Warum die Jäger immer noch sauer auf Minister Remmel sind

Karl-Josef Fischer, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Kurköln Olpe, ärgert die Jagdrecht-Reform.
Karl-Josef Fischer, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Kurköln Olpe, ärgert die Jagdrecht-Reform.
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Was wir bereits wissen
Karl-Josef Fischer, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Kurköln, sagt, warum die Jäger wegen der Novellierung des Jagdgesetzes so verärgert sind.

Kreis Olpe.. Der Pulverdampf ist zwar wieder verraucht, aber das neue ökologische Jagdgesetz liegt den Jägern immer noch quer im Magen. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden der Kreisjägerschaft Kurköln Olpe, Karl-Josef Fischer, über das, was die Jäger besonders verärgert hat.

Herr Fischer, das Gesetz ist nach heftigen Protesten der Jäger verabschiedet worden. Darf sich jemand als Sieger fühlen?

Karl-Josef Fischer: Wenn man wie Minister Remmel mit dem Kopf durch die Wand geht und jegliche parlamentarische Diskussion über Bord schmeißt, und das ist ja passiert, dass man die Diskussion in den Ausschüssen teilweise nicht zugelassen hat, dann bezeichne ich das als schlechten parlamentarischen Stil.

Aber es hat doch Anhörungen gegeben?

Fischer: Diese Anhörung hat stattgefunden, aber die Debatte im eigentlichen Ausschuss, die hat’s dann nicht mehr gegeben.

Landesjagdgesetz Fühlen sich die Jäger undemokratisch behandelt?

Fischer: Wir hätten eine normale parlamentarische Debatte im Landtag für richtig gehalten. Rechtlich ist es offenbar so möglich, wie es gemacht wurde, aber aus unserer Sicht nicht demokratisch.

Der ursprüngliche Gesetzentwurf ist in einigen Punkten vor der Verabschiedung noch abgeändert worden. Welcher Punkt war für die Jäger der wichtigste, die Jagdsteuer?

Fischer: Einiges ist geändert worden, nicht zuletzt durch unseren Protest. Natürlich ist auch die Nichtwiedereinführung der Jagdsteuer, welche ja erst vor wenigen Jahren abgeschafft wurde, ein Erfolg. Wichtig für uns ist aber auch, dass wir weiterhin im Januar Stöberjagden durchführen können.

Was ist das?

Fischer: Das heißt , dass wir auch noch im Januar Stöberhunde einsetzen dürfen, um das Schwarzwild, so lange die Schneelage dies zulässt, intensiv bejagen zu können. Es sollte Ende Dezember damit schon Schluss sein. Das wäre für unsere Schwarzwild-Jagd, auch vor dem Hintergrund der Seuchenzüge der Schweinepest, fast schon eine Katastrophe gewesen.

"Ausbildung der Jagdhunde ist stark beschnitten worden"

Schwarzwild sind Wildschweine?

Fischer: Ja, ganz genau.

Was tut Ihnen in diesem Gesetz besonders weh?

Fischer: Dass die Ausbildung der Jagdhunde, die wir dringend benötigen, sehr stark beschnitten wurde.

Was bedeutet das konkret? Was durften sie bis jetzt, was jetzt nicht mehr?

Fischer: Wir durften zum Beispiel den Hund am Wasser ausbilden.

Landtag Am Wasser? Was bedeutet das?

Fischer: Bei der ist ein gut ausgebildeter Jagdhund per Gesetz vorgeschrieben. Er muss in der Lage sein, das erlegte Wild sicher zu finden und zu bringen. Auch bei der bereits angesprochenen Stöberjagd ist es wichtig, dass der Jagdhund den Umgang mit dem äußerst wehrhaften Schwarzwild und die Gefahren, die von dieser Wildart ausgehen, schon im jungen Alter kennenlernt.

Aber wie kann man Hunde für die Schwarzwildjagd trainieren?

