Check-up für Magen, Darm & Co.

Dr. med. Stephan Kolbe erklärt, worauf es bei der Vorsorge für den Verdauungstrakt ankommt.
Dr. med. Stephan Kolbe erklärt, worauf es bei der Vorsorge für den Verdauungstrakt ankommt.
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Was wir bereits wissen
Chefarzt Dr. Stephan Kolbe erklärt im Rahmen der Reihe „Gesund in Wittgenstein“, wie Problemen im Verdauungstrakt beizukommen ist.

Bad Berleburg..  „Dass Tee hilft, das war mir neu.“ Rolf ist 66 Jahre jung* und hat vor fünf Wochen eine Magen-Darm-Spiegelung hinter sich gebracht. Sein Problem ist ein drückendes: Ihn plagen Blähungen. Von Dr. Kolbe hat er soeben erfahren, dass Kümmel und Fencheltee in der Regel schnelle Linderung bringen: „Und wenn es Ihnen nicht schmeckt, zwingen Sie sich dazu. Es sollte Ihnen helfen.“

Die häufigsten Tumorarten

Dr. med. Stephan Kolbe ist Chefarzt für Innere Medizin an der Helios-Klinik in Bad Berleburg. Im Rahmen der Vortragsreihe „Gesund in Wittgenstein“ referiert er an diesem Abend zum Thema „Check-up für Magen, Darm & Co.“. Sein dringendes Anliegen: Vorsorgestrategien und Maßnahmen zur Früherkennung vermitteln. In rund eineinhalb Stunden klärt der Mediziner über die aktuellsten Erkenntnisse zu Speiseröhren-, Magen- und Darmkrebserkrankungen auf. Gleich zu Beginn stellt er klar: „Krebserkrankungen im Magen-Darm-Trakt gehören zu den häufigsten Tumorarten.“ Die gute Nachricht: Die Chancen auf eine Heilung von Speiseröhrenkrebs seien erheblich besser als noch vor 15 Jahren. Doch was verursacht ihn?

Aspirin senkt das Krebsrisiko

Zum einem die „üblichen Verdächtigen“ wie Tabak und Alkohol. Zum anderen können Menschen, die unter chronischem Sodbrennen leiden, im Extremfall an Speiseröhrenkrebs erkranken. Regelmäßige Endoskopien, sprich Spiegelungen, beugen hier vor. Dr. Kolbe betont, dass gerade die sogenannte „nicht-erosive Refluxkrankheit“, das heißt der Rückfluss von Magensäure, der keine sichtbaren Gewebeschäden hinterlässt, schwer zu diagnostizieren sei: „Aus diesem Grund werden wir ganz bestimmt nicht sagen: ‘Da ist nichts’.“ Auch ein „Barrett-Ösophagus“ – eine Veränderung des Gewebes im unteren Bereich der Speiseröhre, die eine Krebsvorstufe darstellt – wird durch die Endoskopie erkannt. Dabei schafft Dr. Kolbe auch gleich einen Irrglauben aus der Welt: Ein Zwerchfellbruch sei nicht zwingend die Ursache für Sodbrennen und dessen Folgeerkrankungen: „Viele Menschen mit einer Hiatushernie führen ein ganz normales Leben.“ Die regelmäßige, auch langjährige Einnahme von Säureblockern stelle laut Dr. Kolbe kein Problem dar.

Ein Bakterium als Übeltäter

Beim Magenkrebs, erfahren die Zuhörer im gut besuchten Konferenzsaal, sei eine definitive Heilung nur im Frühstadium möglich. Mittlerweile wird dieser als Infektionskrankheit anerkannt, als ausgemachter Übeltäter gilt der „Helicobacter pylori“, ein Bakterium, das sich im sauren Magenmilieu zum Leidwesen der Betroffenen pudelwohl fühlt – allerdings auch eradizieren, sprich komplett ausrotten lässt. Andere mögliche Ursachen sind wie immer neben Rauchen und Trinken der übermäßige Genuss von salzreichen Speisen, aber auch schon die Blutgruppe oder ein Diabetes. Vorbeugend, führt der Chef der Inneren Medizin aus, wirke mediterranes Essen: „Damit meine ich aber nicht die Pizza beim Italiener um die Ecke! Die Daten sprechen zum Beispiel für Knoblauch.“ Wer unter einer chronischen Gastritis (Magenschleimhautentzündung) leidet oder Verwandte ersten Grades hat, die an Magenkrebs erkrankt sind, werde besser gestern als heute zur Endoskopie vorstellig.

Anspruch auf Darmspiegelung

Auch beim Darmkrebs sei es überaus wichtig, diesen im Frühstadium zu erkennen, schon ein Polyp gilt als Vorstufe zum bösartigen Tumor. Jeder gesetzlich Versicherte hat ab dem 55. Lebensjahr Anspruch auf eine Darmspiegelung. „Sicher und effektiv“ nennt er die Koloskopie, bei im Schnitt 100 Spiegelungen könne ein Darmkrebs ausgemacht werden.

Ein letztes Mal räumt Dr. Kolbe dann mit einem modernen Mythos auf: „Pilze im Darm sind vollkommener Unsinn.“ Spricht’s und wirft ein Bild vom Inneren eines gesunden Darms an die Wand, auf dem ein Pilz zu sehen ist: Eine Scheibe von einem Champignon.