Zertifikat ist Beleg für Qualität der Behandlung

Olpe..  Eine wirkliche Alternative bleibt den Krankenhäusern nicht: Sie müssen die Qualität der Behandlung durch Zertifizierungen deutlich machen. Das betonte Wolfgang Nolte, Geschäftsführer der Katholischen Hospitalgesellschaft, im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Verwaltungsgebäude des Olper St.-Martinus-Hospitals. Anlass war die Zertifizierung der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie als Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie (siehe Kasten).

Chefarzt Dr. Karl-Heinz Ebert machte deutlich, dass die Einrichtung von Zentren zu besseren Ergebnissen führen solle und gleichzeitig ökonomisch erfolgreich sein müsse. Zwei Teilnehmer an der Feierstunde erwähnte er besonders. Den früheren Chefarzt Dr. Hans-Joachim Meyer, der schon vor Jahren erkannt habe, dass Spezialisierung nötig sei, um die Existenz eines Krankenhauses zu sichern. Er habe als einer der ersten Operateure Hernien mit der sogenannten Schlüsselloch-Chirurgie (minimalinvasiv) operiert und gilt in Deutschland als Pionier. Und Dr. Daniel Sinn, zentrumsleitender Oberarzt in Olpe, ohne den „wir heute hier nicht zusammen gekommen wären“.

Prof. Dr. Heinz-Johannes Buhr, Sekretär der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Visceralchirurgie, war aus Berlin nach Olpe gekommen, „um die chirurgische Abteilung des Krankenhauses zu würdigen“. Dr. Ebert „ragt als Chirurg heraus“, betonte er und sagte weiter, dass Dr. Ebert die Zertifizierung für Oberarzt Dr. Sinn beantragt habe. „Die Krankenkassen erwarten die Zertifizierung“, machte Dr. Buhr klar und prophezeite eine weitgehende Erfassung von Daten durch die Krankenkassen, aus denen ein Navigator entstehen solle, der zum „richtigen“ Krankenhaus führe. Bei der Erfassung der Daten sollten aber nur die Abrechnungen herangezogen werden, fordert Dr. Buhr ein entschiedenes Eintreten für die Erfassung weitere Daten (wie z. B. der Risikofaktoren bei einzelnen Patienten). Allerdings kam er zu dem Ergebnis, dass „das Messen und Erfassen von Daten der Weg zu einer besseren Behandlung ist“.

Christliche Werte

Um „bessere Behandlung“ im einem weiteren Sinn ging es auch in dem Vortrag von Schwester Mediatrix Nies von den Olper Franziskanerinnen. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob in einem hoch spezialisierten Krankenhaus heute noch Platz sei für christliche Werte. Die Vorstandsvorsitzende der Maria-Theresia-Bonzel-Stiftung, die erst kürzlich goldenes Ordensjubiläum feiern konnte, sah in der Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit und Fachlichkeit kein wirkliches Problem, fragte aber: „Wer fühlt sich verantwortlich für Christlichkeit, für ehrliche Menschlichkeit? Ist das nur eine Aufgabe für den Krankenhaus-Seelsorger?“ Sicher würden sich Ärzte, Schwestern und Pfleger um die Patienten kümmern, meinte sie, stellte aber in Frage, dass der Glaube in diesem Zusammenhang eine große Rolle spiele. Denn es gebe eine allzu große Scheu, sich zum Glauben zu bekennen. Er könne oft nicht einmal in Worte gefasst werden.

Sie forderte, nicht über die Köpfe der Patienten hinweg zu reden, nicht über sie, sondern mit ihnen zu sprechen, das eigene Handeln auf den Prüfstand zu stellen und die Menschwürde ausreichend zu beachten. Man müsse Menschen - Mitarbeiter und Patienten - immer klar und offen gegenübertreten und letztlich auch akzeptieren, dass jeder ein Recht auf ein ruhiges Sterben habe.

„Es geht immer um Menschen“, sagte sie, „und wenn wir uns christlich nennen, muss das auch erkennbar sein.“ Außerdem müsse das christliche Weltbild von allen im Krankenhaus vertreten werden, auch denen, die keine Christen sind.

Abschluss der Feierstunde war die Übergabe der Zertifizierungsurkunde. Auf dem Weg dahin unterzog sich die Allgemein- und Visceralchirurgie einer Überprüfung durch den externen Sachverständigen und international renommierten Chirurgen Prof. Dr. Reinhard Bittner. Schwerpunkte waren die Prüfung, wie operiert wird und wie oft Komplikationen aufgetreten sind. „Der Weg zum Hernienzentrum war ein herausfordernder Weg und konnte nur im Team gelingen“, freut sich Dr. Ebert über den Erfolg.