Anlieger wehren sich gegen neue Straße

Eine tiefe Baugrube am vorderen Bauabschnitt „Zum Ebsch“ ist notdürftig mit einem Flatterband abgesperrt. An einigen Tagen steht der Bagger auch mal still.
Eine tiefe Baugrube am vorderen Bauabschnitt „Zum Ebsch“ ist notdürftig mit einem Flatterband abgesperrt. An einigen Tagen steht der Bagger auch mal still.
Foto: Britta Prasse
  • Sanierung kostet 418.000 Euro.
  • Anwohner sollen davon die Hälfte tragen.
  • Anlieger findet es unzumutbar.

Hesselbach.. 418.000 Euro soll die Straßensanierung „Zum Ebsch“ kosten, die Hälfte der Summe fällt auf die 14 Anwohner der Straße zurück. Das Problem: Diese haben sich bereits bei der ersten Bürgerversammlung gegen eine Verbreiterung ihrer Anliegerstraße in Hesselbach ausgesprochen. Dennoch hat die Stadt Bad Laasphe Bagger und Bauarbeiter „Zum Ebsch“ geschickt – und seit März gleicht die Straße einer staubigen Kraterlandschaft. „Unzumutbar und unverschämt“, findet Anwohner Michael Löw. Zumal die Bauarbeiten auch mal tagelang ruhen.

„Ich kann nachvollziehen, dass man unzufrieden ist, wenn nicht mit Hochdruck auf der Baustelle gearbeitet wird“, gibt Dieter Kasper, Beigeordneter der Stadt Bad Laasphe, zu. Aber das sei eine Ausnahme. „Ich habe keine Zweifel daran, dass die Arbeiten Mitte September abgeschlossen sein werden." Derzeit verlaufen die Wasserleitungen „Zum Ebsch“ oberirdisch. Und die hohen Temperaturen der letzten Tage haben das Wasser so erhitzt, dass die Anwohner momentan nur warmes Wasser bekommen. Dazu kommt der sandfeine Staub, der sich auf alle Oberflächen legt – sowohl außen als auch in den Häusern selbst. Michael Löw hatte mal eine Kehrmaschine angefordert. „Aber die kostet wohl 200 Euro pro Stunde. Das übernimmt die Stadt natürlich nicht“, erzählt er. Die ganze Situation sei eine Belastung für alle Anwohner. „Die Baustelle ist eine reine Katastrophe. Von der Planung bis zur Umsetzung nur Chaos.“

„Sehr maroder Zustand“ Hintergrund

Aus Sicht der Stadt ist die Erneuerung allerdings notwendig. „Die Straße ist abgängig, es gibt keine Randsteine, keine zufriedenstellende Wasserführung, keine Straßenbeleuchtung“, so Kasper. Der „sehr marode Zustand“ wurde bei einer städtischen Straßenbewertung festgestellt und dokumentiert. „In diesem Fall hilft nur noch ein Ausbau. Nur die Decke zu erneuern, ohne den Unterbau, macht keinen Sinn“, sagt der Beigeordnete. Auf längere Sicht gesehen sei das die kostengünstigere Alternative. „Aber es ist nicht immer leicht, den Bürgern auf den Dörfern das auch begreiflich zu machen.“

Pro Quadratmeter Grundstück fällt ein Kostenanteil in Höhe von 11,40 Euro an, den die Anlieger bezahlen müssen. Bei doppelgeschossigen Häusern wird ein 25-prozentiger Zuschlag für die Wohnfläche berechnet – laut Satzung der Stadt Bad Laasphe. Michael Löw sieht darin vor allem eine finanzielle Bedrohung für die Rentner: „Meine Nachbarin hat ein 1800 Quadratmeter großes Grundstück, auf sie kämen also Kosten von über 20.000 Euro zu. Damit wird sie geradezu in die Altersarmut getrieben.“

Zinshoher Kredit

Wer solch eine Summe nicht auf einen Schlag aufbringen kann, dem bietet die Stadt einen Kredit an. Allerdings muss der Anwohner dann darlegen, warum er das Geld nicht aufbringen kann. Und mit Zinsen von 0,5 Prozent pro Monat, die in der städtischen Abgabenordnung so festgelegt sind, seien die Kreditbedingungen „nicht unbedingt attraktiv“, wie Dieter Kasper zugibt. Aber: „Die Menschen vor Ort konnten sich auch darauf einstellen. Dass die Straße komplett saniert wird, wissen die Anlieger schon seit 2014.“ Außerdem sei man den Hausbesitzern entgegengekommen, denn normalerweise müssten sie nach Ratsbeschluss der Stadt 60 und nicht nur 50 Prozent der Kosten tragen.

Michael Löw und seine Nachbarn haben sich damit abgefunden, dass sie die Hälfte der Kosten tragen müssen – auch wenn sie es nicht gerecht finden. Was sich der 45-jährige Familienvater allerdings wünscht: dass es keine Verzögerungen und Eingriffe mehr in die Natur gibt. Denn um die Straße verbreitern zu können, musste eine Hecke gerodet werden. Und das, obwohl die Schonzeit noch bis Ende September geht.

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