Fischer: Der junge Hund kann in einem Ausbildungsgatter lernen dass es lebenswichtig ist, immer ausreichend Abstand zwischen sich und dem Keiler zu halten. Er bellt den Keiler aus fünf bis sechs Meter an, und dieser macht vielleicht mal einen kleinen Vorstoß in Richtung des Hundes, lässt sich aber sonst nur wenig stören und frisst weiter, da der Hund für den Keiler keine ernsthafte Gefahr darstellt und es für den ausgewachsenen Keiler zur täglichen Übung wird.

Und das verbietet das neue Jagdgesetz?

Fischer: Ja, die Ausbildung an lebenden Tieren ist komplett verboten. Leider werden wohl einige junge und unerfahrene Hunde das in Zukunft mit ihrem Leben bezahlen müssen.

"Geschossen werden dürfen alle Greifvögel ohnehin nicht"

Die Zahl der jagdbaren Arten stand immer wieder zur Diskussion. Was verärgert die Jäger daran, was halten sie für sinnlos?

Fischer: Wenn der Katalog der jagdbaren Arten um 75 Prozent zusammengestrichen wird, dann ist das in unseren Augen zunächst eine Art Enteignung, denn das Jagdrecht ist untrennbar nach dem Grundgesetz an den Grund und Boden gebunden. Wir haben über 100 Arten, und nicht einmal 30 bleiben übrig. Was mich persönlich ärgert: Wir haben mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises eine Vereinbarung, dass wir uns neben den Taggreifvögeln auch um die Nachtgreifvögel, wie zum Beispiel um Uhu, Eule und Kauz kümmern. Geschossen werden dürfen alle Greifvögel ohnehin nicht. Sie sind seit 1970 ganzjährig geschützt. Im Gegenteil: Wir haben eine Auffangstation installiert, wo wir derzeit etwa 15 verunfallte und verletzte Greifvögel jährlich wieder aufpäppeln und sie dann wieder in die freie Wildbahn entlassen. Ein anderer Punkt ist, dass plötzlich der Wisent in Jagdrecht aufgenommen wurde. Gegen den Widerstand der Jägerschaft unterliegt der Wisent nun dem Jagdrecht. Er darf zwar nicht bejagt werden, für Wildschäden darf der Jäger dann aber irgendwann, wie für das Schalenwild, aufkommen.

Und wenn diese Greifvögel jetzt aus der Liste der jagdbaren Arten herausgefallen sind, kümmern sie sich nicht mehr darum?

Fischer: Nein, das sicherlich nicht. Es besteht aber keine gesetzliche Verpflichtung mehr dazu. Das bewirkt diese unsinnige Änderung.

Jagdsteuer Im Klartext: Sie halten das für Unfug?

Fischer: Ja klar, es ist eine Verschlechterung des Schutzstatus der Tiere, die bisher im Jagdrecht waren. Dass irgendwo Leute wieder auf Greifvögel hätten schießen wollen, ist mir nicht bekannt.

Tierschützer hatten immer wieder moniert, dass Jäger auf Katzen schießen. Jetzt ist es verboten. Sauer?

Fischer: Im Gegenteil, ich finde es gut, dass wir Jäger diesen schwarzen Peter endlich los sind. Die Leute, die für Katzen immer schon die Verantwortung hätten tragen müssen, wie die Eigentümer oder die Ordnungsbehörden, sind jetzt am Zuge und müssen sich um die Schäden, die Katzen in der Natur anrichten, kümmern.

Das Thema ,Wolf’ ist wieder in aller Munde. Er war über 100 Jahre gar nicht im Focus, jetzt steht er angeblich schon vor den Stadt-Toren. Wie sehen die Jäger das?

Natur Fischer: Auch das finde ich gut. Wir wollen auch gar nicht, dass er ins Jagdrecht kommt. Dagegen wehren sich die Jäger vehement. Dann hätten wir wieder die im Gesetz verankerte Verantwortung.

Das Thema Jagdrecht müsste man dem Laien mal erklären. Käme der Wolf ins Jagdrecht, würde das also nicht bedeuten, dass man ihn schießen dürfte?

