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Auch Prinzen tragen zerrissene Jeans

12.06.2007 | 11:55 Uhr

Bad Laasphe. Die Nervosität war groß, schließlich gibt man einem leibhaftigen Prinzen nicht oft die Hand. Aber die Anspannung verflog schnell und die Schüler löcherten Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein mit Fragen - ohne dabei Sitte und Anstand zu vernachl

Locker und ungezwungen plauderte der Neffe der dänischen Königin Margarete mit den Neuntklässlern der Städtischen Hauptschule Bad Laasphe über Etikette, aber auch über Privates und seine Schulzeit, denn das interessierte die 15- bis 17-Jährigen doch noch mehr, als das richtige Benehmen bei einem Vorstellungsgespräch.

Ob er Leibwächter habe, wollte ein Mädchen wissen: "Nein, zum Glück nicht. Die meisten Journalisten erkennen mich im Gegensatz zu meinen dänischen Vettern ja nicht", flachste Prinz Wittgenstein. Ob er denn viele Berühmtheiten kenne, wollte ein anderes Mädchen wissen. "Die Königinnen und Könige Europas kenne ich eigentlich alle persönlich, aber auch Schauspieler, Fußballer und Industrielle. Nur muss man sich das nicht so vorstellen, als würde ich täglich mit denen telefonieren", sagt der gelernte Industriekaufmann, der heute mit seinem Vater gemeinsam einen der größten Privatwaldbesitz Deutschlands verwaltet.

"Haben Sie auch echte Freunde oder kommen die nur wegen Ihres Geldes", wollte ein Schülerin wissen. "Als ich noch in Bad Berleburg zur Schule gegangenen bin, wollten natürlich alle mal ins Schloss. Aber mit der Zeit lernt man zu erkennen, wer wahre Freunde sind", berichtete der Prinz, der nach der 8. Klasse auf das Internat Luisenlund in Schleswig-Holstein wechselte. "Das war die schönste Zeit meines Lebens", sagt der 37-Jährige und plaudert aus dem Nähkästchen: "Natürlich bin ich auch mal nachts ausgebüxt und in die Disko gegangen." Auch zerissene Jeans, weiße Socken, Turnschuhe oder Trainingsanzug habe er zum Leidwesen seiner Eltern, Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein und der dänischen Prinzessin Benedikte, getragen: "So kannst Du doch nicht rumlaufen", haben die damals gesagt. "Aber wir wollten doch alle so aussehen, wie unsere Idole aus der Bravo", outet sich der Prinz als Leser des Teenie-Magazins. Zu den 20 Schülerinnen und Schülern, die eigens im Bewerbungs-Outfit in der Klasse saßen, kam Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein allerdings im Anzug - wie es sich gehört und entschuldigte sich für ein paar Minuten Unpünktlichkeit.

Wie man sich den ein Essen im ehemaligen fürstlichen Haus vorstellen müsse, wollte Uta Fiedler vom Knigge-Kurs-Ausrichter Berufsbildungs Zentrum Siegen wissen, schließlich sei dies nach der richtigen Begrüßung und dem Bewerbungsgespräch die nächste Lektion. "Wir sitzen nicht an einer großen Tafel, sondern an einem Tisch, wie jede Familie", so Gustav. Und natürlich habe es auch den einen oder anderen Kommentar zu den Tischmanieren gegeben. "Das kommt auch heute noch vor", lächelt Prinz Wittgenstein. Ja, und eine Freundin hat er auch, mit der er auf Schloss Berleburg lebt.

Aber auch für die Bewerbungsgespräche hatte Prinz Wittgenstein einige Tipps parat. Schließlich hat er auch einige hinter sich: "Ich kann nur sagen, seid pünktlich, hört gut zu und stellt Fragen. Nur wer viel fragt, kann auch viel lernen. Und eins steht fest, so wie man sich gibt, so wird man auch vom Personalchef angesehen", gab Prinz Wittgenstein den Schülern mit auf den Weg, bevor er sich verabschiedete.

Von Lars-Peter Dickel

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