Check up für die Ärzte-Versorgung

Gutes Gefühl für Patienten, wenn ein Hausarzt ganz in der Nähe ist. Für die Lebensqualität in Wittgenstein ist er ein wichtiger Garant.
Gutes Gefühl für Patienten, wenn ein Hausarzt ganz in der Nähe ist. Für die Lebensqualität in Wittgenstein ist er ein wichtiger Garant.
Foto: Jakob Studnar
Was wir bereits wissen
Bad Berleburger Politiker wollen jetzt erst einmal den genauen Patienten-Bedarf ermitteln, um für drohende Versorgungslücken im Stadtgebiet passgenau neue Ideen zu entwickeln. Im neuen Gesundheitsausschuss, der am Mittwochabend tagt.

Wittgenstein..  Arzt sein auf dem Land – wie macht man das heutzutage dem Mediziner-Nachwuchs schmackhaft? Während diese Frage beim CDU-Bezirksverband Südwestfalen noch diskutiert wird, wollen Kommunalpolitiker heute Abend im neuen Bad Berleburger Gesundheitsausschuss schon ei­nen Schritt weitergehen – und konkrete Ideen entwickeln, wie sie drohendem Ärzte-Mangel im Stadtgebiet zügig entgegenwirken wollen. Denn klar ist: Jung sind die meisten niedergelassenen Ärzte in der Stadt nicht mehr – und um jüngeren Ersatz muss man kämpfen.

„Viele junge Ärzte gehen erst gar nicht mehr in den medizinischen Bereich – sondern oft direkt in die Pharma-Industrie“, hat der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Jens Kamieth aus Siegen festgestellt, der auch Wittgenstein mitbetreut. Das sei einfach lukrativer.

Jetzt endlich Hausaufgaben machen

Umso wichtiger seien finanzielle Anreize, so Kamieth, damit sich Mediziner in einer ländlich geprägten Region wie Wittgenstein niederlassen – etwa als Hausarzt. Der CDU-Politiker verweist dazu auf einen Gründungszuschuss bis zu 50 000 Euro aus dem NRW-Hausärzteprogramm, die das Land Medizinern für eine eigene Praxis in unterversorgten Gebieten zahle – übrigens auch für die Übernahme bereits vorhandener Praxisräume.

Dietmar Beuter (SPD), Vorsitzender des neu eingerichteten Gesundheitsausschusses, der heute zum zweiten Mal tagt, hält die genannte Zuschuss-Summe für einen Witz. Denn: Die Anschub-Kosten für eine Praxis samt nötiger Arzthelferinnen lägen um ein Vielfaches höher. Und wenn ein Jung-Mediziner dann womöglich nur für 1000 Einwohner zuständig sein solle, lohne sich so ein Projekt für ihn schon gar nicht.

Auch deshalb, so Beuter, müsse in Sachen Ärzte-Versorgung jetzt das gesamte Stadtgebiet auf den Prüfstand: Wie sieht die Altersstruktur bei den praktizierenden Ärzten aus? Wo liegt der Bedarf der Patienten? Wie lassen sich die Kliniken vor Ort einbinden? Und dann: „Individuelle Lösungen vor Ort suchen“, so Beuter. Im Gespräch mit allen Beteiligten. Ideen diskutieren und Prozesse anstoßen werde man dann im Ausschuss.

Angehende Mediziner aus dem Raum Wittgenstein frühzeitig als spätere Landärzte vor Ort binden – das ist aus Sicht von Elmar Knoche, der für die CDU im Ausschuss sitzt, besonderes wichtig. Hier sei das Stipendiaten-Programm der Helios-Klinik ein gutes Modell, und so verfahre inzwischen auch die heimische Industrie beim Werben um notwendige Fachkräfte.

Diesen für die Region wertvollen Menschen mit ihren Familien müsse man zum Beispiel besonders günstig Immobilien anbieten, findet Knoche. Und vielleicht ein Ärztehaus, das Mediziner gemeinsam wirtschaftlicher betreiben könnten. Denkbar sei aber auch eine Art mobile Arztpraxis, um gerade die vielen Dörfer zu versorgen. Und für ein Fahrzeug, das zum Beispiel die Stadt bereitstelle, fänden sich idealerweise Sponsoren, so Knoche.

Im Grunde hätte die Stadt ihre Hausaufgaben schon fünf bis zehn Jahre früher machen müssen, findet Dietmar Beuter. Schon damals habe sich der heute berüchtigte demografische Wandel abgezeichnet, nicht zuletzt in der Einwohner-Statistik. Hier müsse nun in kurzer Zeit viel nachgeholt werden, so der SPD-Politiker. Und mit den fertigen Hausaufgaben könne die Stadt dann auf der nächsten Ebene weitermachen: beim Zweckverband Region Wittgenstein. Hier werde ja auch schon über die künftige Schullandschaft vor Ort diskutiert.

Der Gesundheitsausschuss in Bad Berleburg tagt am heutigen Mittwoch ab 18 Uhr öffentlich im Bürgerhaus am Marktplatz.