Arktische Temperaturen sorgen für Lust und Frust
08.02.2012 | 16:04 Uhr 2012-02-08T16:04:00+0100
Bad Berleburg.Des Einen Freud ist des Anderen Leid – diese Weisheit aus dem Volksmund trifft in vielerlei Hinsicht auch auf die Eiseskälte der vergangenen Tage zu. Während sich Heizungsbauer und Mineralölhändler derzeit eine goldene Nase verdienen, sieht es in anderen Gewerben eher mau aus.
Beim Autowaschcenter Reumann in Bad Berleburg etwa ist seit zwei Wochen Saure-Gurken-Zeit. „Wir haben geschlossen“, sagt Mitarbeiter Kurt Lauber, „und beschäftigen uns mit Innenarbeiten wie Streichen.“ Die Tore der Waschstraßen bleiben geschlossen, bis der Wind nicht mehr so kalt ist, drinnen laufen die Heizlüfter rund um die Uhr. „Damit uns die Wasserleitungen nicht einfrieren“, erklärt Lauber. Wer dennoch im tiefsten Winter sein Gefährt waschen möchte, für den hat der Fachmann einen Tipp: Trockenputzen.
Probleme gibt es auch bei den Diesel-Triebwagen der Dreiländerbahn. „Es ist das einzige Netz, das betroffen ist“, beteuert Markus Stierenberg, stellvertretender Geschäftsführer des Zweckverbands Westfalen-Süd, „doch wir können froh sein, dass die Kälte so trocken ist.“ Der Grund für vereinzelte Verspätungen und Ausfälle nämlich liegt tief in der Technik verborgen, genauer gesagt im Luftpresser und in der Lufttrocknungseinheit: „Wenn feuchte Luft gezogen wird“, sagt Stierenberg, „frieren die Ventile ein.“ Die Fehler werden derzeit in der Werkstatt behoben.
Einen „Segen fürs Geschäft“ nennt indessen Martin Hackenbracht, Mineralölhändler aus Berleburg, das Russlandhoch. „Mein Fahrer ist von 7.30 bis 17 Uhr unterwegs“, beschreibt er, „und ich selbst fahre von 17 bis 23 Uhr raus.“ Benötige ein gut isoliertes Einfamilienhaus im Schnitt 20 Liter Heizöl am Tag, dann seien es zurzeit rund 40 Liter, führt er aus. „Leute, die ansonsten erst im März oder April Öl kaufen, brauchen dies nun kurzfristig und binnen Tagen, weil der Tank leer ist“, sagt Hackenbracht. Und selbst wenn das Reservoir gefüllt ist, kann es passieren, dass das Haus nicht warm wird. Dann wird Gerhard Pfeil auf den Plan gerufen.
Pfeil ist Heizungsbauer und seit Beginn der Kälteperiode ständig unterwegs. Der Arbeitstag beginnt um 6.30 Uhr und endet meist erst um 21.30 Uhr. „Heizungsstörungen sind die häufigsten Fälle“, weiß der Richsteiner, „und die sind zumeist das Ergebnis falschen Heizens oder schlechter Isolierung der Außenwände.“ Zugluft, führt er aus, sei ganz schlecht, aber auch die Kellerfenster, ob offen oder undicht, seien häufig die Ursache für Heizprobleme. Auch die ein oder andere Wand musste Gerhard im Falle geplatzter Leitungen schon aufstemmen. „Ich selbst heize durch“, erklärt Pfeil, „ohne die Heizung tagsüber abzusenken.“ Doch es gibt auch umgekehrte Fälle: „Zuletzt war in einem Serverraum die Klimaanlage ausgefallen und die Geräte drohten zu überhitzen.“ Welch Ironie, bei minus 20 Grad.
Es gibt allerdings auch Menschen wie Egon Lange, denen Temperaturen egal sind. Der 73-Jährige ist leidenschaftlicher Wanderer, im Sommer wie im Winter. „Wenn es kalt ist“, sagt Lange, „kleide ich mich wie eine Zwiebel, mit vielen Schichten.“ Fausthandschuhe, eingecremte Hände, die Schuhe eine Nummer größer für dicke Socken, eine dicke Mütze, so ist Egon Lange gewappnet. Er resümiert: „Krank sein, das kenne ich nicht.“
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