Wenn süße Träume Pause machen

Freudenberg..  Das Bethesda-Krankenhaus verfügt ab sofort über ein Schlaflabor. Die Einrichtung bietet vier Plätze und steigert damit die Kapazitäten im Siegerland auf insgesamt 13 Betten, wie Dr. Rainer Grübener, Chefarzt der Inneren Medizin, am Dienstag erläutert.

Zukunftsmarkt

Schlafstörungen aller Art sind in Anbetracht der demografischen Entwicklung so etwas wie ein medizinischer Wachstumsmarkt. Denn mangelnde Nachtruhe ist im Wesentlichen ein Problem der älteren Generation. In Mitteleuropa, rechnet der Chefarzt vor, schnarcht beispielsweise mehr als die Hälfte der über 50-Jährigen. Das allein genügt noch nicht, um eine oder besser noch zwei Nächte im Schlaflabor zu verbringen.

Die Zielgruppe sind vor allem die Menschen, die unter Schlafapnoe leiden. Deutschlandweit sind das immerhin sechs bis acht Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Unter Schlafapnoe versteht der Fachmann nächtliche Atemaussetzer. Sie dauern meist Sekunden an. Es geht allerdings auch anders. „Das längste, was ich gemessen habe“, so der Experte, „waren zwei Minuten vierundfünfzig Sekunden“. Das ist mehr als die meisten Apnoe-Taucher schaffen würden.

Freudenberg bietet vier Messplätze, die jeweils fünfmal pro Woche belegt sein können. Das macht bei voller Auslastung 1000 Untersuchungen im Jahr.

Therapie

Menschen, die nicht in einen erholsamen Schlaf gefunden haben, gehören nach erfolgreicher Therapie zu den „zufriedensten Patienten, die wir haben“, sagt Dr. Rainer Grübener, der die Traumlosen mit den Oberärzten Axel Braun und Zaklina Maubach therapiert – alle drei waren zuvor im Kreisklinikum beschäftigt.

Zunächst gelte es, die Risikofaktoren zu eliminieren. Dazu gehören etwa Übergewicht oder Alkohol spät am Abend. Wenn das nicht hilft, haben die Mediziner eine so genannte Überdruckmaske in ihrem Repertoire. Der Apparat wirkt seltsam, aber er nützt. „Der Mensch schläft Nacht für Nacht damit.“ Medikamentöse Behandlungen oder gar operative Eingriffe scheiden bisher aus, betonen die Experten.

Schlummern

Die Experten stellen am Dienstag jedoch nicht nur Therapiemöglichkeiten vor. Sie erläutern auch, wie jeder selbst für einen gesunden Schlaf sorgen kann.

Das Schlafzimmer sollte abgedunkelt sein und verhältnismäßig schalldicht. Die beste Schlummertemperatur liegt bei 15 bis 16 Grad Celsius. Weitere Empfehlung: kein Sport vor dem Zubettgehen. Das würde die Kerntemperatur des Körpers steigen lassen und „das ist schlecht für den Schlaf“, betont Dr. Rainer Grübener. Heiße Duschen spät am Abend haben den gleichen Effekt. Zudem sollte man allzu „opulente Mahlzeiten“ meiden. Und: „Das Bett ist zum Schlafen da“, sagt der Chefarzt. „Nicht zum Lesen und nicht zum Fernsehen.“ Und das Feierabendbierchen? „Alkohol beeinträchtigt die Schlafarchitektur“, sagt Kollege Braun. Zum Einschlafen vielleicht recht nützlich, fürs Durchschlafen eher hinderlich. Wichtige Hilfen für die Diagnose einer Schlafapnoe – bevor es ins Labor geht – sind Partner. Männer oder Frauen, die an der Seite eines Schnarchers schlafen – oder nicht – machen präzise Angaben über Art und Dauer der Aussetzer, sagt Dr. Grübener. Die Folgen der Heimsuchungen können ernstzunehmende Züge annehmen. Der Sauerstoffmangel, so die Ärzte, wirkt sich auf Herz und Gehirn aus. Eine unangenehme Folge für Männer: erektile Dysfunktion.