Der 5. April 1945 hat sich tief in Hilda Hofs Erinnerung eingegraben

Der 5. April 1945 blieb Hilda Hof für den Rest ihres Lebens in Erinnerung. Es war der Tag, an dem die Mutter von damals vier Söhnen durch den Krieg Haus und Hof verlor. Auch für ihren Sohn Paul, Jahrgang 1939, sind die dramatischen Ereignisse der letzten Kriegstage unvergesslich geblieben. Schließlich hatte er als sechsjähriger Junge die Erschießung von drei jungen russischen Zwangsarbeitern am Auer Bahnhof mit ansehen müssen. Die Männer waren aus einem Zug gesprungen und hatten sich im Keller des Bahnhofes etwas zu Essen besorgt - das war ihr Todesurteil.

Bereits zum 65. Jahrestag des Kriegsendes hatte Paul Hof die Aufzeichnungen seiner im Jahr 2008 94-jährig verstorbenen Mutter für unsere Zeitung noch einmal hervorgeholt.

Zwei Tage nach Ostern, am 5. April, war es soweit. Artilleriebeschuss und tief fliegende Aufklärer kündigten das Vorrücken der US-Armee an. Im Dorf hatten sich laut Hilda Hof viele deutsche Soldaten verschanzt: „Bei Sehlbergers wurde ein schweres Geschütz in den Misthaufen eingegraben.“ Weil sich Otto Klotz und Hildas Schwager Kusin aus Frankenberg „dagegen auflehnten, wären sie um ein Haar erschossen worden“, schrieb Hilda Hof in ihren Aufzeichnungen 40 Jahre nach Kriegsende. Bei Stremmels auf der Hude, hinter Hilda Hofs Haus (Adams) und bei Schneiders am Kapplerstein gruben sich weitere Landser ein. „Da wir glaubten, Sehlbergers Keller sei sicherer als der unsere, waren wir alle dorthin geflüchtet. Im Keller hatten wir sechs ganz junge deutsche Soldaten versteckt, obwohl wir wussten, dass das streng verboten war.“

Gegen 11 Uhr begann der amerikanische Angriff. US-Infanteristen stürmten vom Köpfchen herab ins Dorf. Begleitet von Tieffliegern kamen auch schwere Panzer die Hauptstraße herauf. „Als wir merkten, was geschah, mussten uns die jungen Soldaten mit Tränen in den Augen verlassen. Mit erhobenen Händen gingen sie dem Feind entgegen“, berichtet Hilda Hof.

Während die junge Mutter mit den anderen Zivilisten im Keller saß, schlug über ihren Köpfen eine Granate im Haus ein. Kurze Zeit später kamen US-Soldaten in den Keller. „Es war großes Glück für uns, dass die jungen Soldaten vorher gegangen waren.“ Aus Angst, das Feuer in Sehlbergers Scheune könnte auf das Wohnhaus übergreifen, wollten die Kellerinsassen hinüber in Hilda Hofs Haus flüchten.

Zwangsarbeiter im Kugelhagel

Dabei gerieten sie in einen Kugelhagel, bei dem der russische Zwangsarbeiter Wladimir schwer verwundet wurde. Sein linkes Bein musste im Notlazarett im Berleburger Bahnhofshotel Nockemann amputiert werden. Hilda Hofs Schwager Kusin erhielt einen Unterschenkeldurchschuss. Die Bochumer Evakuierte Frau Gieswein wurde am Oberarm verwundet, ihr Mann Paul tödlich getroffen. „Die Kinder schrien um Hilfe. Es schien als sei die Hölle losgebrochen“, so Hilda Hof.

Die Flucht in den Keller scheiterte. Er war zugesperrt. Also rannten alle in den Stall. Zwischen Hofs Haus und dem Stall entbrannte der Nahkampf zwischen Amerikanern und Deutschen. Ein Landser kam dort ums Leben.

Da ergriff nach Hilda Hofs Erinnerung der Opa die Initiative, band ein weißes Tuch an einen Besen und hielt es zur Stalltür hinaus. Die Amerikaner stürmten den Stall und trieben alle Zivilisten heraus. „Wir mussten im Kugelhagel hinter unserem Haus über die Wiese nach Schmette laufen.“ Immer mussten sich die Flüchtenden auf den Boden werfen, um nicht getroffen zu werden; denn von Schneiders Haus aus schossen deutsche Soldaten immer noch.

Die Amerikaner sperrten die Flüchtenden in den Keller von Lindes Haus, wo die Verwundeten verbunden wurden. Hier „merkte ich dann, dass Helmut (damals neun Jahre alt) gar nicht bei uns war“. Die Amerikaner verboten Hilda Hof, nach ihrem Sohn zu suchen. Erst am anderen Morgen erfuhr sie, dass er sich mit Tante Else in einen Keller geflüchtet hatte.

Ihr Mann kehrt aus dem Krieg zurück

Jetzt wurde aber auch das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Zehn Gehöfte waren mit Scheunen und Stallungen nur noch Schutt und Asche. „Zum Glück aber hatten wir alles gesund überstanden“, schrieb Hilda Hof. Am 13. Juni 1945 kam ihr Mann Hugo aus der Gefangenschaft und sofort begann der Wiederaufbau.