Ankommen

Es ist zum Davonlaufen – an Tagen wie diesen. Das Finanzamt mahnt die Steuererklärung an. Die Heizungsreparatur frisst die letzten Reserven auf. Beim dringenden Arzttermin gibt es eine lange Wartezeit. Die Urlaubsvertretung fällt aus. Mit dem Nachbarn bricht der alte Streit wieder auf. Es ist zum Davonlaufen. Ob Ihre Liste so aussieht oder anders, es gibt Zeiten, da befällt uns das Gefühl, eine schwere Last zu schleppen, die uns niederdrückt, uns lähmt, jedes Interesse an den nächsten Tagen löscht. Manchmal lösen sich Probleme auf. Andere Sorgen begleiten uns, treuer als mancher Freund.


„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.“ So lädt Jesus ein. Nicht nur als Kummerkasten stand er den Menschen zur Verfügung. Seine Hilfe war handfest und konkret. Für die Schwachen und Ausgegrenzten tat er das ihm Mögliche, und das war mehr als das Menschen-mögliche. Wo er auf Leidende traf, verwandelte sich ihr Leben. Was ihnen auf der Seele lag, wurde ihnen abgenommen und zugleich verbesserten sich auch ihre konkreten Lebensbedingungen.


Heute sollen wir Jesu Ohr und Jesu Mund sein, seine Füße und seine Hände. In Jesu Nachfolge liegt es an uns, die Botschaft lebendig werden zu lassen. Eine Botschaft, die Gott wirkt, die durch uns aber zur Sprache kommt.


An Tagen, die zum Davonlaufen sind, ersehnen wir jemanden, der die Kraft gibt, durchzuhalten. Eine Hand, die mit anpackt, tut gut. Ein Zuhörer, der uns versteht, wirkt Wunder. Jemand, der unsere Mühen hineinstellt in Gottes Weg mit uns, verändert alles. Und wenn wir es trotzdem nicht mehr aushalten, wenn der Druck zu groß, die Leidenszeit zu lang ist, dann brauchen wir einen Ort, wohin wir flüchten können, Menschen, die uns auffangen und wieder auf die Beine stellen, Freunde, bei denen wir ein neues Zuhause finden, auf Zeit oder auf Dauer. Sie leben, was Jesus getan hat und was er sich von uns wünscht.


Viele Menschen laufen im Moment davon. Unter uns fliehen viele in seelische und körperliche Erkrankungen, in Sucht oder Gewalt. Denn wir sehen keinen Ort, an dem wir Rettung erhoffen könnten. In anderen Ländern gibt es eine Sicht von Europa, die das Bild einer Rettungsinsel vermittelt. Die Leidenden aus diesen Ländern laufen vor Verhältnissen davon, die ebenfalls schlimm sind, in meiner Wahrnehmung noch viel grausamer als unsere Lasten.


Gerade deshalb lassen Sie uns solidarisch sein mit den Flüchtlingen, sie willkommen heißen, uns gegenseitig stützen. Auch sie vermögen uns etwas zu geben, unter anderem ein Vertrauen auf Gottes Wege, das uns verloren zu gehen scheint. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen, wenn wir Jesu Aufforderung leben und dann erfahren dürfen, wie wir uns gegenseitig „erquicken“.