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Prozess

Bad Laaspher muss 27 Monate ins Gefängnis

24.01.2015 | 08:00 Uhr
Bad Laaspher muss 27 Monate ins Gefängnis
Foto: Ulrich von Born

Bad Berleburg.   Ein 19-Jähriger hat am Laaspher Bahnhof völlig unbeteiligte Schüler geschlagen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bis zuletzt hatte der 19 Jahre alte Angeklagte aus Bad Laasphe versucht, das Schöffengericht hinter das Licht zu führen – auch mit einem Drogenscreening, das der Arbeitslose in der vorletzten Woche habe machen lassen.

Aber der Reihe nach. Beim Fortsetzungstermin am Freitag kamen eingangs zwei Geschädigte zu Wort, die der Beschuldigte mit Faustschlägen traktiert hatte (wir berichteten).

Die beiden 17 Jahre alten Schüler warteten Ende Juni vor dem Laaspher Bahnhof auf einen Bus, der sie nach Wallau bzw. nach Eckelshausen bringen sollte. Plötzlich schlug B. unvermittelt zu. Er kannte seine beiden Opfer noch nicht einmal. Beide wurden bei dem feigen Angriff verletzt, einer zog sich diverse Schwellungen und ein Hämatom zu, der andere erlitt ein heftiges Nasenbluten. „Die Blutung war so stark, dass ich sogar Probleme mit dem Atmen hatte“, so einer der beiden Angegriffenen im Zeugenstuhl.

Einen „unstreitigen Sachverhalt“ hatte in dieser Angelegenheit sein Pflichtverteidiger Fritz Bosch ausgemacht. Das traf allerdings nicht auf alle Anklagepunkte zu, schließlich hatte B. auch größere Mengen Cannabis in seinem Besitz gehabt, angeblich nur um seinen Eigenkonsum zu finanzieren. Es geht noch weiter: Nach dem Genuss von reichlich Alkohol soll er außerdem mit einem Messer auf seinen Trinkkumpan losgegangen sein. In einem ärztlichen Attest ist die Rede von sechs Stichverletzungen im Gesäß und zusätzlichen Schnittverletzungen am Oberkörper. Der Gelegenheitsarbeiter ist zwar erst 19, vorbestraft ist er allerdings schon seit 2011, und das wegen einer Tat, die genauso wenig nachvollziehbar ist, wie der Ausraster vor dem Bahnhof.

Tipps für Trickdiebstahl im Film

Zusammen mit Gleichgesinnten schaut er sich in einer öffentlichen Einrichtung einen „Lehrfilm“ an. Dabei geht es um Taschen- und Trickdiebstähle. Das so erworbene Wissen wird dann gleich umgesetzt. Auf der Dammstraße trifft es eine Passantin, der die Handtasche entrissen werden soll. Der gemeinschaftliche versuchte Raub scheitert nicht nur, laut Strafrichter Torsten Hoffmann leidet die Frau bis heute unter Angststörungen. Diese Straftat ist im Jahr 2011 vor dem Jugendgericht und unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt worden, da die Täter noch nicht volljährig waren.

Noch zwei wichtige Personen wurden unmittelbar nach der umfangreichen Beweisaufnahme gehört. Da war zu einem Jens-Uwe Joppich von der Jugendgerichtshilfe, der sich allerdings so nicht äußern wollte, weil sein Mündel die Gesprächstermine nicht eingehalten habe. Eine Empfehlung, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kommen soll, konnte er ebenfalls nicht aussprechen.

Deutlich umfangreicher waren hingegen die Ausführungen seiner Bewährungshelferin. Cordula Möllenbeck sprach von vielen Hilfsangeboten, die der 19-Jährige ausgeschlagen hat. Zudem habe sein Werdegang dazu geführt, dass die Mutter bereits psychisch angeschlagen ist.

Keine positive Prognose

Generell wollte Cordula Möllenbeck keine positive Prognose stellen. Möglicherweise auch, weil der Laaspher immer wieder versuchte, seinen Hals mit irgendwelchen Unwahrheiten und Ausflüchten aus der Schlinge zu ziehen – auch mit dem angeblichen Drogenscreening.

Ein einziger Kontrollanruf von Richter Hoffmann während einer kurzen Unterbrechung der Hauptverhandlung ergab, dass der Test erst an diesem Dienstag durchgeführt wurde. Die Ergebnisse konnten also noch gar nicht vorliegen. Möglicherweise benötigte er auch Zeitaufschub und somit niedrige Werte.

Genutzt hat der Bluff nicht, außer B. und sein Pflichtverteidiger Fritz Bosch legen gegen das Urteil Berufung ein. Sonst muss der Bewährungsversager für mindestens zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. So lautet die Sanktion des Schöffengerichts unter Vorsitz von Torsten Hoffmann.

Abgeurteilt wurden demnach Erwerb und Handel mit Betäubungsmitteln, die Aktion mit dem Trinkgelage und auch die Faustschläge gegen die beiden unbeteiligten Schüler aus dem Hinterland. Einen Rat hatte Richter Hoffmann für den Angeklagten: Er solle die Chance nutzen, und in der Justizvollzugsanstalt eine Ausbildung beginnen, die er nach seiner Entlassung möglichst nahtlos fortsetzen kann.

Heiner Lenze

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Bad Laaspher muss 27 Monate ins Gefängnis
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2015-01-24 08:00
Nachrichten aus Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück