Verordnete Gesichtslosigkeit

Parkpalette Feuerteich. 28 Jahre nachdem die UWG Attendorn erstmalig im Rahmen eines gesamtstädtischen Entwicklungsplans mit Kreisverkehr am Niedersten Tor, Einbahnstraße Ennesterstraße, Durchbau der Hansastraße etc., eine konkrete Bebauung des Feuerteichs mit einer Parkpalette vorstellte, soll es jetzt endlich soweit sein. Wer jetzt glaubt, gut Ding will Weile haben, der irrt hier leider.


Nachdem dann ein Jahr später 1987 der Attendorner Architekt Johannes Höffer im Rahmen eines Arbeitskreises des Vereins für Orts und Heimatkunde entsprechende Ansichtskizzen zu einem Parkdeck entwarf, wurde unter anderem aufgrund der Initiative der Schützengesellschaft vom Stadtrat damals schon der Bau einer Parkpalette beschlossen. Letztlich wurde aber der Ausbau aus kommunalpolitisch taktischen Gründen von der damaligen CDU Mehrheitsfraktion verhindert.

Fast drei Jahrzehnte später soll nun ein in jeder Beziehung - Kosten, Gestaltung, Folgekosten etc. - unausgereifter Entwurf der Parkpalette vom Stadtrat in all zu großer Eile beschlossen werden. In der Beschlussvorlage, in der der Bau einer öffentlichen Toilettenanlage (47 000 Euro veranschlagte Baukosten) aus angeblich Wirtschaftlichkeitsgründen abgelehnt wird, heißt es unter anderem, dass sich die geschätzten Kosten für die Parkpalette von 2.1 Mio. Euro aber noch ändern könnten, weil überhaupt noch nicht die Bodenbeschaffenheit festgestellt wurde, damit auch nicht die Kosten der Gründung und auch nicht die Kosten für die Deponierung des Bodenaushubs.


Weiterhin ist unklar, wer das notwendige Verlegen von Versorgungsleitungen bezahlt. Wenn hier auf einmal Mehrkosten von 50 000 oder 200 000 Euro entstehen, bleibt das Parkdeck dann immer noch wirtschaftlich? Oder sind hier nur menschliche Grundbedürfnisse einfacher als unwirtschaftlich zu berechnen?

Die Außenwände des Parkdecks zum Severngraben hin, sollen mit hellen Sandsteinplatten verkleidet werden. Hier gehorcht man wohl mit vorauseilendem Gehorsam dem vermeintlichen Diktat des Amtes für Denkmalpflege. In unserer Heimatstadt Attendorn ist seit jeher die Grauwacke prägendes Baumaterial mit all seinen Vorzügen für die Gestaltung der Witterungs- und Wertbeständigkeit und damit der Nachhaltigkeit. Welch unglaublicher Amtsvorgang, den Attendorner Bürgern erklären zu wollen, eine Bruchsteinverkleidung an der Parkpalette würde dem Denkmal Bieketurm abträglich sein.


Im Namen einer vorgeblichen Wirtschaftlichkeit und von Amts wegen wird auf Bürger- und Gästeservice, auf einen hygienischen und infrastrukturellen Mindeststandard verzichtet, ich kenne keine freundliche Stadt ohne saubere öffentliche Toiletten. In der Attendorner Schützenfestbeilage 2014 steht über das Denkmal Bieketurm, Zitat: „Er steht heute als Zeichen der Wehrhaftigkeit der Attendorner Bürger während der fast 800 jährigen Stadtgeschichte“.


Ich wünschte mir, die Attendorner Bürger wären heute genauso wehrhaft gegen die Architekturtraurigkeit, das Industrialisierungsbestreben im öffentlichen Raum und die von oben im Namen der Wirtschaftlichkeit und von Behörden verordnete Gesichtslosigkeit.