Viega aus Attendorn verdient Geld hinter der Wand

Am Viega-Standort Ennest ensteht ein neues Seminarcenter.
Am Viega-Standort Ennest ensteht ein neues Seminarcenter.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Weltmarktführer aus Attendorn ist Spezialist für Rohrleitungssysteme, Entwässerungssysteme und Vorwandtechnik. Auch Grohe mit Nachfrageplus.

Attendorn.. Zwischen den Unternehmen der Sanitärbranche im weiteren Sinn gibt es einen entscheidenden Unterschied: Diejenigen, die sich um das kümmern, was den Kunden vor der Wand begeistert und die anderen, deren Kerngeschäft sich in erster Linie hinter der Wand abspielt.

Das eine, Wasserhähne oder einen Duschkopf, fasst man gern an, es glänzt und bereitet Wohlbehagen, das andere muss einfach nur funktionieren – das Aussehen ist meist egal. Zu letzteren gehört Viega, eines der umsatz- und mitarbeiterstärksten Firmen in Südwestfalen – ein international tätiges Familienunternehmen der Sanitär- und Heizungstechnik und ebenso Weltmarktführer wie die im Märkischen Kreis ansässigen Armaturenhersteller.

"Das Markenzeichen Made in Germany hilft uns sehr", sagt Viega-Marketingleiter Dirk Thielker. Man bewegt sich im obersten Preissegment, da muss die Qualität stimmen. Und das bei einem Produkt wie unter anderem Rohrleitungen, die man nicht einmal sieht. Viega ist Weltmarktführer für Presstechnik bei metallischen Rohrleitungssystemen.

Nicht alles hinter der Wand

Was der Installateur in früheren Tagen mit der Flamme zusammenlöten musste, hat die im Hause entwickelte Presstechnik ersetzt, berichtet Thielker. Mit klassischen Badarmaturen hat Viega nichts zu tun – in Rohrleitungssystemen heißen die Armaturen Fittinge. Aber nicht alles von Viega ist hinter der Wand versteckt. Spülkästen etwa, und wenn in Wanne oder Dusche etwas am Abfluss verchromt ist, könnte es aus dem Kreis Olpe stammen.

Zu den Erfolgsfaktoren des Familienunternehmens um die Familie Viegener, die den Weltmarktführer lieber als hidden champion sehen möchte, gehört auch die frühe Internationalisierung. Viega ist über 70 Ländern tätig, vorwiegend mit eigenen Vertreibsorganisationen, sehr expansiv vor allem in Asien und den USA, wo die Firma Spezialprodukte für den dortigen Markt herstellen lässt. Die gute Konjunktur hilft, in Deutschland, in Teilen Europas, in den USA und anderswo. "Wir sind sehr zufrieden", wehrt Thielker Fragen nach Umsatz oder Gewinn ab. "Die Familie möchte das nicht."

Eine weltweit steigende Nachfrage nach Sanitärsystemen hinter der Wand verzeichnet auch der Armaturen-Weltmarktführer Grohe in Hemer. „Und zwar in Ländern, in denen man das gar nicht erwarten würde – dem Mittleren Osten, Indien und den USA", erklärt Sprecherin Ulrike Heuser-Greipl. Das liege an der guten Konjunktur weltweit, an den zahlreichen Hotelbauten und am Projektgeschäft. Und auch Branco Kecur vom Designarmaturenhersteller Dornbracht in Iserlohn hält beim Export nach Asien das Markenzeichen "Made in Germany" für wichtig. Auch in Deutschland laufe es gut. Der Standort Iserlohn mit rund 800 Mitarbeitern sei die einzige Produktionsstätte und soll es auch bleiben.

Unternehmen will weiter wachsen

3500 Beschäftigte weltweit, 1700 allein im Kreis Olpe, davon 600 am Sitz der Hauptverwaltung sowie von Forschung und Entwicklung in Attendorn. Dazu der Logistik- und Gießerei-Standort Ennest und die Kunststoff-Fertigung in Elspe – Viega mit der Schweizer Firma Geberit als einzigem nennenswerten Wettbewerber will weiter wachsen und sucht Mitarbeiter.

Und hat ein Problem damit. "Der Facharbeitermangel begrenzt in der Branche bereits heute das Wachstum, morgen kann es auch für Viega ein Problem werden, deshalb ist das Unternehmen bereits heute auf der Suche", sagt der Marketing-Chef. Und ein wenig trübt auch das Russland-Geschäft die Stimmung: "Wir sind dort stark, vor allem in Moskau gut positioniert. Aber die Bauprojekte dort stocken. Nur noch wenige wollen investieren."