Weiterbildung ist alles
11.08.2009 | 18:37 Uhr 2009-08-11T18:37:00+0200
Attendorn. Eine Ferienarbeit besonderer Art leistete jetzt eine Schüler-Projektgruppe des St.-Ursula-Gymnasiums. Unter dem Motto „Von der Zweiten Industriellen zur digitalen Revolution” erkundeten die bisherigen Zehntklässler in den Sommerferien, wie sich die industrielle Arbeitswelt verändert hat.
In den Mittelpunkt ihrer Studien stellten die sechs Schülerinnen und Schüler das Attendorner Unternehmen Kirchhoff Automotive (ehemals M. Kutsch). Sie sichteten Archivmaterial, beobachteten die Produktionsabläufe und befragten heutige und frühere Mitarbeiter des Automobilzulieferers. Die gravierendsten Veränderungen seien, so erfuhren die Jugendlichen, mit der Einführung der Maschinensteuerung durch Computer (CNC) Anfang der 1980er Jahre einhergegangen. So hätten etwa die programmierbaren Drahterodiermaschinen den Werkzeugmachern das bis dahin mühevolle Bohren, Sägen, Fräsen und Feilen enorm erleichtert und das bei unschlagbarer Präzision. Eine beträchtliche Herausforderung sei in den Folgejahren auch die Ausweitung der Produktpalette durch das Aufstellen immer größerer Stanzen und Pressen gewesen. Eine weitere große Umstellung habe sich aus der elektronischen Vernetzung der Maschinen in den 90er Jahren ergeben. Seither laufe die Kommunikation sowohl innerhalb des Betriebs als auch mit den Kunden in aller Welt sozusagen im Sekundentakt.
Dass sich vor diesem Hintergrund die Anforderungen an die Beschäftigten grundlegend geändert haben, stellte vor allem der heutige Firmenchef Arndt G. Kirchhoff klar. Der studierte Wirtschaftsingenieur und mittelstandspolitische Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) erläuterte, worauf es mittlerweile ankomme: zum einen auf flexible Arbeitszeiten (um für die weltweiten Geschäftspartner rund um die Uhr erreichbar zu sein), zum anderen - neben einer qualifizierten Ausbildung - auf eine stetige innerbetriebliche Weiterbildung. „Von dem, was wir vor zwanzig, dreißig Jahren gelernt haben, können wir, technisch gesehen, inzwischen nichts mehr gebrauchen”, bilanzierte Kirchhoff, „denn im Betrieb ist keine Maschine älter als drei Jahrzehnte. Deshalb gibt die deutsche Industrie jährlich 27 Milliarden Euro allein für die Weiterbildung aus - mehr als für die Ausbildung.” Das einmal erworbene berufliche Wissen habe heute nur noch eine geringe Halbwertzeit und müsse deshalb ständig aufgefrischt werden.
Natürlich wollten die Schüler auch Kirchhoffs Meinung zur derzeitigen Wirtschaftskrise hören. Von staatlichen Eingriffen hält der Unternehmer nichts. Die Abwrackprämie vermehre den Konsum nicht, sie verlagere ihn nur. Staatshilfen für notleidende Betriebe verzerrten den Wettbewerb. Unternehmen wie Porsche oder Schaeffler seien hohe Spekulationsrisiken eingegangen und müssten nun auch selbst die Konsequenzen tragen. Ein Sonderfall sei „vielleicht” die Firma Opel.
Den eigenen Betrieb sieht Kirchhoff in der aktuellen Krise gut aufgestellt. Eine dreimonatige Phase der Kurzarbeit habe man im Juni beenden können. Zurzeit sind etwa 700 Personen im Attendorner Werk beschäftigt.
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