Wie finde ich Zugang zum geliebten Menschen?

Drolshagen..  In Deutschland leben rund 1,4 Millionen an Demenz erkrankte Menschen. Und jährlich kommen einige hunderttausend Neuerkrankungen dazu. Zwei Drittel der Betroffenen werden Zuhause betreut. Für sie selbst sowie für den pflegenden Angehörigen bedeutet das eine immense Belastung.

Denn es geht nicht allein um die reine Pflege wie das Zubereiten von Mahlzeiten, das Aufräumen und Putzen oder die körperliche Versorgung. Was ganz besonders zu schaffen macht, ist die emotionale Ebene. Das Familien- bzw. Partnersystem gerät schlichtweg aus den Fugen.

Viele Fragen

Kurzum: die Belastungsfaktoren sind multidimensional, höchst komplex und werfen eine Menge Fragen auf. Wie fühlt der Erkrankte, was braucht er und wie finde ich Zugang zu dem geliebten Menschen? Wie begegne ich ihm, wie kann ich ihn verstehen, wie bestehe ich die neuen Herausforderungen?

Genau darum ging es beim zweiten Termin der Vortrags- und Informationsreihe der Caritas-Station Drolshagen in Zusammenarbeit mit dem AGIL Ehrenamtsbüro: „Diagnose Demenz, was nun?“

Im Mittelpunkt stand die veränderte Wahrnehmung, das Empfinden, Erleben und Verhalten der Betroffenen und daraus resultierende Regeln, die das Verständnis und den Umgang im Zusammenleben erleichtern.

Der Zuspruch an diesem Abend übertraf, wie schon beim ersten Abend auch, die Erwartungen. Die Teilnehmerinnen - es waren zum allergrößten Teil Frauen -, suchten nach mehr Details zum Krankheitsbild und praktischen Anwendungstipps, sprachen von der situationsbedingten Unsicherheit und freuten sich über den Erfahrungsaustausch mit anderen pflegenden Angehörigen. „Es gibt nirgendwo spezifische Informationen zur Wahrnehmung der Erkrankten“, so zum Beispiel eine Teilnehmerin.

Dasein in Schwarz-Weiß

Referentin Anke Middendorf, Leiterin der Caritas-Station, konnte da Abhilfe schaffen. Zu Beginn zeigte sie die Bilder von William Utermohlen, einem Künstler, bei dem 1995 Alzheimer diagnostiziert wurde und der sich bis zu seinem Tod 2007 in vielen Selbstporträts gemalt hat, an denen sich das Fortschreiten der Krankheit ablesen lässt. Was von dem kraftvollen, farbenfrohen Mann am Ende übrig blieb, war ein gesichtsloses Dasein in schwarz-weiß.

Mitgebracht hatte Anke Middendorf auch den „AgeMan“, einen Alters-Simulator, der den Benutzer in reife Jahre versetzt und altersbedingte körperliche Einschränkungen nachempfinden lässt. Und alleine das ist ja schon eine Herausforderung, auch wenn ein jeder - und das ist tröstlich - sozusagen in das „gesunde“ Alter hineinwächst.