Wildschweine werden zum Problem

Karl-Josef Fischer, Chef der Kreisjägerschaft Kurköln Olpe, nimmt Schwarzwildschäden unter die Lupe, hier im Schatten des Rothemühler Sportplatzes.
Karl-Josef Fischer, Chef der Kreisjägerschaft Kurköln Olpe, nimmt Schwarzwildschäden unter die Lupe, hier im Schatten des Rothemühler Sportplatzes.
Foto: Josef Schmidt
Was wir bereits wissen
  • Jäger und Landwirte besorgt über wachsende Population
  • Kritik an vom Land verordneter Verkürzung der Jagdzeit
  • Heimische Experten fordern 2000 statt 1200 Abschüsse

Kreis Olpe..  Mit großen Schritten marschiert Karl-Josef Fischer, Chef der Kreisjägerschaft Kurköln Olpe, auf der ehemals durchgängig grünen Wiese im Schatten des Rothemühler Sportplatzes voran: „Hier kann keiner mehr mähen, dann hätte er statt Gras nur noch Dreck im Silo“, sagt er und zuckt mit den Schultern. Nach den Schuldigen für die in weiten Teilen umgegrabene Wiese braucht nicht gefahndet zu werden. Die stehen fest: Wildschweine. Und von denen, so Fischer, gebe es gerade nach den zwei vergangenen extrem milden Wintern auch im Kreis Olpe mehr als genug.

Beste Bedingungen für Population

Das zum Verständnis notwendige Schwarzwild-ABC ist schnell erklärt: Keiler und Bache stehen für männliche bzw. weibliche Wildschweine, der Nachwuchs heißt bis zum Alter von einem Jahr Frischling, von eins bis zwei Jahren „Überläufer“,. Die Familie nennt man „Rotte“. Eine Kirrung ist eine speziell ausgesuchte Stelle, die mit Köder präpariert wird. Sorgen die Wildschweine für Nachwuchs, spricht man vom „Beschlagen“. Tragezeit: Drei Monate, drei Wochen, drei Tage - so die Richtschnur.

Genau da haken wir ein, denn was dem Jäger und seinen Kollegen, aber auch den heimischen Landwirten Sorge bereitet, ist die stark wachsende Population des Schwarzwildes. Fischer: „Die beiden vergangenen milden Winter haben viele Frischlinge mühelos überlebt, die dann im darauffolgenden milden Winter schon wieder beschlagen werden konnten.“

Auch die Nahrungssituation sei gut: „Es gibt jede Menge Eicheln und Bucheckern, beides steht ganz oben auf der Speisekarte der Wildschweine.“ Und jede Menge pflanzliches Eiweiß heize den „Heißhunger“ auf tierisches Eiweiß an, so dass die kräftigen Vierbeiner die Grasnarbe aufwühlten, um an das darunter kriechende Gewürm zu gelangen.

Die Folge ist in Wald und Flur momentan häufig zu sehen: Umgepflügte Äcker, Wiesen und Waldböden.

Kurzum, so Fischer: „Man müsste das Schwarzwild momentan stärker bejagen.“ Ein Jahr mit an die 2000 Abschüssen sei sicherlich wünschenswert, im Schnitt würden im Kreis aber pro Jahr nur rund 1200 Wildschweine geschossen.

Jagdzeitverkürzung behindert

Was dem passionierten Jäger und seinen Kollegen aber gerade bei der Schwarzwildjagd auf die Nerven geht, ist das neue Jagdgesetz in NRW, gegen das die Grünröcke bekanntlich fleißig Unterschriften sammeln und mit dem sich die Gerichte beschäftigen.

„Da stehen Dinge drin, die uns das Leben völlig unnötig schwer machen.“ Gerade die Verkürzung der Jagdzeit fürs Schwarzwild um 14 Tage im Januar sei hinderlich: „Gerade wenn Schnee liegt, können wir das Schwarzwild gut aufspüren. Diese Begrenzung gibt es nur in NRW.“ Im grünen Baden-Württemberg beispielsweise könne man sogar das ganze Jahr über Wildschweine auf Wiesen und Feldern erlegen sowie im Randbereich des Waldes (bis 200 m).

Hintergrund: Früher durfte Schwarzwild vom 1. August bis 31. Januar gejagt werden, jetzt nur noch bis zum 15. Januar, erdacht im grünen Umweltministerium in Düsseldorf, dem der aus dem Siegerland stammende Johannes Remmel vorsteht. Und den haben die Jäger seither alles andere als ins Herz geschlossen.

Mehr Bürokratie

Fischer: „In diesem Gesetz kommen viele Nadelstiche zusammen, die wir nicht nachvollziehen können.“ Und die die Wildschwein-Jagd erschwerten. In Kirrungen, auf die etwa die Hälfte aller erlegten Tiere entfielen, sei die Ködermenge Mais beispielsweise von 1 L auf 0,5 L begrenztt worden, zudem müsse jede Kirrung der Unteren Jagdbehörde angezeigt werden, bis auf drei Stellen hinter dem Komma nach dem sogenannten Gauß-Krüger-Koordinatensystem.

Alles unverkennbare Anzeichen, schüttelt Fischer den Kopf, dass manche Politiker der Jägerschaft misstrauten: „Was wäre denn, wenn die Jäger mal zwei Jahre streiken?“