Fischer: Ganz genau. Tierarten benötigen neben der Aufnahme ins Jagdrecht auch eine Jagdzeit. Dies wird in der sogenannten Jagdzeitenverordnung gesetzlich geregelt. Von den derzeit noch im Jagdrecht enthaltenen über 100 Tierarten haben nur knapp 30 auch eine Jagdzeit Die Arten ohne Jagdzeit genießen eine ganzjährige Schonzeit und die Hegebemühungen der Jägerschaft.

"Solche Bürokratie macht keinen Spaß mehr"

Aber was ist, wenn ein Wolf das erste Schaf gerissen hat? Wird das nicht sehr schnell zu einem Problem für die Jägerschaft? Auf der einen Seite die Rufe, mit dem Gewehr für Sicherheit zu sorgen, auf der anderen die Tierschützer, die wertvolle Art nicht anzutasten?

Fischer: Für uns wird das nicht zum Problem. Um die Wölfe müssen sich dann von den Naturschutzverbänden bestellte Wolfs-Manager kümmern. Aber es reicht nicht, einfach zu sagen: Willkommen Wolf. Man sollte die Bevölkerung dahingehend aufklären, dass wir es hier mit einem sehr großen Raubtier zu tun haben. Und dass es sich um ein sehr intelligentes Tier handelt.

Aber es könnte doch zur Konkurrenz für die Jäger werden. Das Reh, das der Wolf reißt, kann der Jäger nicht mehr erlegen.

Fischer: Das sind Ammenmärchen, die gerne von Naturschützern oder Jagdgegnern erzählt werden. Der Wolf benötigt einen sehr großen Lebensraum. Bei über 300 Jagdrevieren im Kreis Olpe wird der Jagdpächter einzelne Rehe, die der Wolf reißt, gar nicht vermissen. Da ist der Verlust im Straßenverkehr um ein Vielfaches größer. Ich versichere Ihnen, ich gehe zur Jagd, weil ich Spaß daran habe, weil ich mich in der Natur erhole und weil ich da viele Tiere beobachten kann. Ich muss nicht unbedingt schießen. Natürlich schieße ich auch Rehe. Aber in erster Linie gehe ich, um mich zu erholen. Gestern habe ich noch eine Fähe mit einem Jungfuchs beobachtet... .

Jagdgesetz ...eine was?

Fischer: Eine Fähe, das ist eine Füchsin. Also denen habe ich eine halbe Stunde zugeschaut, das war ein herrliches Naturschauspiel. Auch das Naturschauspiel ,Wolf’ werden wahrscheinlich nur wir Jäger genießen dürfen. Alle anderen werden wohl eher Angst haben.

Empfinden auch die meisten ihrer Kollegen so?

Fischer: Fast alle, denke ich.

Also das Klischee vom schießwütigen Jäger ist ein Märchen?

Fischer: Das ist ein Märchen. Natürlich müssen wir die Schadenswildbestände kurz halten. Daran haben ja schon die Waldbauern als unsere Partner im ländlichen Raum ein starkes Interesse.

Neues Jagdgesetz Wenn Sie bei Minister Remmel einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

Fischer: Dass er sich offen der Diskussion stellt. Und dass er uns nicht aus dem grünen Düsseldorf heraus sagt, wie wir hier auf dem Land mit unserer Natur umzugehen haben.

Und speziell auf das Jagdgesetz bezogen?

Fischer: Dass unsinnige bürokratische Hürden entfernt werden. Es geht um kleine Ge- und Verbote, um kleine Gängelungen, dass wir zum Beispiel jagdliche Einrichtungen wie Kirrungen für Schwarzwild GPS-genau mit drei Stellen hinterm Komma angeben müssen. Solche Bürokratie macht keinen Spaß mehr, erinnert stark an einen Überwachungsstaat. Und da stecken im Gesetz 20, 30 kleine, versteckte Nadelstiche, die einfach nur vollkommen überflüssig sind. Wir haben eines der modernsten Jagdgesetze weltweit, das immer wieder angepasst und modernisiert worden ist. Von daher bestand zu dieser Reform überhaupt keine Notwendigkeit.