Am Salzeinsatz scheiden sich die Geister

In den heimischen Märkten - hier der Hagebau-Markt in Bad Berleburg - wird überwiegend Salz angeboten. Abstumpfende Mittel sind eher selten.
In den heimischen Märkten - hier der Hagebau-Markt in Bad Berleburg - wird überwiegend Salz angeboten. Abstumpfende Mittel sind eher selten.
Foto: WP

Wittgenstein..  Klirrende Kälte, spiegelglatte Bürgersteige – und was streut man da? Salz wäre ja am besten, damit das Eis vollständig taut. Aber: Ist das überhaupt erlaubt? In vielen großen Städten in NRW ist Streusalz schon lange ein Relikt vergangener Tage. Wer den Salzsack öffnet, um Gehwege von Schnee und Eis zu befreien, muss mit Strafen rechnen. Und in Wittgenstein? Die Kommunen handhaben das Problem sehr unterschiedlich, ergab eine Umfrage unserer Zeitung.

Bad Berleburg

In Bad Berleburg ist das Salzverbot in der städtischen Satzung festgeschrieben. Abstumpfende Mittel werden dort empfohlen, um glatten Untergründen zu begegnen. Das könnte beispielsweise ein Blähschiefergranulat sein. Aber auch alle anderen salzlosen Stoffe, die dazu dienen, Fußgängern im Winter einen gefahrlosen Weg zu schaffen, sind gern gesehen. Zur früher häufig eingesetzten Asche rät Pressesprecherin Regina Linde aus eigener Erfahrung aber eher nicht: „Die setzt sich unter die Schuhe und wird ins Haus getragen. Jede Frau, die putzen muss, kriegt dann die Krise.“ Die kriegen möglicherweise auch die Stadtwerke, wenn zu viel der abstumpfenden Mittel in die Gullys gelangen, denn die Streumittel setzen sich gern in den Sinkkästen fest, die dann entsprechend gereinigt werden müssen. Deshalb die Bitte der Stadt an die Bürger: „Die Streumittel möglichst zusammenfegen, wenn der Schnee weg ist.“

Feststellen, ob jemand statt der erwünschten Streumittel das unerwünschte, weil umweltschädliche Salz einsetzt, kann die Stadt allerdings nicht wirklich. „Da müsste ja letztlich jemand den Schnee kontrollieren“, nennt Regina Linde Gründe dafür.

Erndtebrück

Auch in Erndtebrück hat man sich schon lange gegen Salz entschieden: Hier sind laut Straßenreinigungs- und Gebührensatzung vom 16. Dezember 1988 „bei Eis- und Schneeglätte ... die Gehwege mit abstumpfenden Stoffen zu bestreuen“ – zum Beispiel Asche, Sägemehl, Sand oder Splitt. Salz? Geht „auf Gehwegen gar nicht“, teilt die Gemeindeverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung mit. Und wie wird das Verbot kontrolliert? Mit welchen Sanktionen haben Bürger zu rechnen, die dagegen verstoßen? Hier verweist die Gemeinde auf Paragraf 11 der Satzung: Danach können vorsätzliche oder fahrlässige Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 250 Euro geahndet werden.

Bad Laasphe

In Bad Laasphe ist die Lage fast schon umgekehrt: Abstumpfendes Mittel wie insbesondere Granulat wird vom städtischen Bauhof eher ungern auf den Bürgersteigen gesehen. „Wir haben das vor etwa zehn Jahren einmal probiert, ganz ohne Salz“, erinnert sich Klaus Pankalla von der Abteilung Hoch- und Tiefbau im Bad Laaspher Rathaus – „und hatten dann Probleme mit den Kanälen“. Heißt: Weil die Leute wegen des Salz-Verbotes verstärkt Granulat streuten, verstopfte dieses die Gullys. Und die Stadt rückte vom Salz-Verbot wieder ab.

Aktuell gibt es in Bad Laasphe „keine Vorschrift etwa aus ökologischen Gründen, die Streusalz verbietet“, so Pankalla. Und er sehe auch kaum anderes Streugut auf den Bürgersteigen.