Bürger-Kritik: Winterdienst muss flotter sein

Mit dem Räumfahrzeug unterwegs: Manchen Anwohnern geht der Winterdienst nicht fix genug.
Mit dem Räumfahrzeug unterwegs: Manchen Anwohnern geht der Winterdienst nicht fix genug.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Nach dem schneereichen Samstag hat einer der Kritiker auf der Facebook-Seite des Berleburger Bürgermeisters Bernd Fuhrmann eine Debatte zum Thema losgetreten. Fuhrmann wiederum verweist auf das Winterdienst-Telefon als wichtige Anlaufstelle.

Bad Berleburg..  „Wo ist der Schneepflug für die Nebenstraßen? Nix zu sehen!“ So wettert „Helmut Leopold“ am Samstag in einem Eintrag auf der Facebook-Seite von Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann. „Es schneit nun schon acht Stunden am Stück – das kann es nicht sein.“ In Kommentaren erntet „Leopold“ dafür viel Zustimmung — aber auch reichlich Kritik für seine Meckerei. Von Unfällen auf nicht geschobenen Stadt-Straßen ist in den Mecker-Kommentaren die Rede. Und einem Winterdienst, für den man Reinigungsgebühren zahle, der aber nicht auf Zack sei und freigeschaufelte Gehwege einfach wieder zuschiebe.

„Simone Nitsche“ nervt dieses Gemecker mächtig: „Würde nicht jeder verlangen, schnell bedient zu werden, könnte man auch sauberer arbeiten“, meint sie. „Ich selber bin im Winterdienst aktiv“, sagt „Torsten Hellwig“ und wird in seinem Kommentar ganz deutlich: „Bei so einem Schneetreiben kann man es nicht überall und jedem recht machen. ... Bevor ihr rummeckert, sollten ihr dankbar sein, dass es Leute gibt, die sich den Arsch aufreißen und ihr Bestes geben, um die Straßen und Parkplätze räumen. Während ihr im Warmen sitzt und Schneeflocken zählt.“

Winterdienst-Telefon für Hinweise

Auch Bürgermeister Fuhrmann selbst schaltet sich in die Diskussion ein: „Ich bin froh, dass viele Kollegen bei uns im städtischen Bauhof, beim Landesbetrieb Straßen NRW und bei den privaten Baufirmen für uns in Bad Berleburg die Straßen und Parkplätze vom Schnee befreien“, schreibt er. „Was die Rohrbachstraße betrifft, habe ich mich beim Winterdienst erkundigt: Sie wurde gegen 10 Uhr geschoben und dann noch mal heute Mittag, nachdem die Meldung über den Auffahrunfall erfolgte.“ Über den hatte unsere Zeitung am Montag berichtet. Fuhrmanns Botschaft an die Bürger zum Schluss: „Wenn eine Steilstraße mit Winterreifen unpassierbar wird, bitte eine direkte Meldung ans Winterdienst-Telefon!“

„Also, am Samstag hat sich wegen Winterdienst kein einziger gemeldet“, sagt Christian Winter vom städtischen Baubetriebshof Bad Berleburg. Und er muss es wissen, laufen bei ihm doch die Anrufe des Berleburger Winterdienst-Telefons, 0171/7266448, auf. Nur den Anruf des Bürgermeisters bestätigt er.

Das zentrale Revier des Raumländers beim Winterdienst ist idealerweise sein eigener Heimatort. „An den Steilstrecken bin ich am Samstag anderthalbmal gefahren“, versichert Winter, nachdem gegen 9 Uhr der Dauer-Schneefall eingesetzt habe. War dieser total verschneite Samstag eigentlich eine Ausnahme-Situation für den Winterdienst? „Gar nicht“, sagt Winter. Maximal zehn Zentimeter Schnee seien gefallen. „Und wir haben hier schon 20, 30 Zentimeter über Nacht gehabt.“ Aber es sei seit langem wieder der erste Tag mit Schnee gewesen – sogar noch per Unwetter-Warnung angekündigt. Und einige Autofahrer daran offenbar noch nicht gewohnt, so Winter — was die Vielzahl der Unfälle am Samstag erkläre.

Räumer mit Schippe angegriffen

Und wie reagieren Anwohner, wenn der Schneepflug um die Ecke kommt? Von „freundlich winkend“ bis „böse schimpfend“ sei alles dabei, hat Winter festgestellt. Ein erboster Bewohner gar habe ihm schon einmal seine Schneeschippe gegen die Fahrerkabine geschlagen, kann er sich erinnern. Verstehen kann Winter solche Reaktionen nicht. Schon gar nicht auf Facebook, wenn sich die Kritisierten meist gar nicht wehren könnten.

Winter berichtet von Bürger-Anrufen am Winterdienst-Telefon nach dem Motto „Hier war noch keiner“. Doch wann die städtischen Räumer wo unterwegs sind, das lasse sich anhand von GPS-Aufzeichnungen genau nachvollziehen. Und oft sei es eben so, sagt Winter, dass eine um 4 Uhr früh geräumte Wohnstraße um 8 Uhr schon wieder zugeschneit sei, wenn sich Anwohner telefonisch meldeten.

Winter weist darauf hin, dass die Stadt eben nicht für jede Straße im Stadtgebiet zuständig sei. Für den Winterdienst auf Land- oder Kreisstraßen sei das nämlich in der Regel der Landesbetrieb Straßen NRW. Das gelte zum Beispiel für die steile Emil-Wolff-Straße (L 718).

Einen Tipp hat Winter für Anwohner, die den Bürgersteig vor ihrer Haustür freischaufeln müssen: Die „Kinderwagen-Breite“ von einem Meter am besten gar nicht erst überschreiten – dann bleibt meist auch genug Platz für die zusätzlichen Schneeberge von der Fahrbahn.