Zwei Jahre Arbeit in zwei Sekunden zerstört

Die majestätische Albaumer Brücke über den Burgweg und die Schützenstraße.
Die majestätische Albaumer Brücke über den Burgweg und die Schützenstraße.
Foto: WP

Albaum..  Auf dem verwitterten Steinhaufen neben dem Albaumer Burgweg wächst Gras. Kaum einer vermutet, dass es sich um die Reste einer imposanten Eisenbahnbrücke handelt, die das Tal in Albaum mit vier Pfeilern überspannte.

Heute vor 70 Jahren, am 8. April 1945, sprengten Pioniere der deutschen Wehrmacht auf dem Rückzug vor der US-Army die Eisenbahn-Brücke in Oberalbaum, zerstörten in wenigen Sekunden das Bauwerk, an dem Fachleute zwei Jahre lang gebaut hatten.

Joachim Sandholz vom Vorstand des Albaumer Heimat- und Fördervereins hat alte Dokumente, Fotos und Zeitungsausschnitte über die frühere Bahnlinie von Altenhundem über Kirchhundem, Würdinghausen, Albaum und Heinsberg nach Birkelbach, die im letzten Jahr vor 100 Jahren eröffnet wurde, gesammelt. Darunter auch Fotos aus der Bauzeit und kurz nach der Fertigstellung der Brücke.

Die Porphyrsteine stammten aus einem nahen Steinbruch. Von 1911 bis 1913 entstand die eingleisige Brücke mit drei frei stehenden Pfeilern und vier Bögen über den Burgweg und die Schützenstraße, die zur Albaumer Schützenhalle führt. Der letzte steinerne „Stummel“, der heute noch existiert, gehörte zum äußeren Stützpfeiler Richtung Würdinghausen.

Die Front rückt näher

Erst in den letzten Wochen des zweiten Weltkriegs hatte der Krieg auch das Sauerland erreicht. Ostern 1945 hatten die 1. und die 9. US-Armee den sogenannten Ruhrkessel um Ruhrgebiet und Sauerland geschlossen. Die Front rückte von Osten immer näher. Am 6. April nahmen die Amerikaner nach erbitterten Gefechten Oberhundem ein, am 8. April, am Weißen Sonntag 1945, u.a die kleineren Orte im Kirchspiel Oberhundem sowie Heinsberg und Albaum.

Die deutschen Soldaten hatten den Befehl auf dem Rückzug strategisch wichtige Bauwerke zu sprengen, neben der Brücke in Röspe und Würdinghausen auch das Oberalbaumer Eisenbahnviadukt. „Die Pioniere legten das Sprengmaterial in einer vorbereiteten Grube am Mittelpfeiler und sprengten am Sonntag, 8. April, um 15.10 Uhr die Brücke. Eine Wahnsinntat“, vermerkt der damalige Vikar Lewe im Kirchenbuch. Mehrere Häuser wurden durch die Detonation zum Teil schwer beschädigt.

In einem früheren Zeitungsbericht heißt es, dass die deutschen Soldaten für die Sprengung kein Dynamit mehr hatten. „Da in Albaum und Umgebung Bomben gefallen waren, gab es auch Blindgänger. Einer wurde auf dem Albaumer Friedhof gefunden. Landwirt Josef Fischer aus Niederalbaum musste auf Befehl diese Teufelseier mit Pferd und Wagen zum Sprengungsort fahren“, heißt es in dem Bericht.

Die zerstörte Eisenbahnlinie wurde nie wieder in Betrieb genommen, die Brücke nicht mehr aufgebaut. Nur der mit Gras bewachsene, aus der früheren Brückenrampe herausragende Bruchsteinstummel existiert heute noch, erinnert an das Viadukt in Oberalbaum und ist gleichsam ein Mahnmal, um das dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte nicht zu vergessen.