„Das kann immer wieder passieren“
23.12.2011 | 16:46 Uhr 2011-12-23T16:46:00+0100
Benfe. Benfe.Es ist glimpflich ausgegangen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass das, was der Familie Benfer in der Benfe mit dem Rettungs- und Notarztsystem passierte, „immer wieder geschehen kann“. So sieht es Dr. Ulrich Hennig, der an dem Tag Dienst hatte, als Erika Benfer einen Herzinfarkt erlitt.
Es ist glimpflich ausgegangen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass das, was der Familie Benfer in der Benfe mit dem Rettungs- und Notarztsystem passierte, „immer wieder geschehen kann“. So sieht es Dr. Ulrich Hennig, der an dem Tag Dienst hatte, als Erika Benfer einen Herzinfarkt erlitt.
Ihr Sohn, Frank Benfer, kann sich noch gut an das dramatische Advent-Wochenende erinnern. Er war mit Ehefrau Manuela zu Besuch. „Meine Mutter ist in der Nacht aufgewacht, hatte Schweißausbrüche. Es ging ihr schlecht.“ Zunächst habe sie sich wieder hingelegt. Die Beschwerden blieben. Am Morgen gegen 8 Uhr habe seine Frau den Rettungsdienst unter 112 angerufen und dort die Symptome geschildert. „Man hat ihr gesagt, wenn das kein wirklicher Notfall sei, dann müssten wir die Kosten selber tragen.“ Verunsichert ließen sich die Angehörigen die Nummer des allgemeinen ärztlichen Notdienstes geben. Dort wurde der Fall kurze Zeit später aufgenommen. „Um 9.30 Uhr haben wir noch einmal angerufen, weil sich nichts getan hatte. Man hat uns gesagt, wir würden zurückgerufen.“
Wirklich dringend
Das geschah auch - um 10.10 Uhr: „Da wurde noch einmal nachgefragt, ob es wirklich dringend sei.“ Um 11.30 Uhr traf schließlich Dr. Ulrich Hennig ein, der aus dem südlichen Siegerland nach Benfe beordert wurde. Er diagnostizierte einen Verdacht auf Herzinfarkt, orderte einen Krankentransportwagen für die 80-jährige Frau, der ebenfalls aus dem Siegerland anrückte. Zum Einsatz kam der aber nicht, weil nicht die richtige medizinische Gerätschaft an Bord war. Erst der dann angeforderte Notarztwagen aus Erndtebrück konnte die Patientin ins Krankenhaus bringen, wo sich der Verdacht auf Herzinfarkt bestätigte.
Die Verwechslung der Einsatzfahrzeuge nimmt Dr. Ulrich Hennig auf seine Kappe: „Ich habe lange Zeit in Ostdeutschland Notdienst gemacht. Dort sind alle Fahrzeuge mit dem nötigen Herzinfarkt-Monitor ausgerüstet.“ Aber zu diesem Zeitpunkt hätte es für die Patientin schon lange zu spät sein können. „Es ist ein Unding, bei einer älteren Patientin, die im Oberkörper Beschwerden hat, auf den ärztlichen Notdienst zu verweisen. Es kann sich immer um einen Infarkt oder eine Lungenembolie handeln“, sagt der Gynäkologe, der für seinen Kollegen Dr. Osama Shamia aus Kreuztal den Dienst übernommen hatte.
Kein Fachpersonal
Das hätte nicht nur in der Notrufzentrale erkannt werden müssen, sondern auch in der Telefonzentrale des ärztlichen Notdienstes - wenn denn dort Fachpersonal säße. Das ist aber nach den Erfahrungen des Arztes oft nicht der Fall: „Es macht den Eindruck, dass dort nur Telefonisten und Organisatoren ohne die notwendige medizinische Vorbildung sitzen. Die Arbeit wird aus Kostengründen häufig an Subunternehmer ausgegliedert. Es wäre schon günstig, wenn es wenigstens Mindestvoraussetzungen für so einen Telefondienst geben würde.“
Hinzu kommt, dass im ärztlichen Notdienst räumliche Entfernungen und Überlastung offensichtlich auch eine Rolle spielen. An dem besagten Morgen kann sich Dr. Hennig noch gut erinnern: „Normalerweise hätte ein Kollege aus Netphen die Fahrt gemacht. Der hatte aber dort viele Einsätze. Deshalb bin ich schließlich von der Wasserscheide nach Benfe gefahren.“
Nicht nur für Familie Benfer stellt sich die Frage, ob Not- und Rettungsdienst im heimischen Raum vernünftig organisiert sind. Auch Ärzte haben da ihre Zweifel. Dr. Hennig: „So etwas kann wieder passieren, das ist keine Frage. Da müssen wir uns keinen Illusionen hingeben.“ Ob es immer so glücklich ausgeht wie bei Erika Benfer, darf man zumindest bezweifeln.
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