Wenn der Anlügerverkehr die Anlieger nervt

Die Seenstraße in Listerscheid. Frei für Anlieger, nicht für Anlüger
Die Seenstraße in Listerscheid. Frei für Anlieger, nicht für Anlüger
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Was wir bereits wissen
Wamge, das Örtchen zwischen Listerscheid, Bigge- und Listersee, hat 194 Einwohner, über die nicht besonders viel bekannt ist, außer, dass sie unglaublich viel Besuch bekommen.

Attendorn..  Wamge, das Örtchen zwischen Listerscheid, Bigge- und Listersee, hat 194 Einwohner, über die nicht besonders viel bekannt ist, außer, dass sie unglaublich viel Besuch bekommen.

Jedenfalls dann, wenn man mal unterstellt, dass es doch noch Autofahrer gibt, denen das Verkehrszeichen (VZ) 250 (rund, weiß, roter Rand) geläufig ist: Durchfahrt verboten. Das gilt natürlich auch dann, wenn ein kleines Zusatzschildchen das Verbot einschränkt: „Anlieger erlaubt“.

Das Pech der Wamge

Wamge hat das Pech, dass es mit der Seen­straße an einem Sträßchen liegt, das sich für Ortskundige als Abkürzung für den schnellen Weg zum Bigge- oder Listersee und hier vor allem zur Badestelle am Schnütgenhof anbietet.

Selbst Führerschein-Neulinge erfahren in Deutschland schnell, was unter Anlieger zu verstehen ist. Im Rechtslexikon heißt es: „Unter Anliegerverkehr ist zu verstehen der Fahrzeugverkehr der Anlieger und der Verkehr mit Fahrzeugen zu diesen Anliegern, oder allgemeiner: der Verkehr von und zu den in der gesperrten Straße liegenden Grundstücken und Geschäften.“

Nix zu machen? Doch!

Eine Definition, die schlecht ist für die wirklichen Anlieger, schlecht für die kontrollierende Polizei und gut für die Abkürzer, denn wer sich als Besucher eines Anliegers ausgibt, wird so vielleicht zum Anlüger-Verkehr, bleibt aber straffrei.

Holger Stinn von der Polizeiwache in Attendorn kennt das Problem aus erster Hand. Ein Kollege wohnt in Wamge, kennt den Verkehr und kennt auch die Ausreden.

Also, nix zu machen? Wer so denkt, hat die Rechnung ohne Jürgen Schüttler gemacht, Leiter des Verkehrsdienstes in Olpe. „Nix zu machen“ gehört nicht zu seinem Sprachgebrauch.

Die Antwort: Mit einem Zivilfahrzeug den VZ250-Sündern nachfahren. Wer dann auf der Seenstraße unterwegs ist und nicht wirklich anhält und irgendwo zu Besuch ist, hält am besten gleich das Portemonnaie bereit, denn dann gibt’s keine Ausrede mehr.

Und wer jetzt glaubt, das machen die sowieso nicht, soll sich auf den Weg machen - und staunen.