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Auch die Jüngsten haben Julia ins Herz geschlossen

12.02.2012 | 14:21 Uhr
Auch die Jüngsten haben Julia ins Herz geschlossen
Jeder Handgriff sitzt – als Alltagshelferin ist Julia Schröder der gute Geist in Küche und Esszimmer.

Niederlaasphe.„Was möchtet ihr trinken? Kann ich euch behilflich sein?“ Mit diesen Fragen auf den Lippen begrüßt Julia Schröder die jungen Gäste an ihrem neuen Arbeitsplatz.

Die 44-jährige hat nämlich seit Jahresbeginn ihren bisherigen Wirkungskreis in der AWO-Werkstatt Schameder verlassen, um über einen betreuten Außenarbeitsplatz als Alltagshelferin im AWO-Kindergarten Niederlaasphe tätig zu sein. Ihr wird dadurch trotz Handicap eine Chance auf berufliche Teilhabe ermöglicht.

Für Julia Schröder ist das eine ganz besondere Erfahrung. Unter Anleitung kann sie zahlreiche Arbeiten selbstständig übernehmen. Mit großer Zuverlässigkeit managt sie inzwischen die Abläufe im kleinen Speisesaal der Kita. „Ich decke den Tisch, stelle den Tee bereit, schneide Äpfel für eine Zwischenmahlzeit oder räume die Spülmaschine aus“, zählt sie einige ihrer täglichen Handgriffe auf. „Ich mache alles sehr gerne.“ Und das spüren auch die Jüngsten, die Julia Schröder längst in ihr Herz geschlossen haben. „Wenn die Kinder auf mich zukommen, ist das ein Glücksgefühl“, freut sich die Alltagshelferin, die für Erzieherinnen, Kinder und Eltern schon nicht mehr wegzudenken ist.

Der Einrichtung des Außenarbeitsplatzes, der zunächst bis 31. Juli befristet ist, war ein dreimonatiges Praktikum vorausgegangen. „Sie hat in dieser Zeit einen guten Draht zu den Kindern entwickelt“, berichtet Claudia Weber, Integrationsassistentin der AWO Siegener Werkstätten, die Julia Schröder intensiv begleitet. Und auch die Leiterin des Kindergartens, Ute Stoß, bestätigt: „Wir schätzen sie alle. Sie gehört bei uns ins Team wie jeder andere auch. Wir sind froh, dass wir das gemacht haben.“ Denn die junge Frau sei trotz ihrer Behinderung eine wichtige Unterstützung des Kita-Teams.

Doch sie hat auch einen eigenen Nutzen davon. „Die Außenarbeitsplätze sind wichtig, um Akzeptanz zu erfahren“, beschreibt Claudia Weber die Ziele der beruflichen Integration Behinderter. Die Kindertagesstätte gehe mit gutem Beispiel voran und sie hoffe auf viele Nachahmer. „Als AWO-Werkstatt haben wir die Verpflichtung, auch Möglichkeiten zu schaffen, um auf den ersten Arbeitsmarkt wechseln zu können“, so die Integrationsassistentin weiter. Sie mache allen Mut, sich darauf einzulassen und Nischenarbeitsplätze für Menschen mit Handicap einzurichten.

Auch wenn die finanziellen Mittel der Kita, immerhin müssen monatlich 400 Euro aufgewendet werden, zunächst nur bis zum Sommer reichen, fällt das erste Zwischenfazit bei allen Beteiligten positiv aus. „Ich fühle mich rundum wohl. Wenn Freitag ist, freue ich mich schon wieder auf Montag“, lacht Julia Schröder. Und auch Ute Stoß ist begeistert: „Man kann ihr immer mehr Aufgaben übertragen. Sie ist wertvoll.“

So lese sie inzwischen den Kindern vor, spiele mit ihnen oder höre einfach nur zu. „Die Kleinen hängen an mir“, bestätigt die engagierte Alltagshelferin, die ebenfalls auf eine Verlängerung des Außenarbeitsplatzes hofft. „Ich würde die Kinder sehr vermissen.“ Und umgekehrt wäre es genauso, denn wenn sie ein paar Tage Urlaub hat, fragen die Jüngsten schon heute: „Wo ist denn eigentlich Julia?“

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