Verspargelung der Landschaft verhindern

Carsten Graumann
Carsten Graumann
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Was wir bereits wissen
Die Entscheidung, in größerem Umfang Flächen in Attendorn für die Windkraft bereitzustellen, ist keine, die Bürgermeister, Verwaltung oder Stadtrat getroffen haben, sondern geht zurück auf den Beschluss der Bundesregierung zur Energiewenden.

Attendorn..  Die Entscheidung, in größerem Umfang Flächen in Attendorn für die Windkraft bereitzustellen, ist keine, die Bürgermeister, Verwaltung oder Stadtrat getroffen haben, sondern geht zurück auf den Beschluss der Bundesregierung zur Energiewenden.

Daran erinnerte am Mittwochabend Beigeordneter Carsten Graumann in der Infoveranstaltung der Stadt zum Thema Windkraft. Bis zum Jahr 2025 sollen 40 bis 45 Prozent der Stromerzeugung auf erneuerbare Energien umgestellt werden, die Windkraft hat daran entscheidenden Anteil.

Das Land NRW muss für Windkraftanlagen 54 000 Hektar zur Verfügung stellen, auf den Regierungsbezirk Arnsberg entfallen davon 18 000 ha, auf die Stadt Attendorn 347 ha. Ziel der Stadt ist es laut Markus Hohmann, „eine Verspargelung“ der Landschaft zu verhindern: „Wir wollen eine siedlungs- und landschaftsgerechte Konzentration der Anlagen.“

Gerichte prüfen kritisch

Der Weg dorthin ist weit. Am Ende (2016) steht ein Flächennutzungsplan, der genau festlegt, wo in Attendorn Windkraftanlagen gebaut werden können und wo nicht. Und genau an dieser Stelle liegt das Problem. Der Plan muss „gerichtsfest“ sein, denn potenzielle Kläger werden laut Graumann versuchen, die von der Stadt vorgegebene Konzentration aufzubrechen und immer wieder einen Platz zu finden für ein weiteres Windrad. Die entscheidende Frage ist: Hat die Stadt in ihrem Flächennutzungsplan der Windkraft, wie von Gerichten gefordert, „substanziell“ Raum gegeben?

Da „substanziell“ nicht exakt definiert ist, bleibt die Stadt, so Graumann, in der ersten Phase der Planung auf der sicheren Seite. In den „harten Tabuzonen“ wurde der Mindestabstand zur Wohnbebauung auf 400 Meter festgelegt. Eine Größenordnung, die in der Versammlung für Nachfragen sorgte. Das Oberverwaltungsgericht Münster hat in einem Urteil davon gesprochen, dass bei Entfernung der Windanlage unter dem Zweifachen der Höhe der Anlage von einer „bedrängenden Wirkung“ ausgegangen werden kann. Da Attendorn mit Referenzanlagen von 200 Metern plant, wären 400 Meter Abstand gerade das Minimum des Notwendigen, mehr scheint möglich. Warum also nicht 500 oder 600 Meter?

Weiche Tabuzonen folgen

Graumann verwies einerseits auf die gerichtsfeste Auslegung des Planes, zum anderen auf die Möglichkeit, über die noch festzulegenden „weichen Tabuzonen“ den Abstand der Windkraftanlagen zur Wohnbevölkerung auszudehnen. Neu war in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass die Vorrangzonen, die die Stadt im Rahmen des laufenden Planverfahrens festlegt, nicht identisch sein müssen mit denen, die der Regierungspräsident für Attendorn ausgewiesen hat. Die konzentrieren sich im oberen Repetal.