Fett habe eine Aufgabe: etwa Konsistenz, Schaumbildung oder Hautpflege. Olivenöl beispielsweise sei hautfreundlich und ergibt cremigen Schaum. Kakaobutter könne man zusätzlich zugegeben, das sei allerdings eine kostspielige Angelegenheit. Bienenwachs macht die Seife wertvoller und gibt ihr Farbe. Während das Fett schmilzt, stellt

Anne Wickel-Viehl unter Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften draußen die Natronlauge her. Feuerfestes Glas, Frischluft und eine windgeschützte Ecke sind weitere Voraussetzungen. „Man muss unwahrscheinlich aufpassen!“ Deshalb dürfen die Nachwuchsseifensiederinnen nur durch die Glasscheibe der Außentür zuschauen.

„Ein mörderisches Zeug“

„Nie im Haus herstellen und immer das Pulver mit dem aufgedruckten Totenkopf, für das man übrigens in der Apotheke unterschreiben muss, ins Wasser geben und nicht umgekehrt!“ Früher, so berichtet sie nebenbei, wurde Asche in Wasser gesammelt, bis sich eine Feder darin auflöste. „Das ist ja mörderisches Zeug“, nicken die Zuschauerinnen mit Respekt.

Nach der Abkühlphase wird die ätzende Lauge dem Fett langsam und unterständigem Aufschlagen mit einem Pürierstab zugegeben. Wenn die Flüssigkeit cremig wird und ein Wassertropfen darauf liegen bleibt, das heißt im Fachjargon die „Seife zeichnet“, dann kann die Seifensiederin mit Duftstoffen „würzen“.

Viehl möchte marmorierte Seife herstellen. Deshalb gießt sie zwei Drittel in eine vorbereitete säurefeste Form (kein Metall), und gibt unter die verbliebene Menge roten Farbstoff. Die gefärbte wird auf die helle Masse gestrichen und wie beim Marmorkuchen vermischt.

Reifezeit

Das Ganze muss nun zwölf Stunden stehenbleiben. Dann ist die Seife zwar nicht fertig, aber schnittfest wie Käse. Anschließend müssen die Stücke noch mindestens vier Wochen „reifen“. Die Seife wird fester, neutralisiert sich weiterhin und der PH-Wert wird besser. „Das ist ‘ne Kunst für sich!“, stellt Renate Göbel anerkennend fest.

Damit die Teilnehmerinnen trotzdem ein wohlriechendes Probestück mitnehmen können, hatte die Fachfrau zuhause vorgearbeitet. Von diesem Block durfte sich jeder eine Scheibe abschneiden und einen Stempel eindrücken: „Olive Oil“. Die Kanten können mit einem Kartoffelschäler abgerundet werden, gibt Wickel-Viehl als Tipp mit. Das Seifenstück werde dadurch handlicher. Nach Belieben können die Unikate dann im Bad oder Gäste-WC dekoriert oder zum Verschenken hübsch verpackt werden.

Nicht nur Sabine Hackler, die gerne handgemachte Seife verwendet, ist begeistert: „Toll! Ganz klasse!“ (Fast) zu schade zum Benutzen!, so der einstimmige Tenor der Landfrauen.