Wat is dat denn am Kopp?

P eter und Paul sind unzertrennlich. Was der eine ausheckt, führt der andere aus, was der andere plant, vollzieht der eine. Beide sind so dünn wie Latten, beide haben dieselben Hobbies, aber in einem unterscheiden sie sich: Paul achtet auf ein gepflegtes Hochdeutsch, dagegen spricht Peter, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Dieser Unterschied bringt die beiden Freunde doch schon manchmal dazu, dass sie sich streiten.


Die zwei haben sich wieder einmal verabredet. Treffpunkt ist der Platz neben der Kirche. Peter steht da und wartet und steht sich die Beine in den Bauch, aber mein lieber Paul lässt auf sich warten. Peter wird allmählich mürrisch, denn nun sind es schon zwanzig Minuten über die Zeit.


Endlich, da kommt der Paul. Er hält den Kopf schief, und so wie er vor Peter steht, da entdeckt der einige Striemen auf seiner Stirn. Statt eines Grußes fragt er spontan: „Wat is dat denn da an deinem Kopp?“ „Oh nein“, stöhnt der Paul, „erst die Schmerzen auf der Stirn, und jetzt auch noch Ohrenschmerzen!“ „Wat?“ fragt der Peter zurück, „haben se dir solche Klöppe gegeben, dat dir de Ohrn auch noch weh tun?“ Paul hält sich die Ohren zu und ruft in einiger Lautstärke: „Uh! Bitte schließe deinen Mund! Dat, wat, Kopp, Klöppe! Das ist ja nicht zum Aushalten!“


„Aha, dat alte Thema!“ stellt Peter. „Ker, hör auf, deine Ermahnungen, die kannste inne Tonne kloppen!“ Paul stöhnt: „Inne – Tonne – kloppen! Geht’s noch ein bisschen grausamer?“ „Jawohl, ich stopp dir gleich dat Maul, wenne wieder mit diesem Thema anfängs!“ kontert der Peter.


Die zwei merken gar nicht, dass jemand Drittes dazugekommen ist. Es ist Viktor Verbalis, der sich in Sprachen gut auskennt, und der nimmt sich nun den Paul aufs Korn. „Was hast du eigentlich, Paul? Lass den Peter doch in Ruhe, der redet doch nichts Unanständiges.“ Paul ist gar nicht einverstanden. „Aber das Deutsch, das der Kerl an sich hat, ist doch völlig verdorben! Peter ist so ein anständiger Mensch, aber er spricht wie der letzte Ganove!“


Dieses Argument akzeptiert aber der Viktor nicht. „Mein lieber Paul. Es gibt verschiedene Arten von Hochdeutsch. Du bemühst dich, immer so nah wie möglich an der Hochsprache zu bleiben. Aber es gibt noch eine andere Form des Hochdeutschen, nämlich die Umgangssprache. Und die ist überall in Deutschland anders, je nach Region. Deshalb nennt man diese Art Sprache auch „regionale Umgangssprache“. Und in unsere sauerländische Umgangssprache haben sich einige Wörter und Wendungen aus dem Plattdeutschen herübergerettet. Eben sind so’n paar Wörter gefallen: dat, wat, Kopp, kloppen – in amtlichen Hochdeutsch darf man nur sagen: das, was, Kopf, klopfen. Das ist kein falsches Deutsch, was der Peter spricht, das ist eben sauerländisches Umgangsdeutsch! Das hat genauso seine Daseinsberechtigung wie das feine gestochene Hochdeutsch. Und eine Ganovensprache ist das durchaus nicht!“


Paul bleibt unwillig und entrüstet schreit er: „Das kann ich nie und nimmer akzeptieren! Dat halt ich ja im Kopp nich aus!“ – Peter und Viktor grinsen sich eins. Warum wohl?