Angst vor noch mehr Gängelung

Erndtebrück..  Zwei Herzen schlagen in seiner Brust. Nicht nur weil Lothar Menn einerseits für die SPD im Rat der Gemeinde Erndtebrück sitzt und andererseits als Kreislandwirt die Interessen seiner Berufskollegen wahrnehmen muss. Auch bei einem ganz speziellen Thema, das jüngst dort behandelt wurde, nämlich der Gründung des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge, sieht Menn durchaus zwei gegensätzliche Aspekte. In einem Interview mit unserer Zeitung erläutert der Landwirt, der rund 110 Hektar Grünland und 23 Hektar Wald in der heimischen Region bewirtschaftet, warum er in dem neuen Gebilde durchaus touristische Chancen, andererseits aber auch Probleme für seinen Berufsstand sieht.

Frage: Herr Menn, Sie haben in der Sitzung des Rates einem Beitritt der Gemeinde Erndtebrück zum neuen Naturpark Sauerland-Rothaargebirge nicht zugestimmt. Sehen Sie in dem Namen oder dem Gebilde ein grundsätzliches Problem?

Lothar Menn: Nein, ich kann mit dem Naturpark gut leben und bin eigentlich dafür. Mir bereiten als Landwirt aber die Forderungen der Naturschutzverbände Sorgen.

Welche Forderungen genau beunruhigen Sie?

Beispielsweise die nach einer „naturgemäßen Waldwirtschaft“, die künftig im Naturpark stattfinden soll. Was ist das überhaupt und wer definiert das? Das gleiche gilt für die „Bewahrung artenreichen Gründlands“. Auch die Ausweisung weiterer schutzwürdiger Gebiete kann so nicht im Raum stehen bleiben.

Sie befürchten, dass die Naturschutzverbände zu stark in die Bewirtschaftung eingreifen?

Ganz genau. Ich sehe die Stellungnahme, in der sich die Naturschutzverbände wie NABU, BUND oder die Aktionsgemeinschaft Rothaargebirge geäußert haben, kritisch. Wir Landwirte sind doch schon zu 70 Prozent enteignet. Nicht Betroffene sehen nur die Möglichkeit, mit der Zusammenlegung der Naturparke Ebbe-, Homert- und Rothaargebirge an Fördergelder zu kommen. Das war seinerzeit bei der Einführung der FFH-Gebiete ähnlich. Heute zeigt sich, dass schon der Straßenbau in diesen Bereichen problematisch wird.

Ist denn der Erndtebrücker Rat das richtige Gremium, um diese Bedenken vorzubringen. Müsste sich nicht eine berufsständische Vertretung wie der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband darum kümmern?

Natürlich bin ich als Landwirt heutzutage ein Exot im Rat. Aber der WLV ist zu den Planungen doch gar nicht gefragt worden. Und ich befürchte, dass hier quasi durch die Hintertür Dinge umgesetzt werden sollen, die hinterher schwer rückgängig zu machen sind. Die meisten meiner Berufskollegen sehen das auch so.

Sie haben mit Ihren Einwendungen im Erndtebrücker Rat zwar Gehör gefunden, die Entscheidung fiel aber mehrheitlich für den neuen Naturpark aus. Welche Einflussmöglichkeit haben Sie jetzt noch?

Ich werde mich nach Möglichkeit im Naturpark-Verein engagieren und dort dafür sorgen, dass die Interessen der Land- und Forstwirte entsprechend berücksichtigt und der Einfluss der Naturschützer in Grenzen gehalten werden. Wir haben eine schöne Landschaft, die wir durchaus gut vermarkten können. Dazu brauchen wir aber keinen Urwald.