Wohltätigkeits-Turnier in Behörden-Mühlen

Gilt der Poker-Erlass des Landes auch für ein Wohltätigkeitsturnier? Die Vertanstalter in Altenhundem warten auf Antwort.
Gilt der Poker-Erlass des Landes auch für ein Wohltätigkeitsturnier? Die Vertanstalter in Altenhundem warten auf Antwort.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Veranstalter des Altenhundemer Charity-Pokerturniers warten seit Wochen auf Antwort von der Landesregierung

Altenhundem..  Manchmal ist es gar nicht so einfach, etwas Gutes zu tun, sich mit ganz viel Einsatz in den Dienst am Nächsten zu stellen. Besonders dann, wenn man in die langsamen Behörden-Mühlen gerät. Das müssen derzeit die Veranstalter des Charity-Pokerturniers in Altenhundem erfahren.

Es ist in diesem Jahr das vierte „offizielle“ Charity-Turnier, das die drei Lennestädter Pokerfreunde Alexander Hufnagel, Tobias Walkenbach und Ralf Naporra in der Sauerlandhalle durchführen. Mit einem ganzen Tross weiterer ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer.

Charity – das heißt Wohltätigkeit. Und so hat sich das Trio auf die Fahnen geheftet, neben all dem Spaß am wohl kalkulierten Spiel etwas Gutes zu tun. Naporra: „Der Gesamterlös der Turniere wird an die ehrenamtlichen Organisationen Kinderkrebshilfe Strahlemännchen und den Olper Verein Frauen helfen Frauen gespendet.“

Pokerelite in Altenhundem

Ein Argument, dem sich der in Heggen geborene Poker-Profi Jan Heitmann nicht verschließen konnte. Er ist ebenso wie sein Freund George Danzer von Anfang an dabei. Und selbst Pius Heinz, der sich 2011 in Las Vegas als Weltmeister die Poker-Krone aufsetzte, saß 2012 in der Altenhundemer Sauerlandhalle am Pokertisch. Darauf, aber ganz besonders auch auf den Erlös von inzwischen mehr als 20 000 Euro, den es an die Hilfsorganisationen weiterleiten konnten, ist das Lennestädter Trio stolz.

Als Anreiz für den Turniersieger gab es bisher neben einem Pokal einen Flachbild-Fernseher, den ein Altenhundemer Elektro-Händler stiftete, um den Erlös nicht zu schmälern. Und genau hier kommen das Land Nordrhein-Westfalen und das Lennestädter Ordnungsamt ins Spiel. Die Organisatoren hatten im abgelaufenen Jahr vom so genannten „Poker-Erlass“ des Landes erfahren. Den gibt es zwar bereits seit dem Jahre 2007, doch zwei spektakuläre Urteile, die sich zwar auf kommerzielle Turniere bezogen, hatten das Trio verunsichert.

Preise dürfen nur 60 Euro wert sein

Der Erlass, mit dem die Landesregierung der Spielsucht Einhalt gebieten will, schreibt vor, dass Einzelpreise, die an die Gewinner eines Pokerturniers ausgeschüttet werden, einen Wert von je 60 Euro nicht übersteigen dürfen. Der „Sieger-Bildschirm in Lennestadt ist aber mehrere Hundert Euro wert.

Was jetzt? Um jeden Ärger aus dem Weg zugehen, wandten sich die drei Organisatoren an die Lennestädter Stadtverwaltung, die vor Wochen Kontakt zum NRW-Innenministerium aufgenommen hat, um zu erfahren, ob reine Charity-Turniere, bei denen jeder einzelne Cent des Erlöses weitergeleitet wird und die Organisatoren in die Vorbereitung und Durchführung sogar noch eigene Mittel einfließen lassen, genauso restriktiv behandelt werden wie kommerzielle Turniere. Auch nach mehrmaligen Nachhaken in Düsseldorf, auch durch unsere Zeitung, gab es bisher keine Antwort.

Doch die Zeit drängt, denn am 7. März startet das Turnier, bei dem diesmal 350 Pokerspieler an den Start gehen werden. Mit von der Partie sind auch wieder Jan Heitmann und George Danzer sowie Udo Gartenbach aus Hamburg, Crazy Sheep oder Stefan Merker, der extra aus Klagenfurt in Österreich angereist kommt.

Wie es aussieht, wird der Sieger des Charity-Pokerturniers in Altenhundem in diesem Jahr keinen Flachbild-Fernseher mit nach Hause nehmen. Den Profis kann das egal sein: Von ihnen hat bisher noch keiner das Turnier gewonnen.