Verständnis für die Nöte der kleinen Leute

Leiki Stavrou und seine Frau Stavroula bei der Arbeit in der Olper Gaststätte „Samos“.
Leiki Stavrou und seine Frau Stavroula bei der Arbeit in der Olper Gaststätte „Samos“.
Foto: WP

Kreis Olpe..  Der Wahlausgang in Griechenland war gestern Thema Nummer eins bei den Griechen im Kreis Olpe. „Die Griechen waren richtig sauer über die ganzen Sparmaßnahmen. Die kleinen Leute haben es schwer, vor allem die Rentner. Die können ihre Medikamente nicht mehr bezahlen. Die waren richtig enttäuscht und haben gesagt: So geht es nicht weiter“, sagt Leiki Stavrou, Inhaber der Olper Gaststätte „Samos“. Jetzt seien alle gespannt, welche Versprechungen Alexis Tsipras einhalten werde: „Für die kleinen Leute müssen ein paar Kürzungen zurückgenommen werden, sonst schaffen sie es nicht.“ Leiki Stavrou ist dafür, dass sich der neue Regierungschef mit den Europäern trifft: „Ich glaube, die werden sich einig.“ Wichtig sei, dass Griechenland ein modernes Land werde, weg von der Korruption: „Der Weg führt nur über ein gemeinsames Europa.“ Eine Rückkehr zur Drachme sei „eine Katastrophe“, so der Olper Gastwirt.

Etwas mehr Luft

Theo Pagonakis aus Olpe ist überzeugt, dass jahrzehntelang schwere Fehler gemacht worden sind. „Nea Dimokratia und Pasok haben das Land unter sich aufgeteilt, waren immer oben und haben es in die Situation gebracht, in der es ist.“ Deshalb begrüße er es, wenn jetzt neue Politiker und vor allem junge Menschen Verantwortung übernehmen: „Klar ist für mich aber auch, dass Griechenland seine Verpflichtungen erfüllen muss. Verträge muss man einhalten, man darf sein Gesicht nicht verlieren.“ Etwas mehr Luft sollte man dem Land aber geben. „Was in Jahrzehnten alles falsch gemacht worden ist, kann man nicht auf Biegen und Brechen in so wenigen Jahren umdrehen. Es hat keinen Sinn, wenn man die Wirtschaft abwürgt.“ Etwas mehr Brüderlichkeit wünscht er sich, denn eine Alternative sieht er nicht: „Ich glaube an Europa!“

Das ist bei Chariklia Zappanadou aus Drolshagen nicht anders: „Aber es wird schwer werden in der EU zu bleiben.“ Der Wahlausgang ist für sie keine Überraschung. Erst am Samstag ist sie von einen zweiwöchigen Aufenthalt in ihrer Heimat zurück gekommen, hat die Stimmung hautnah mitbekommen. „Alle Leute sind davon ausgegangen, dass Alexis Tsipras gewählt wird.“ Die Leute seien zwar nicht begeistert, aber sie seien von der bisherigen Regierung enttäuscht: „Ich weiß nicht, was werden wird, ich lass mich überraschen.“

Auch Anastasios „Tasso“ Thomos, der in Saalhausen die „Dorfschänke“ betreibt, ist skeptisch: „Wir wollen das Beste hoffen, aber ich glaube nicht, dass Tsipras seine Versprechungen halten kann.“ Ein Euro-Ausstieg sei Blödsinn: „Das würde das Land 100 Jahre zurück werfen.“

Vetternwirtschaft größtes Problem

Größtes Problem sei die Vetternwirtschaft, so Thomos: „Die kriegt man nicht raus. Wenn dir jemand einen Gefallen tut, musst du ihm irgendwann auch einen tun und schon ist man in dem System drin.“

Erst einmal abwarten, meint auch Tsarouchas Dimitrios aus Altenhundem nach der Wahl in seiner Heimat. Er stammt wie Anastasios Thomos aus der Nähe von Kalambaka in der Region Thessalien. Für ihn ist der Wahlausgang in Griechenland keine Überraschung. Zu sehr hätten die Griechen unter dem Sparkurs gelitten. Viele hätten angesichts der hohen Arbeitslosigkeit von fast 30 Prozent ihren Job verloren. Und es würde zehn Generationen dauern, bis das Land alle Schulden zurück gezahlt hätte.