Aus heutiger Sicht war es der richtige Weg

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Friedhelm Aderhold.  Friedhelm Aderhold aus Wemlighausen (Jahrgang 1933) hatte von 1969 bis 1974 ein Direktmandat der SPD im letzten Wittgensteiner Kreistag inne und erlebte so die Debatten aus erster Hand. Später saß der Kommunalpolitiker und letzte ehrenamtliche Bürgermeister Bad Berleburgs (1994 bis 1999) dann von 1984 an 25 Jahre im Kreistag Siegen-Wittgenstein.

1 ie Kommunale Neugliederung 1975 - war sie Fluch oder Segen?Die Kommunale Neugliederung 1975 - war sie Fluch oder Segen?

Friedhelm Aderhold: Letztlich kann ich aus heutiger Sicht nur sagen, dass es der richtige Weg war. Für uns als kleine Ortschaften und als Kreis Wittgenstein wären doch so große Investitionen in Straßen und Kanalisation gar nicht mehr bezahlbar gewesen.

Für mich war es damals die erste Wahlperiode im Kreistag. Wir wussten ja, was kommen würde, weil die Neugliederung in anderen Regionen schon gelaufen war. Es sollte keine Kreise unter 150 000 Einwohner mehr geben. Und neben Wittgenstein sollte damals ja auch Olpe zum Kreis Siegen kommen. Damit wären aber die SPD-Mehrheiten im Kreis Siegen und bei Landrat Herrmann Schmidt weg gewesen. Es ging also politisch ums Eingemachte. Wir als Wittgensteiner Sozialdemokraten haben damals die Vorwärtsstrategie vertreten und uns Hoffnungen auf Zugeständnisse gemacht, beispielsweise bei der Verkehrsanbindung. Leider ist nicht alles so gekommen. Aber den Hickhack, den es zwischen SPD und CDU gegeben hat, der wäre hier vor Ort nicht nötig gewesen. Im Landtag hatten diese beiden Parteien doch alles schon zusammen beschlossen.

2 Alle reden von interkommunaler Zusammenarbeit. Könnte die Großgemeinde Wittgenstein dann nicht die logische Fortführung der kommunalen Neugliederung von 1975 sein?

Ich hätte nichts gegen eine Großgemeinde. Die war ja damals auch schon im Gespräch. Doch wir als reine Freizeitpolitiker hielten das damals für nicht leistbar.