Vor dem Abriss kommt der Gutachter

Den Schutz von Fledermäusen hat der Gesetzgeber in die Hand von Gutachtern gelegt. Sie müssen vor einem geplanten Abriss in den Häusern nach schützenswerten Arten suchen.
Den Schutz von Fledermäusen hat der Gesetzgeber in die Hand von Gutachtern gelegt. Sie müssen vor einem geplanten Abriss in den Häusern nach schützenswerten Arten suchen.
Foto: STEPHAN GLAGLA PHOTOGRAPHIE / WA
Ohne das Ja eines Gutachters darf kein Haus abgerissen werden. Er untersucht, ob es in dem Gebäude eventuell schützenswerte Arten gibt.

Kreis Olpe..  Der Gutachter, den man laut Bundesnaturschutzgesetz beauftragen muss, wenn man den Abriss eines Hauses plant, kann teuer werden, muss es aber anscheinend nicht. Seine Aufgabe: Die Suche nach Ruhestätten von geschützten Arten wie Fledermäusen. Wird er fündig, muss der Abriss warten.

„Ruhestätten der besonders geschützten Arten dürfen nicht zerstört werden“, zitiert Kreisdirektor Theo Melcher die gesetzliche Vorgabe. Daran musste sich auch die Spielvereinigung Oberveischede halten. Vor dem Abriss des alten Vereinsheimes kam der Gutachter und suchte nach Fledermäusen oder deren Hinterlassenschaften. Da er nichts gefunden hat, durfte abgerissen werden. Die Kosten allerdings blieben: 1200 Euro.

Aus Kostengründen auf den Gutachter verzichten kann man allerdings nicht. Denn vor der Abrissgenehmigung muss das Gutachten vorliegen, sonst wird sie gar nicht erst erteilt. „Das wissen die Architekten“, sagt Theo Melcher. Und sie wissen auch, dass das Gutachten nur von einem anerkannten Sachverständigen erstellt werden darf.

Für eine Spende

Sachverstand in Sachen Fledermäuse hat auch Franz-Josef Göddecke, Vorsitzender des Naturschutzbundes im Kreis Olpe (NABU). Auch er hat schon Gebäude inspiziert, wenn ein Abriss oder auch eine größere Umbaumaßnahme beispielsweise im Dachstuhl anstand. „Die untere Landschaftsbehörde verlangt das bei allen Gebäuden, die abgerissen werden sollen, unabhängig vom Alter“, sagt er und erinnert sich an den Ausbau des Dachbodens in Schrabben Hof in Silberg. Den hat er vorher in Augenschein genommen - und nichts gefunden.

Die Suche nach geschützten Arten könne recht aufwendig sein, zumal, wenn bestimmte Bereiche nicht begehbar seien. Da kann der Ultraschalldetektor, den auch Göddecke einsetzt, speziell bei Fledermäusen hilfreich sein. Und die Kosten? „Wir sind für den NABU ehrenamtlich tätig“, sagt Göddecke. „Wir machen das für eine Spende.“

Unverzüglich einstellen

Der Gutachter, der in Oberveischede tätig wurde, steht in einer Liste, die man beim Kreis bekommt, sagt Lothar Sabisch, Bauunternehmer aus Oberveischede. Letztlich sei ja auch die Frage, welche Qualifikation denn ein Gutachter haben müsse. Schließlich muss das Gutachten der Überprüfung durch die Genehmigungsbehörde standhalten.

Und der geht es am Ende nicht nur um Fledermäuse. Auch Schwalben-, Falken- und Eulennester können durchaus einen Gebäudeabriss verzögern. Betroffen sind vor allem Häuser, deren Dachstuhl von außen zugänglich ist. Gesucht wird auch nach Ritzen und Spalten in Mauerwerk und Hohlwänden.

Bei Fledermäusen wird es meist um Sommerquartiere gehen, was den kritischen Zeitraum auf März bis Ende Oktober beschränkt. In dieser Zeit ist ein Abriss auf jeden Fall nicht zulässig, wenn Fledermäuse gefunden werden. Bei mehrjährig benutzten Quartieren - wie Fledermaus-Wochenstuben oder auch Schwalbennestern - ist bezüglich der weiteren Vorgehensweise Kontakt mit der Unteren Landschaftsbehörde aufzunehmen.

Wer sich nicht an die Vorgaben hält, riskiert einen Baustopp. Das gilt übrigens auch dann, wenn erst während des Abrisses Fortpflanzungs- oder Ruhestätten geschützter Arten gefunden werden. In diesem Fall ist der Abriss laut Bundesnaturschutzgesetz „unverzüglich einzustellen“.