Abendmahl schmückt Bonifatius-Kirchplatz

Nach der Enthüllung des "Abendmahls" vor dem Schieferrelief und der kleinen Bonifatius-Kirche Platz (von links sitzend): Dr. Rüdiger Sareika, Angelika und Thomas Kreutter, dahinter Pfarrerin Berit Nolting und Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer.
Nach der Enthüllung des "Abendmahls" vor dem Schieferrelief und der kleinen Bonifatius-Kirche Platz (von links sitzend): Dr. Rüdiger Sareika, Angelika und Thomas Kreutter, dahinter Pfarrerin Berit Nolting und Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer.
Foto: WP

Raumland..  Lange hatte Angelika Kreutter den Gedanken mit sich getragen. Jetzt wurde er umgesetzt. In einer festlich organisierten Feierstunde im Rumilingene-Haus, übergab die heute 64-jährige Tochter des Bildhauers Wolfgang Kreutter (1924 bis 1989) im Beisein ihres Bruders Thomas und seiner Familie das von Vater Wolfgang Kreutter in Schiefer geschnittene und gemeißelte Relief „Das Abendmahl“.

Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer weiß diese Gabe der sakralen Kunst des in Siegen geborenen Kreutters an das Schieferdorf mehr als zu schätzen. Dr. Rüdiger Sareika, der als Kulturbeauftragter der evangelischen Kirche von Westfalen seit 2001 arbeitet, hielt die Laudatio posthum auf das Werk Wolfgang Kreutters, im Mittelpunkt die Übergabe des Reliefs an die (Kirchen) -Gemeinde in Raumland.

Werke in 110 Kirchen

Dr. Sareika hat den Bildhauer 1983 kennengelernt und ihn beraten und begleitet sowie das Buchprojekt „Wolfgang Kreutter – Ein Bildhauer in Westfalen“ mit erarbeitet. In seinen Lobesworten über den Künstler fiel dem Germanisten und Soziologen Sareika eine spaßige, ebenso wie witzige Begegnung mit Kreutter ein: „Wolfgang Kreutter fuhr einen Citroën DS, ein Schiff von Auto, schwer und futuristisch gebaut. Was das Fahrzeug gemein hatte mit seinem Fahrer ist die enorme Spurtreue“, schmunzelt er. Der Künstler wusste genau wie Karl Valentin: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“

Wolfgang Kreutter blieb stets beharrlich in seinem Tun, Gedanken setzte er um, auch wenn er viele Härten auf seinem Schaffensweg wegstecken musste. Seine Arbeiten befinden in der Lebenswirklichkeit und in der Glaubenswelt. In 110 westfälischen Kirchen stehen, hängen oder liegen seine Kunstwerke, sind in die Gebäude integriert und ergänzen sie aussagekräftig. Kunst, Kirche, Kitsch – nichts schloss sich für Kreutter wirklich aus, alles hat Berechtigung und ist durchaus von ihm verständlich gemacht. Er hatte die Fähigkeit, im Gespräch und im Bildhaften den Menschen Kunstverständnis zu verdeutlichen. „Wir wollen machen, was uns Freude macht“ - Wolfgang Kreutter überzeugte.

In Berleburg, seiner Wahlheimat, und dem angrenzenden Sauerland, kennen ihn heute noch viele Menschen als nahbaren Mann, mit sozusagen „französischem Charme“ wie sein Citroën DS, mit freudiger Leichtigkeit und Fröhlichkeit sich durch das regnerische Land bewegend.

Im Sakralen drückte er die Sehnsucht nach dem guten Hirten aus (Beispiel hierfür ist die Schäfergruppe auf dem Bad Berleburger Marktplatz). Kitsch legt verborgene Sehnsüchte frei.

Klare Botschaft

Mit dem „Abendmahl“ hat Wolfgang Kreutter keine Anklänge an Michelangelo schaffen wollen. Das Schieferwerk ist eher als ein Piktogramm verständlich, schlicht, klar und einprägsam ist die Botschaft des sakralen Werkes. Dr. Sareika nennt es „mit 12 Personen durch Abstraktion sind alle Fragen gelöst“ - alte Inhalte in stark reduzierter Form. Kreutter formulierte es 1987 so: „Kunst gibt eine Botschaft, die nicht sagbar ist, aber dennoch den Betrachter anspricht“ ähnlich im Kontext wie Paul Klee beschrieb: „Kunst gibt Nichtsichtbares wieder.“

Bürgermeister Bernd Fuhrmann hielt anlässlich der Übergabe eine Rückschau auf das Leben Wolfgang Kreutters mit der Brücke zu seinen lokalen Verdiensten als Ortsbild prägendem Künstler, als Heimatpfleger, als Kunsterzieher am JAG und als Wiederbeleber der Backhäuser. Ohne ihn gäbe es den Brotmarkt in seiner heutigen Form nicht. „Ich bin froh, dass es den Künstler Wolfgang Kreutter gab“, so Bernd Fuhrmann.