Berleburger lässt Hanns Dieter Hüsch auferstehen
16.02.2010 | 07:00 Uhr 2010-02-16T07:00:00+0100Bad Berleburg. Am 6. Dezember 2005 schloss sich der Lebenskreis des großen deutschen Poeten und Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch. Jetzt erlebten gut 70 Zuhörer im Bad Berleburger Christus-Haus eine Auferstehung des Wort- und Satzkünstlers in Gestalt des gebürtigen Berleburgers Gottfried Pielhau.
„Gottfried Pielhau meets Hanns Dieter Hüsch” - unter diesem Titel führte er in die christliche Welt des niederrheinischen Künstlers ein. Hüsch sollte auf Wunsch seiner Familie ein Studierter werden, was zunächst auch mit dem Beginn des Medizinstudiums in Gießen begann, endete schließlich auf den Kleinkunstbühnen in ganz Deutschland.
Doch Hüsch war nicht nur der Mann der schnellen Sprache für den intensiv Zuhörenden seiner Wortkaskaden. Ab 1973, seinem Besuch des evangelischen Kirchentages in Düsseldorf hat es bei Hanns Dieter Hüsch „gefunkt” mit dem Glauben an Gott. Er selbst verstand sich stets als göttlicher Clown, dessen Kopf ein lustiger Planet ist.
Utopischer Träumer
Den utopischen Träumer aus Moers brachte Gottfried Pielhau den Menschen in Berleburg auf herzliche Weise nahe. Nicht im Sinne des Imitierens betrat er die Bühne. Sein Ansinnen liegt eindeutig in der Zwischenmenschlichkeit begründet. In ruhiger Machart und mit leisen Liedern mit Gitarrenbegleitung zeigt er den introvertierten Hüsch, der sich zu Menschen hingezogen fühlte, die im Leben gescheitert sind, verrückt und ohnmächtig und die nicht aus eigener Kraft aus der Lebensmisere gelangen können.
Zu Lebzeiten schien es selbst für Hüsch eine Utopie zu sein, Menschen dazu zu bewegen, sich gegenseitig in die Arme zu nehmen. Den Weg beschreitet heute Gottfried Pielhau und ihm gelang ein Stück weit, was Hanns Dieter Hüsch gern mit dem 1. Korintherbrief Vers 13 zitiert hat. Der Hemeraner Mathe- und Physiklehrer, eher nüchtern vom Berufsbild, setzt genau wie sein großes Idol auf die Liebe. Liebe ist das, was in Hüschs Augen der institutionalisierten Kirche fehlt. „Nehmet einander an” und „Am seid'nen Faden” sind Mitsinglieder des Kabarettisten, die ganz seicht die ureigene Botschaft Gottes an die Menschheit übermitteln, das Miteinander zu pflegen und letztendlich alle Angst abzulegen.
„Das alte Kind vom Niederrhein”
So wie Hüsch aus Trauer Trost und aus Weinen Lachen machen wollte, gesellte sich Gottfried Pielhau einem Bild Hüschs gegenüber, aus dem vorher ein Spiegel fiel, auf die Bühne und stand nun dem großen Meister, der gar kein Großer sein wollte, von Angesicht zu Angesicht gegenüber. „Ich reiche nicht an Hüsch heran, an das alte Kind vom Niederrhein”, so Pielhau, doch er übertrug seine Worte im Sinne des Wortkünstlers und Christen an die Menschen im Saal: „Das Unvollendete sollen die Menschen erhalten!” Dieses Zitat Hanns Dieter Hüschs war Anlass für lange Anschlussgespräche einiger Veranstaltungsbesucher.
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