Vom Schrotthaufen zum Schmuckstück

Hützemert..  Wenn Johannes Wigger das Knattern seines Lanz Bulldog hört und ihm der Duft des Diesels um die Nase weht, ist er in seinem Element. So manches Mal genießt der 61-Jährige eine Ausfahrt auf seinem 78 Jahre alten Schätzchen. Bis zu 30 Kilometer schafft der Oldie. Mehr möchte Johannes Wigger dem Trecker aber auch nicht zumuten, denn bei jedem Schlagloch ist Vorsicht geboten - dann schlägt er aus. Da bot sich das Treckertreffen, das am Samstag zum ersten Mal am Alten Bahnhof in Hützemert stattfand ja direkt an.

Dieselgespräche

Eine relativ kurze Strecke und die Freude, mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen. „Dieselgespräche“ schweißen die Fans alter Trecker zusammen und natürlich das Fachsimpeln. Auch ein Punkt, bei dem Johannes Wigger mitreden kann. Seinen Lanz Bulldog hat der Hützemerter vor 21 Jahren über Mundpropaganda im Westerwald aufgespürt und, wie er selber sagt, als Schrott gekauft. „Es war einfach eine Ruine“, so Johannes Wigger - und weiter: „Keine Schraube blieb, wo sie war. Hinter jeder Schraube verbarg sich ein neues Problem. Wenn ich gerade nicht mit Schrauben beschäftigt war, habe ich nach Ersatzteilen gesucht.“ So manches Mal fuhr der passionierte Treckerfan nach Holland, um Ersatzteile zu besorgen. Neuteile gibt es nämlich nicht mehr. Nach etwa einem Jahr war der Lanz straßentauglich. Ein weiteres sehenswertes Modell aus der Sammlung von Johannes Wigger ist ein Modell der Firma Orenstein und Koppel (in Kennerkreisen kurz O und K). Mit 18 PS und auf Hochglanz poliert ebenfalls ein Blickfang.

Eine weitere Anreise hatte Peter Vignold aus Bergneustadt. Der Treckerliebhaber war mit seiner dreijährigen Tochter auf einem Eicher angereist. Er ist seit zwei Jahren stolzer Besitzer seines 1958 in einer begrenzten Anzahl von gerade Mal 1961 Stück gebauten Treckers.

Um die Mittagszeit konnte der ausrichtende Dorfverein bereits eine stattliche Anzahl Treckerfreunde mit ihren Gefährten begrüßen. Frank Wigger, der selbst einen Unimog besitzt, brachte auf den Punkt, was Treckerfans an ihrem Hobby fasziniert: „Es ist das Interesse an alter Technik und die Erkenntnis, wie ausgefeilt die Technik früher ohne Internet und 3-D-Technik war. Alles ist aus reiner Mechanik, keine Elektronik und keine Wegwerftechnik.

Alles kann repariert werden. Mit Holzmodellen hat es angefangen. Da wurde noch auf Form und Ästhetik geachtet.“

Rockmusik zum Auftakt

Frank Wigger rechnete im Verlauf des Tages mit etwa 50 Nennungen. Jedes Modell war versehen mit Baujahr, PS und Infos, mit denen sich die Besucher informierten. Zum Auftakt des Wochenendes, das unter dem Motto „Zurück in die Vergangenheit“ stand, rockte die Wendener Gruppe „T-time with Lukas“ den Alten Bahnhof mit Hits von den 50er bis zu den 80er Jahre. Die Bewirtung lag in den Händen des Dorfvereins und des Team der Jausenstation.