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Wenn die Katastrophe

22.02.2012 | 17:22 Uhr
Wenn die Katastrophe
Nachdem mit Hilfe einer Motorsäge der Weg frei geschnitten wurde, kann auch die vierte Person aus dem Fahrzeug befreit werden.

Frielentrop.   Es ist kalt, nass und dunkel. Schreie hallen durch die Nacht. Sekunden später erleuchtet das Blaulicht der Einsatzfahrzeuge die Dunkelheit. Erste Helfer des DRK Dortmund laufen los Richtung Einsatzort

Es ist kalt, nass und dunkel. Schreie hallen durch die Nacht. Sekunden später erleuchtet das Blaulicht der Einsatzfahrzeuge die Dunkelheit. Erste Helfer des DRK Dortmund laufen los Richtung Einsatzort.

Innerhalb von Minuten wird ihnen klar, wir brauchen Unterstützung und zwar viel Unterstützung. Ein illegales Autorennen auf einem Waldweg oberhalb der Firma Mauro in Frielentrop wurde zum Fiasko.

Beide Autos sind von der Straße abgekommen und haben sich überschlagen. Ein Passant hat alles gesehen und die Leitstelle informiert. Kurze Zeit später sind die Wehren aus Heggen, Bamenohl und Finnentrop vor Ort und mit ihnen 45 angehende Rettungsassistenten der DRK Berufsfachschule Rettungsdienst aus Dortmund.

„Dieses Praxiswochenende gehört zu unserem Lehrplan“, erklärt Fred Weingardt, Abteilungsleiter und stellvertretender Kreisgeschäftsführer des DRK Dortmund. „Bis jetzt kennen unsere angehenden Rettungsassistenten die Theorie aus dem Hörsaal. Aber ihr Einsatz später findet genau so statt, an einem Freitagabend, in Dreck, Matsch und Dunkelheit.“

Zusammen mit dem Jugendrotkreuz aus Lippstadt-Hellweg und Helfern der DLRG und des DRK Dortmund als Komparsen wurde hier ein Unfallszenario initiiert, bei dem Fiktion und Realität schnell ineinander verschmelzen. Die Unfalldarsteller verstehen ihr Handwerk. Sie sind nicht nur geschminkt, sondern spielen ihre Rolle bis zur letzten Minute mit Überzeugung. Sie schreien, rennen unter Schock los, zittern und verstummen. Damit niemand der Unfalldarsteller ernsthaft in Gefahr gerät, hat jeder einen „guten Geist“ an seiner Seite. Sie behalten die Rettungsmaßnahmen ihrer Schützlinge im Auge und können sie jederzeit stoppen.

Drei Azubis machen hier gleichzeitig ihre praktische Prüfung als organisatorische Leiter im Rettungsdienst. Für sie gilt es, den Überblick zu behalten und die vorhandenen Kräfte sinnvoll einzusetzen. Das ist nicht immer einfach. Mittlerweile sind rund 100 Personen vor Ort.

Die Feuerwehr hat Scheinwerfer aufgestellt und leuchtet die Unfallstelle aus. Ein Verletzter wird im Graben gefunden. Er ist aus dem Auto geschleudert worden. Ein junges Mädchen ist durch einen Scheibenwischer im Bauch schwer verletzt. Doch noch sind weitere Insassen in den Fahrzeugen eingeklemmt. Während die Retter die Kälte schon vergessen haben und sich vor Anstrengung den Schweiß von der Stirn wischen, heißt es für die Unfalldarsteller auszuhalten. Seit zwei Stunden liegen sie in der Kälte in den Fahrzeugen. Decken sollen sie schützen. „Die Kälte wird bei einem realen Unfall zum Problem. Daher ist es wichtig, die Verletzten jetzt so schnell wie möglich aus den Fahrzeugen zu holen“, erklärt Fred Weingardt.

Er hat den Überblick dank jahrelanger Erfahrung und sieht den einen oder anderen Fehler. „Aber dafür ist diese Übung da, um es im Ernstfall besser zu machen.“ Diesen Ernstfall, erzählt er weiter, habe man schon mal nach einer Übung gehabt. „Auf dem Heimweg kamen wir an einer Unfallstelle vorbei und da wurde aus der Übung Realität.“

Eine Motorsäge kommt zum Einsatz und macht für den vierten Verletzten den Weg aus dem ersten Auto frei. Auch aus dem anderen Fahrzeug wird eine Verletzte gerettet. Sie wird mit Hilfe eines Löschschlauches aus dem Auto gezogen. Nach gut zwei Stunden ist alles vorbei. Die Anstrengung steht allen ins Gesicht geschrieben.

Barbara Sander-Graetz

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