Bei der gelben Post sieht Martin Viedenz rot

Wenden..  Freunde werden sie nicht mehr, Martin Viedenz und die Deutsche Post. Das Verhältnis ist eher geprägt von gegenseitiger Abneigung. Bei der gelben Post sieht der Wendener rot. Wegen der aus seiner Sicht katastrophalen Zustellung hat der 47-Jährige schon etliche Beschwerdebriefe an den „Kundenservice Konzernleitung“ der Deutschen Post DHL in Bonn geschickt. „Die hassen mich wie die Pest“, meint Martin Viedenz.

Der Wendener ist Finanzbeamter im Ruhestand. In seinem Haus in der Wendebachstraße 2 wohnen noch sein Bruder und ein weiterer Mieter. Begonnen habe das ganze Malheur mit der Post im September 2012. „Ich hatte damals noch eine Beratungsstelle des Lohnsteuerhilfevereins. Die Postbotin drückte einem Mieter vor der Tür einen Brief in die Hand, den er mir geben sollte. Einmal auch einem Besucher. Da waren Steuerbescheide drin. Ich habe mich richtig darüber aufgeregt. Steuerbescheide von Kunden haben in anderen Händen nichts zu suchen“, so der 47-Jährige, der betont: „Ich habe eine so gute Briefkastenanlage.“

Verwarnung nicht angekommen

Etliche Male seien Briefe in den falschen Kasten gesteckt worden: „Einwurfeinschreiben an meinen Bruder lagen in meinem Briefkasten. Ein Brief mit Vertragsunterlagen von der Postbank war nur halb in den Kasten hineingesteckt. Etliche Briefe sind gar nicht angekommen.“ Auch Briefe mit der Adresse Schützenstraße seien in seinem Briefkasten gelandet.

Nach einem Falschparken an der Bigge habe ihm die Stadt Attendorn eine Verwarnung geschickt, die jedoch nie bei ihm angekommen sei. Daraufhin habe er aus der Hansestadt einen Bußgeldbescheid bekommen. „Ich habe gesagt: Die Verwarnung bezahle ich, die ist berechtigt, nicht aber die Gebühren, weil ich das Schreiben ja gar nicht erhalten habe“, so Viedenz, der vor Gericht zog. Dort habe er recht bekommen: „Die Stadt Attendorn musste belegen, dass sie das rausgeschickt hatte. Sie musste mir meine Kosten erstatten.“

Dringendes Paket verspätet

Auch mit der Zustellung von Paketen habe es „Zirkus hoch drei“ gegeben. Deshalb habe er sich ein Postfach in Gerlingen angeschafft. Das klappe jetzt auch soweit. Allerdings sei vor ein paar Wochen ein dringendes Paket erst mit zwei Tagen Verspätung angekommen. Martin Viedenz schickte erneut ein Beschwerdeschreiben nach Bonn. Von dort gab es einmal mehr eine Entschuldigung und als „Entschädigung“ einen Satz Briefmarken: zehn Stück zu 60 Cent und einen Zehner-Streifen mit zwei Cent. Der 47-Jährige nennt diese „Entschuldigungsmarken“ und meint: „Ist das Bestechung, dass ich mich nicht mehr beschweren soll?“

Er habe auch etliche Male selbst Briefe verschickt, die nicht angekommen seien, so Viedenz. Deshalb versende er jetzt alles nur noch per Einschreiben. Zur Frage, dass das aber doch einiges an Geld kostet, sagt er: „Die Nerven sind mir wichtiger.“ Er will diese auch künftig schonen, was die Beschwerdebriefe nach Bonn angeht: „Das gewöhne ich mir ab. Es lohnt sich nicht mehr.“

Zum Ärger des Martin Viedenz meinte Alexander Böhm, Post-Pressesprecher in Frankfurt, auf Anfrage: „Unsere Mitarbeiter sind angehalten, die Post in den richtigen Briefkasten zu stecken. Wenn Müller drauf steht, kann man diesen nicht in den Kasten von Meier werfen.“ Zu der Beschwerde-Flut von Martin Viedenz meinte Böhm: „Wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht. Der Kunde hat absolut recht, wenn was nicht in Ordnung ist und er sich beschwert.“

Post nimmt Beschwerden ernst

Allerdings, so der Pressesprecher der Post weiter, sei es wichtig, sich sofort zu beschweren: „Statt einen Brief zu schreiben, würde ich jedem Kunden empfehlen: Rufen Sie direkt an dem Tag, wo das Problem aufgetreten ist, die Hotline an. Der direkte Kontakt ist wichtig. An der Hotline sitzen geschulte Mitarbeiter. Die geben dann die Infos direkt an die Niederlassungen weiter.“ Und: „Wir nehmen solche Beschwerden ernst und sind dankbar über jeden Hinweis.“