Wichtig ist die Begleitung auf dem Lebensweg

Olpe..  Die Geschichte der Kinderhospizarbeit in Deutschland begann vor 25 Jahren in Olpe. Denn hier trafen sich sechs Familien, deren Kinder lebensverkürzend erkrankt waren, und gründeten den Kinderhospizverein. Das war am 10. Februar 1990.

Genau an diesem Jahrestag, dem Tag der Kinderhospizarbeit, feiert der Verein in der Olper Stadthalle das Jubiläum mit geladenen Gästen unter dem Motto „25 Jahre Begleitung auf dem Lebensweg“. Schirmherrin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesgesundheitsminister Gröhe hält die Festrede. Als weitere Feier im Jubiläumsjahr ist am 13. Juni eine Veranstaltung am Tanzbrunnen in Köln geplant - mit namhaften kölschen Gruppen wie Brinks und Bläck Fööss.

1990 gab es nur in England Kinderhospize. In Deutschland ging es allenfalls um die medizinische Betreuung der Kinder. Seitdem hat sich vieles verändert. 1998 entstand in Trägerschaft der gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen das erste Deutsche Kinderhospiz, das betroffenen Eltern und Kindern die Chance auf eine Auszeit aus dem Alltag bietet. Seit 2003 widmet sich der Verein verstärkt dem Ausbau ambulanter Kinderhospizdienste, die Eltern auch im Alltag entlasten. 20 der insgesamt 150 Dienste bundesweit sind für den Kinderhospizverein im Einsatz. Viele weitere sind Mitglied im Verein. 645 Ehrenamtliche arbeiten in den 20 Hospizdiensten des Vereins. Ihre Aufgabe: Betreuung der Familien auch über den Tod der Kinder hinaus. Hinzu kommen Workshops und Infoveranstaltungen für Eltern, Kinder und Interessierte, angeboten von der Kinderhospizakademie.

Die Hospizarbeit, so der Geschäftsführer des Vereins, Martin Gierse, sei im ländlichen Raum sicher noch ausbaufähig, denn es gebe nach Schätzungen bundesweit etwa 50 000 betroffene Kinder. Man dürfe aber auch eine bestimmte Größe der einzelnen Gruppen nicht überschreiten, damit Eltern und Kindern Begegnung und Austausch möglich seien. Denn die Anforderungen ändern sich. Das wurde im Rahmen der Pressekonferenz deutlich, an der auch Silke Keller, Assistentin von Vorstand und Geschäftsführung, Pressesprecherin Corinna Schleifenbaum und Sabine Dartenne, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands und betroffenen Mutter, teilnahmen.

Gegen die Sprachlosigkeit

Dartenne machte darauf aufmerksam, dass es längst nicht mehr nur um Kinder geht. Auch aufgrund der medizinischen Versorgung würden aus Kindern Jugendliche mit ganz anderen Problemen und Eltern, die nach 18, 20 und mehr Jahren Pflege ziemlich ausgelaugt seien. Nicht zuletzt deshalb werde es immer wichtiger, ehrenamtliche Begleiter zu finden, die bereit sind, die Familien zu unterstützen. Dabei geht es eben nicht um „Events“ wie sie oftmals angeboten würden, sondern um das ganz normale Leben“, betonte Gierse. Denn auch, wenn Kindern und Jugendlichen bewusst sei, dass sie sterben „leben sie doch im Augenblick“, sagte Dartenne, die sich wünscht, dass der Tag des Kinderhospizvereins gegen die Sprachlosigkeit hilft, die gegenüber Eltern von erkrankten Kindern häufig auftrete. Auch mit ihr könne man über das Wetter reden, sagte sie gestern, und Humor habe sie auch. Man könne eben viel von den Kindern lernen, die bei Zusammentreffen häufig gemeinsam lachen würden.

Auf fünf Millionen Euro summieren sich die Ausgaben des Vereins. Dem stehen drei Millionen an Spenden, 750 000 Euro von den Krankenkassen, Mittel aus Gerichtsurteilen, Beiträge der 3000 Mitglieder und Zuschüsse von Bund und Land gegenüber.