Der Teufelskreis der Suchtentwickung

Bad Berleburg..  Zum 33. Mal trafen sich die Wittgensteiner Frauen zum gemeinsamen Frühstück im Berleburger Bürgerhaus. Das gut 20-köpfige Organisationsteam um Gisela Bem bildet den überkonfessionellen Rahmen. Frauen jeden Alters sind zweimal im Jahr willkommen zum Austausch und zum Erleben, zu erlesenem gesundem Frühstück stets gut gewählter Themen, Referentinnen und Musik, überkonfessionell.

Im Zeichen des Frühlings

Der Tag stand im Zeichen des Frühlings, thematisch gestaltete Gastreferentin Dr. Magdalene Furch den Tag mit „Wenn aus Sehnsucht Sucht wird.“ Beate Kuhn unterhielt musikalisch entsprechend mit „Sehnsuchtsliedern“.

Die humorvolle Ruheständlerin Dr. Magdalene Furch gibt zu Beginn einen Einblick in ihr Leben. „Meine Doktorarbeit heißt Christian und ist mein erwachsener Sohn.“ Damit zeigt sie, wie sehr ihr die Vereinbarkeit Studium, Beruf und Familie am Herzen liegt. Der Spagat ist gelungen, unter anderem dank ihres Ehemannes.

Dr. Furch ist eine Frau, die mit Fachwissen und christlichem Glauben „zupackt“, gilt selbst in ihrer Familie „als hart aber herzlich“. Das macht ihren Erfolg aus, so vermittelt sie den Patienten, ihrem Gegenüber den Sinn von Krankheitsbehandlungen.

Für ihr Referatsthema wählt sie die psychologische und theologische Erklärung für die Frauen im Saal. Im ersten Teil konzentriert sich die Therapeutin auf die Psychologie und steigt mit dem Schlagwort „Drogenszene“ ein, die Ausdruck unbefriedigter Sehnsucht nach einem Paradies ist. Dass dies nur von kurzer Dauer sein kann, wissen viele Abhängige. Sie führt das Beispiel der neunmonatigen Schwangerschaft an, eine Zeit des Wohlgefühls für das Ungeborene, geschützte Atmosphäre. Das kleine Wesen ist niemals allein, hört den Herzschlag der Mutter, schummeriges rosa Licht hüllt das Kind ein. Durch das Geburtstrauma kommt es zum Enge-Erleben. Angustiae (lat. Die Enge), was sich in der deutschen Sprache im Wort Angst widerspiegelt, sind dann die Folgen der Geburt.

Dr. Furch holt aus zum Anspruch eines jeden Kindes, auf jeden Fall geliebt zu werden. Und hier beginnt häufig der Teufelskreis für die Entwicklung zur Sucht: Erwartungshaltungen von Eltern können nicht eingehalten werden, oder das Kind, der Jugendliche sieht sich ungeliebt, erlebt sich selbst in Ausweglosigkeit à la „Nullbock auf nix“. Was hier häufig fehlt, sich erst gar nicht herausbilden kann, ist Selbstachtung und Selbstbewusstsein.

Angekratztes Urvertrauen

Bei der theologischen Erklärung der Suchtentwicklung setzt Magdalene Furch in der Schöpfungsgeschichte an. Etwa deckungsgleich die paradiesischen Zustände, dann die Versuchungsgeschichte Schlange – Eva – Adam. Die Anstiftung zum Misstrauen ist hier gemacht und zieht sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte. Das Urvertrauen zu Gott und schließlich zum Mitgeschöpf sind angekratzt oder schlimmstenfalls komplett zerstört. Und dieser Teufelskreis führt wiederum zur Suchtentwicklung. Die Suche nach dem eigenen Paradies, dem Wohlgefühl, der Bestätigung des Selbst. Dr. Furch erreicht mit diesen Gedanken alle und setzt hitzige Gespräche in Gang. Zündstoff für mehrere Diskussionstage wäre das gewesen.

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